FondsHenning Gebhardt wird Millennials-Investor

Henning Gebhardt gilt als Star unter den Fondsmanagern
Henning Gebhardt gilt als Star unter den Fondsmanagern Ramon Haindl

Zwei Jahre nach seinem Ausstieg bei Berenberg gibt mit Henning Gebhardt einer der bekanntesten deutschen Fondsmanager sein Comeback in der Branche. Der frühere DWS-Aktienchef übernimmt nun das Management des global anlegenden Mischfonds „Millennium Global Opportunities“. „Ich war ja nie ganz weg und immer nah dran an den Märkten“, sagt Gebhardt im Gespräch mit Capital. „Für den Fonds war ich bereits beratend tätig und übernehme ihn nun auch ganz offiziell. Ein bisschen mache ich also ein Hobby wieder zum Beruf.“

Gebhardt wird nicht nur den Fonds managen, sondern ab 2022 auch Gesellschafter und Geschäftsführer von Hollyhedge Consult. Der Fondsadviser entscheidet über die Zusammensetzung des Fonds. Der Name ist aus dem Firmensitz in der Straße Holzhecke in Frankfurt abgeleitet: Hollyhedge bedeutet Stechpalmenhecke. Der 2003 aufgelegte Millenium-Fonds hat aktuell laut Fondsweb.de ein Anlagevolumen von gut 43 Mio. Euro und wird bei Hauck & Aufhäuser verwaltet.

Der Aktienprofi Gebhardt, der auch erfahren im Managen von gemischten Fonds ist, will bei seinem neuen Fonds den Namen stärker in der Anlagestrategie zum Ausdruck bringen. „Ich will die Themen der Generation der Millennials bei der Aktienauswahl verstärken“, sagt er. Dazu zählt er unter anderem der Kampf gegen den Klimawandel, Digitalisierung, Automation („Industrie 4.0“) und Ernährung. Als Millennials wird die Generation der um die Jahrtausendwende herum Geborenen bezeichnet, die einerseits sehr technik- und digitalaffin sind, für die zugleich aber auch Nachhaltigkeit einen großen Stellenwert hat.

Öffentliche Kritik an Autobauern

Der Fonds selbst, der bislang schon eine Reihe von Ausschlusskriterien wie fossile Energieträger, Rüstung oder Alkohol hat, soll zum „Artikel 8“-Fonds ausgebaut werden, also ein ESG-Fonds werden. Schon in der Vergangenheit setzte sich der Fondsmanager für gute Unternehmensführung (Governance) ein und kritisierte diesbezüglich öffentlich unter anderem Volkswagen, Siemens und Daimler.

Bei der Aktienauswahl setzt Gebhardt dabei zum einen auf „Unternehmen mit einem spannenden Wachstumsprofil, die möglichst nicht zu hoch bewertet sind und mittels eines starken Cashflows ihr Wachstum selbst finanzieren können“. Zweitens will er in „Firmen mit stabilem Wachstumsprofil und gutem Ausblick“ investieren, meist also solide Dividendentitel, die ihre Ausschüttungen aus dem Cashflow zahlen können und Wachstumsoptionen haben. Ein Beispiel für die erste Gruppe sei die Google-Mutter Alphabet, für die zweite Gruppe die Deutsche Telekom. „In der Kombination bedeutet dies weniger Risiko im Portfolio“, betont Gebhardt.

Der gebürtige Niedersachse arbeitete von 1996 bis 2016 für die DWS. Zuletzt verantwortete er bei der Fondstochter der Deutschen Bank das globale Aktiengeschäft, bevor er 2017 bei Berenberg startete. Bei der Hamburger Privatbank verantwortete er bis 2019 den Zentralbereich Wealth and Asset Management und war Mitglied der erweiterten Geschäftsführung. In der Zwischenzeit hat er verschiedene Beratungs- und Aufsichtsratsmandate wahrgenommen.

Jetzt richtet sich Gebhardts Blick wieder stärker auf den Aktienmarkt. Hier müssen sich Anlegende seiner Einschätzung nach auf unruhigere Zeiten einstellen. „Der einfache Anstieg ist vorbei, es beginnt eine Phase mit einem schwierigeren Umfeld“, sagt er. Dafür sieht er zwei Gründe: „Die Geldmenge wird nicht mehr so stark ausgeweitet wie im vergangenen Jahr, und die wirtschaftliche Erholung verlangsamt sich.“

Es werde in nächster Zeit auch einmal die eine oder andere schlechte Nachricht aufgrund der Supply-Chain-Situation geben. „Wenn das Wachstum des Bruttoinlandprodukts sich verlangsamt und die Gewinnentwicklung nur noch prozentual einstellig sein sollte, dann wird das angesichts der hohen Bewertungen Einfluss auf die Entwicklung des Gesamtmarktes haben.“

Mit einem Crash sei allerdings nicht zu rechnen, betont er. Schließlich gebe es viel zu investieren, sei es im Kampf gegen den Klimawandel oder wie in den USA zur Wiederherstellung der Infrastruktur.

 


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