InterviewÜber das Sofa entscheidet die Frau

Delia Fischer
Delia Fischer

Die 29-jährige Delia Fischer hat mit ihrem Interior-Startup Westwing mehr als 100 Mio. Dollar Risikokapital eingesammelt. Im Interview erzählt Sie, wie man sich als Gründerin in der Startup-Welt durchschlägt. Fischer macht mit bei der „Ansage“ – einer Aktion zum Launch des neuen Frauen-Portals edition f, mit dem capital.de kooperiert.

Capital: Frau Fischer, wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein E-Commerceunternehmen für Einrichtungsaccessoires und Möbel zu gründen?

Fischer: Ich war zu dem Zeitpunkt Redakteurin bei „Elle“ und habe dort gemerkt, dass es einfach kein schönes Online-Angebot für Deko gibt, ganz anders als bei Mode. Ich saß in meiner Redaktion und dachte: Warum gibt’s das nicht? Ich hab das nicht verstanden. Dann hab ich die Idee mal bei einem Freund von mir angesprochen, von dem ich wusste, dass er schonmal was mit Internet gemacht hatte. Stefan Smalla war selbst Gründer und dann bei der Managementberatung Bain & Company. Er meinte, ich hätte da einen guten Riecher. Das gäbe es noch nicht und sei groß im Kommen. Dann haben wir Westwing zu fünft gegründet.

Warum hat die Idee Investoren so begeistert, dass sie über 100 Mio. Euro Kapital gegeben haben?

Der Bereich „Living“ steckt online noch völlig in den Kinderschuhen. Und unser Konzept von magazinartigem Shopping – wir liefern eben auch viele Home Stories und setzen auf Content Marketing – hat sie wohl überzeugt.

Sie haben mal gesagt, besonders gut mit Frauenteams zusammenzuarbeiten. Jetzt sind Sie die einzige Frau in der Führung. Wie ist das?

Es ist nicht so, dass ich nur mit Frauen zusammen arbeiten könnte, um Gottes Willen! In den Moderedaktionen waren es nur einfach oft Frauenteams, und ich empfand das immer als sehr angenehm. Wir haben uns viel gegenseitig unterstützt, klischeehafte Zickenkriege gab es nie. Ich finde es aber auch super, mit meinen Jungs zu arbeiten. Wir sind aber ganz unterschiedliche Typen. Die kommen von Bains, McKinsey, Goldman Sachs. Ich bin ja null die BWLerin. Da kommuniziert man einfach völlig anders. Ich bin überzeugt: Wenn man offen ist, kann man da was Tolles draus machen. Aber wenn Männer in der Überzahl sind und man andere Kommunikationsformen hat, ist es manchmal schwer, sich verständlich zu machen. Die mussten sich umgekehrt auch erstmal an mich gewöhnen und haben sicher auch oft gedacht: oh Gott, Delia!

Haben Sie ein Beispiel?

Naja, ich habe zum Beispiel am Anfang mal solche Kissen mit Hundeporträts auf die Webseite genommen. Da rief sogar ein Investor an und fragte: Ist das euer Ernst? Aber kurz darauf rief die Bunte an und sagte: Könnt ihr die Kampagne bitte noch länger laufen lassen, wir finden die so super und wollen dazu etwas machen.

Was ist Ihre Lehre daraus?

Man muss zu seinen Überzeugungen stehen. Unsere Zielgruppe besteht zu 91 Prozent aus Frauen. Welches Sofa in eine Wohnung kommt, entscheidet immer die Frau. Deshalb braucht man in einer Firma wie unserer schon die Frauen in Führungspositionen. Natürlich muss man auch dann dazu stehen, wenn etwas einmal nicht funktioniert.

Wie ist die Aufgabenverteilung zwischen Ihnen und Stefan Smalla?

Ich kümmere mich um die strategische Ausrichtung und das Sortiment, er sich um Dinge wie Finanzen und IT. Wir beziehen uns aber stark gegenseitig ein.

Sie sind eine der Unterzeichnerinnen der Ansage von „Edition F“, einer neuen Plattform für Gründerinnen. Was ist deren Botschaft?

Für mich ist eine der Hauptbotschaften, dass man sich traut, seine Frau zu stehen. Dass man auch wirklich sagt, was man zu sagen hat. Sheryl Sandberg von Facebook beschreibt das auch sehr gut. Alles andere bringt uns auch als Unternehmen überhaupt nicht weiter. Zweitens gibt es in Deutschland noch viel zu wenige Gründerinnen, die Szene ist schon noch sehr, sehr männlich dominiert. Man muss nicht der klassische MBA-Typ sein, um erfolgreich zu sein. Man braucht unterschiedliche Leute.

Wer sind Ihre Vorbilder?

Ich bin totaler Oprah-Winfrey-Fan. Weil die sich immer selbst treu geblieben ist, und immer lustig und persönlich bleibt. Viele Frauen denken, sie müssen von der Art her genauso werden wie die Jungs, um sich durchzusetzen. Aber Oprah bleibt immer noch irgendwie ein Mädchen, und ich bin das auch. Ich stehe dazu, dass ich meine Duftkerzen auf dem Schreibtisch habe und gerne mit Freundinnen losziehe und gerne hübsche Schuhe trage. Und wenn man wütend wird und einem dabei ein Tränchen runterrollt, dann ist das zwar total peinlich, aber mei, dann ist das halt so. Mir ist das im Büro auch schon passiert.

Als Chefin müssen Sie aber ja auch manchmal tough auftreten, oder nicht?

Sicher, und meine Mutter sagt auch, dass ich in den letzten drei Jahren tougher geworden sei. In manchen Situationen darf man sich eben nicht verunsichern lassen. Wenn man eben blöd angeguckt wird, weil man sich hübsch anzieht. Manchmal habe ich auch mit Männern zu tun, die mich nicht so kennen und mir dann gerne irgend welche Weisheiten präsentieren. Da denke ich mir dann einfach meinen Teil. Aber wenn mir eine Sache wirklich am Herzen liegt, kämpfe ich dafür. Man muss lernen zu priorisieren, wo man seine Energie hinein steckt und wo nicht.