VG-Wort Pixel

Nachhaltig Bauen Klimaschutz am Bau: So lässt sich auf der Baustelle CO2 sparen

Bauarbeiter auf einer Baustelle
Auf dem Bau entsteht viel klimaschädliches Kohlenstoffdioxid
© picture alliance / ZUMAPRESS.com | Ravi Batra
Die Baubranche ist verantwortlich für 40 Prozent aller CO2-Emissionen weltweit. Wer ein Haus baut, kann aber schon mit wenigen gezielten Aktionen den Kohlendioxid-Ausstoß nachhaltig reduzieren

Nachhaltigkeit wird auch in der Immobilienbranche zusehends wichtiger und politisch gezielt gefördert. Immerhin ist die Baubranche weltweit für rund 40 Prozent aller CO2-Emissionen verantwortlich. „Das Klima zu stabilisieren ist die große Aufgabe dieser Dekade und die Bau- und Immobilienbranche spielt hier eine zentrale Rolle“, sagt Christine Lemaitre, geschäftsführende Vorständin der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen (DGNB).

Doch während bei neuen Immobilien immer stärker auf umweltfreundliche Aspekte geachtet wird, steht der Bauprozess selbst bisher eher selten im Fokus: „Auf vielen Baustellen geht es aktuell wenig nachhaltig zu, etwa was den Umgang mit vorhandenen Ressourcen angeht“, sagt Markus Kelzenberg, Abteilungsleiter der Zertifizierungsstelle beim DGNB.

Die Non-Profit-Organisation aus Stuttgart hat ein eigenes System für nachhaltige Baustellen entwickelt, an dem sich Bauherren und Bauunternehmen orientieren können, um möglichst nachhaltig zu bauen. Dabei haben sie auch die Option, sich ihre nachhaltigen Projekte von der DGNB zertifizieren zu lassen. Fünf Kriterien stehen dabei im Fokus: die Bauorganisation, die Qualität der Bauausführung, der Ressourcenschutz, Gesundheit und Soziales sowie Kommunikation.

Je früher die nachhaltige Denkweise einsetzt, umso besser. Dafür ist eine präzise Planung essenziell, die den komplexen Bauprozess nebst Logistik im Blick hat und Möglichkeiten auslotet, wie und wo sich CO2-Emissionen verringern lassen. An Anknüpfungspunkten mangelt es nicht und es lässt sich bereits mit kleinen Ansätzen zeitnah einiges erreichen.

Dabei lautet das oberste Prinzip: Ressourcenschonung und -einsparung. So können Bauherren beispielsweise nachhaltige Bauprodukte und Materialien einsetzen oder alte Materialien und Bauschutt recyclen, sofern die Qualität das zulässt. Falls ein regionaler Bezug von Materialien möglich ist, hat dies zudem den Vorteil, dass dies Transportwege spart und den Lagerungsaufwand senkt. Zugleich wird die Baustelle sicherer, da auf ihr weniger Material zwischengelagert werden muss – ein sozialer Aspekt der Nachhaltigkeit. „Auch der Einsatz von regenerativer Energie auf der Baustelle ist schnell und effizient umsetzbar“, sagt Kelzenberg. Ebenso wie ein verantwortungsvoller Umgang mit der Ressource Wasser, der maximal mögliche Verzicht auf Verbundbaustoffe und womöglich sogar eine Flächenreduktion.

Modulbau und energieeffiziente Maschinen

Was den ökologischen Bauprozess anbelangt, eigenen sich vor allem bestimmte Bautechniken, etwa der Modulbau, der später einen einfacheren Rückbau ermöglicht. Wer zugleich auf energieeffiziente Maschinenparks setzt, verbessert seine grüne Baustellen-Bilanz gleich doppelt. Zum einen, weil Modulbau und energieeffiziente Maschinen umweltfreundlicher sind. Zum anderen, weil sie Lärm und Feinstaub auf der Baustelle reduzieren.

Sofern dies möglich ist, sollten den Bauarbeitern Sozialräume zur Verfügung stehen, in denen sie sich gerne aufhalten. Das fördert das Wohlbefinden und ist laut DGNB eine weitere Möglichkeit, die soziale Nachhaltigkeit auf der Baustelle zu verbessern. In diesem Kontext spielt auch der Einsatz präventiver Maßnahmen zum Gesundheitsschutz eine zentrale Rolle.

Neben der tatsächlichen Arbeit vor Ort sollte Nachhaltigkeit aber auch noch in einem größeren geografischen Kontext gedacht werden, sagt Kelzenberg: „Auch der Umgang mit dem Standort selbst, der bestehenden Biodiversität, Boden- und Grundwasserschutz sowie der Nachbarschaft sind Aspekte, die etwas mit der ganzheitlichen Nachhaltigkeit zu tun haben.“

Um eine Baustelle erfolgreich nachhaltig zu betreiben und die Qualität über den gesamten Bauprozess sicherzustellen, brauchen Baufirmen und ihre Mitarbeiter dreierlei: eine gute Organisation, Sorgfältigkeit und einen langen Atem: „Die systematische Nachverfolgung und Einhaltung auf der laufenden Baustelle ist der Schlüssel und zugleich vielleicht die größte Herausforderung für Nachhaltigkeit“, betont der DGNB-Experte.

Auch wenn nachhaltige Baustellen bisher noch rar sind, ist Kelzenberg davon überzeugt, dass ihre Zahl in Zukunft deutlich steigen wird. „Wir gehen davon aus, dass eine ganzheitliche nachhaltige Abwicklung von Baustellen insbesondere bei großen Bauprojekten zur Regel wird“, sagt Kelzenberg. „Auch, weil die steigenden regulatorischen Anforderungen rund um die Themen ESG und Klimaneutralität das Ganze beschleunigen dürften.“

So hat der Rat der EU-Mitgliedsstaaten bereits beschlossen, dass ab dem Jahr 2030 nur noch klimaneutrale Wohnhäuser gebaut werden dürfen. Bis spätestens 2050 soll der gesamte Gebäudebestand klimaneutral sein.

Mehr zum Thema

Neueste Artikel