Superreturn 2018„Wer hier im Raum glaubt, dass er ein Genie ist?“

David Rubenstein auf der Bühne
Multimilliardär David Rubenstein bei seinem Auftritt am Mittwoch auf der Superreturn Konferenz in Berlin

Die Stimmung ist gut, aber nicht überschwänglich. Bloß keine Übertreibung, kein Leichtsinn, so hört man die Botschaft aus vielen Gesprächen auf der diesjährigen „Superreturn“.

Bei der Konferenz in Berlin treffen sich jedes Jahr die wichtigsten Player der Private Equity-Branche, insgesamt 2500 Menschen. Doch warum nur dieser halblaute Jubel? Und wie geht es weiter? Capital war wie jedes Jahr auf der Konferenz dabei und stellt die wichtigsten Trends vor, die Investoren bewegen:

#1 Zu viel Geld auf der Suche nach zu wenigen Deals

2017 war ein gutes Jahr für die PE-Branche: Es gab viele neue Investments, gute Exits, attraktive Renditen und vor allem viel frisches Geld, das den Markt flutet – das sind die Kernerkenntnisse des aktuellen Global Private Equity Reports von Bain & Company. Gut 700 Mrd. Dollar haben PE-Firmen 2017 an Kapital eingesammelt, fast genauso viel wie 2016, allein in den vergangenen drei Jahren wurden insgesamt drei Billionen Dollar Zuflüsse verzeichnet. Aber, und das war auch schon Thema auf der vergangenen „Superreturn“, das Geschäft ist nicht leichter geworden: Das viele neue Geld auf der Suche nach Anlagemöglichkeiten trifft auf immer weniger Deals, die noch darstellbar sind und nicht absurde „Multiples“ haben. Diese lagen im dritten Quartal beim gut 11,2-fachen des EBITDA – 2016 waren es noch zehn gewesen. Die Anzahl der weltweiten Deals beziffert Bain auf 3077, das sind zwei Prozent mehr als im Vorjahr, der Wert der Transaktionen (Global Buyout Value) aber stieg um fast ein Fünftel auf 440 Mrd. Dollar. Dies ist die neue Divergenz: Investoren haben mehr Geld zur Verfügung als jemals zuvor, aber nicht genug Objekte. Und so ist das „trockene Pulver“ der Branche, das seit 2012 steigt, mit 1,7 Billionen Dollar auf Rekordniveau.

#2 Immer mehr Player – die auch immer größer werden

Auch die Zahl der PE-Firmen ist mit 7775 auf historischen Höhen. Der Ehrgeiz, hohe Renditen zu erzielen, lässt aber nicht nach – wobei viele Investoren durchblicken lassen, dass 15 bis 20 Prozent realistischer geworden sind als Renditen weit über 20 Prozent. Interessant ist auch ein weiterer Trend, den die Bain-Studie thematisiert: Es gibt immer mehr so genannte „Megafunds“, also Fonds mit über 5 Mrd. Dollar Kapital. Der Investment Fund IX von Apollo etwa war mit 24,7 Mrd. Dollar der größte einzelne Buyout-Fonds der Geschichte. Der 18 Mrd. Euro schwere Capital Partners Fund VII von CVC war der größte vom Euro dominierte Fonds seiner Art. Und in Asien setzt KKR mit dem Asian Fund (9,3 Mrd. Dollar) neue Maßstäbe. Allein Megafonds zogen 2017 174 Mrd. Dollar frisches Kapital an.


Das sind die größten Private-Equity-Firmen


#3 Der Ausblick für die Weltwirtschaft war selten so gut, aber…

„Wer hier im Raum glaubt, dass er so gute Ergebnisse hat, weil er ein Genie ist?“ fragte David Rubenstein, Chef der Carlyle Group, zu Beginn seines Vortrags. Einer meldete sich. Klar, Spaßvögel gibt es immer. „Und wer glaubt, dass seine hohen Erträge an der guten Weltwirtschaft liegen?“ Da gingen natürlich mehr Arme in die Höhe. Rubenstein, eines der bekanntesten Gesichter der Branche, hielt wieder einmal einen launigen Vortrag – und wie viele seiner Vorredner verwies auch er auf den weltweiten „synchronen Aufschwung“, den bereits der IWF im Januar thematisiert hatte. Dieser seltene parallele Boom in allen großen Volkswirtschaften ist eine Lieblingseinleitungsfloskel auf viele Podien geworden, so auch auf der „Superreturn“. Ja, die Weltwirtschaft wächst – im Grunde also leben Investoren in den besten aller Zeiten. „Im Grunde sprechen wir von einer globalen synchronen Zufriedenheit“, sagte Rubenstein.

Der weltweite Aufschwung, der 2016 begonnen hat, hat laut IWF weiter Fahrt aufgenommen. Nach 3,7 Prozent im Jahr 2017 werden es 3,9 Prozent in diesem und 2019. Dennoch: Gerade deshalb müssen Investoren vorsichtig sein. „Es geht jetzt darum, wählerisch zu sein“, sagt etwa Glenn R. August von Oak Hill Advisors. Und so scheint die Branche in den guten Zahlen eifrig darum bemüht, sich selbst auch zu beruhigen, nach dem Motto: wachsam sein. „Wir sind seit 2008 alle gebrannte Kinder“, bekennt eine namhafte Investorin.

#4 USA? Trump: Alles super – oder?

Wir haben „Trump-große Erwartungen“ hat Glenn August von Oak Hill Advisors die Stimmung auf den Punkt gebracht. Klar, die Branche profitiert von der Steuerreform des Präsidenten, zum einen von der Senkung des Unternehmenssteuersatzes von 35 auf 21 Prozent. Auch veränderte Abschreibungsregeln sind in der Summe positiv.

Carlyle-CEO Rubenstein erwartet zudem eine niedrige Inflation (unter 1,5 Prozent), niedrige Arbeitslosigkeit (vier bis 4,5 Prozent) – und so bald keine Rezession in dem längsten Wachstumszyklus seit dem Zweiten Weltkrieg, sondern ein Wachstum von 2,5 bis drei Prozent. Ein großes Problem sieht er vor allem in den Schulden – und da ist er nicht allein: „Von den Steuereinnahmen können wir nur noch Medicaid, Medicare und Social Security bezahlen“, so Rubenstein. „Den Rest müssen wir uns leihen.“

Es gibt warnende Stimmen, die angesichts der Steuerreform und eines auf Pump finanzierten Infrastrukturprogramms vor einer Überhitzung warnen – die dazu führen würde, dass die US-Notenbank die Zinsen schnell anhebt.

#5 Eine Generation tritt ab oder zurück – Talente gesucht!

Auf der Konferenz hört man, dass die Nachfolge- und Talentsuche auch in der Private Equity-Branche ein Thema ist. Sogar ganz oben in der Spitze. Viele legendäre Fonds wurden in den 80er-Jahren gegründet. Die Gründerväter kommen langsam in die Jahre und regeln die Nachfolge. Der Milliardär David Rubenstein ist wohl das bekannteste Beispiel. Der 68-Jährige hat die Nachfolge bereits geregelt, ist nur noch im Hintergrund mit seinem Co-Founder operativ tätig. Das tägliche CEO-Geschäft haben sie längst zwei Jüngeren übergeben. Da Rubenstein, wie er sagt, kein Golf spielt, hat er eine neue Leidenschaft gefunden, die er bei der Superreturn dem Publikum dann auch stolz vorführte: Eine Rolle als Moderator in seiner Interview-Sendung „The David Rubenstein Show“ bei Bloomberg. Mit beachtlichem Talent lockt er dort im Letterman-Stil die ganz Großen aus der Reserve, auf Augenhöhe wohlgemerkt: Donald Trump, George Bush, Bill Clinton, Oprah Winfrey, Bill Gates – seine Gästeliste ist beeindruckend.

Rubenstein werden wohl andere Granden folgen und sich vermehrt ihren Hobbys oder versteckten Talenten widmen. Erst jüngst wurde ein weiterer spektakulärer Generationswechsel in der Branche verkündet. Mit Stephen Schwarzman, dem Gründer des Finanz-Riesen Blackstone, zieht sich eine weitere Legende aus dem Operativen zurück. Der 70-Jährige hat den 48-Jährigen Jonathan Gray als seinen Nachfolger in Position gebracht. Eine andere Branchengröße, Leon Black, ist zwar noch CEO seines Mega-Fonds Apollo. Doch der Sohn einer Künstlerin widmet sich schon seit Jahren der Kunst, die er eifrig sammelt. Und hat hier mittlerweile ein ähnlich gutes Näschen wie beim Firmenkauf. Black geht ebenfalls auf die 70 zu und sagte in Berlin: „Meine wichtigste Aufgabe ist mittlerweile gute Leute zu finden.“ Von dem Multi-Milliardär ging bei seinem Auftritt auf der Konferenz eine derartige Tiefenentspanntheit aus, dass man ihn sich kaum mehr, hektisch telefonierend, im täglichen Fight um Deals vorstellen kann. Auch die hungrigsten Firmenjäger wandeln sich halt mit den Jahren vom Jäger zum Sammler.

#6 Frankreich wird das neue Deutschland

Deutschland bekommt seit Jahren von Investoren ein ehrlich gemeintes Standardlob, wahlweise als Hort der Stabilität oder als Europas Wachstumsmotor. In diesem Jahr aber wird viel und begeistert über ein anderes Land gesprochen: Frankreich. Wer am Eingang auf die Fachmagazine der Branche schaut, dem fällt ein Titel des „Private Equity Magazins“ in die Augen: Emanuel Macron in blauen Boxhandschuhen und die Zeile: „Große Erwartungen“.

Macron auf einem Magazin Cover
Emmanuel Macrons Frankreich ist der neue Darling der Finanzinvestoren.

Viele Investoren sind begeistert von den Reformen und der Aufbruchsstimmung im Nachbarland. „Das sind smarte Leute in der Regierung, die wirklich etwas bewegen wollen“, sagt ein Europa-Chef eines bekannten Investors. Deutschland wird weiterhin geschätzt, vor allem die Perlen des Mittelstands – die man für 300 Millionen bis 2 Mrd. Euro erwerben kann. Aber die Dynamik aus der Politik wird schmerzhaft vermisst.