AnalyseWie Super-Investoren die Märkte einschätzen

Auf der Superreturn Konferenz kamen diese Woche die Schwergewichte der Private Equity Branche in Berlin zusammen. Wie war die Stimmung der Mega-Investoren? Was ist ihr Makro-Ausblick für 2017? Das waren die wichtigsten Themen, die Anleger im Auge behalten sollten.

#1 Immer mehr Geld, immer weniger gute Anlagemöglichkeiten

Es klingt im wahrsten Sinne des Wortes wie ein Luxusproblem. Aber es fließt immer mehr Geld in den Markt, das angelegt werden will. Doch die Möglichkeiten entsprechende Rendite zu erzielen werden immer kleiner. Das gilt im Besonderen für Private Equity Investoren. Die Branche schwimmt in Geld: Laut einem Bericht warten 1,47 Billionen Dollar (!) darauf angelegt zu werden. Das ist so viel nicht investiertes Kapital wie noch nie. Es wird also bald weitere Zukäufe geben. Speziell börsennotierte Unternehmen dürften dabei im Fokus stehen. Allerdings gilt: „Wir spüren den Druck hoher Preise und von intensivem Wettbewerb“, sagt Rob Lucas, Managing Partner bei CVC Capital Partners. „Die Hürde für ein Investment muss schon hoch sein, denn sonst wird es gefährlich.“

#2 Risiko USA

Auch wenn er nicht immer beim Namen genannt wird – natürlich war US-Präsident Donald Trump das große Thema bei der Superreturn-Konferenz. Für viele ist das größte Makro-Risiko derzeit die USA. Allerdings kann es beides sein, ein „Upside-Risk“ ebenso wie ein „Downside-Risk“. Investoren-Legende Leon Black hat in den 27 Jahren seines Apollo-Fonds viele Zyklen kommen und gehen sehen. „Normalerweise hält eine Erholung fünf bis sechs Jahre, diese hier geht nun schon deutlich länger. Und sie kann durchaus noch länger halten“, sagte Black auf der Konferenz. Dabei hat er vor allem einen möglichen Mega-Stimulus der Regierung Trump durch Steuersenkungen und Infrastruktur-Investitionen im Blick. Wohlgemerkt, wenn er diese Maßnahmen umgesetzt bekomme. „Und das ist ein großes Wenn“, so Black. Diese Unsicherheit rund um das Thema USA war allerorten zu spüren. „Die neue Regierung hat sehr viel Volatilität erzeugt – und ich wünsche allen viel Glück damit“, sagte David Blitzer, Head of Tactical Opportunities vom Branchen-Riesen Blackstone. Delikate Randnotiz dazu: Sein Chef Stephen Schwarzman ist ein Berater Trumps.

#3 Deutschland als Hort der Stabilität

Nicht nur politisch erscheint Deutschland dagegen vielen derzeit als „Safe Haven“. Sondern auch die deutsche Wirtschaft. Deutsche Unternehmen sind bei den Firmenjägern derzeit begehrter denn je. Von dem vielen Geld im Markt und den Turbulenzen in den USA und Großbritannien dürfte Deutschland nach Einschätzung einiger Investoren profitieren. Alle wollen deutschen Mittelstand. Aber es ist weiterhin gar nicht so einfach reinzukommen. Natürlich war dementsprechend auch das Übernahmeangebot für den Arzneimittelhersteller Stada ein Thema.

#4 Inflation ist zurück (aber Deflation ist nicht vom Tisch)

Inflation ist wieder ein Thema, wenn auch kein beunruhigendes. Das bemerkenswerte ist viel mehr: Investoren, die einen mittelfristigen Blick haben rechnen mit allen Szenarien. Inflation bleibt auf eine Sicht von fünf Jahren ebenso Thema wie Deflation. Die neue Normalität für Investoren lautet ganz offensichtlich: Alles ist möglich. Man muss sich auf alles vorbereiten. Und es kann in sehr kurzer Zeit schnell umschlagen.

#5 Aufschwung hält an, vorerst

Weder Euphorie, noch Angst – die Stimmung der Investoren auf der Konferenz pendelte irgendwo dazwischen. Trotz aller geopolitischen Turbulenzen, trotz Trump, trotz Brexit – insgesamt rechnen viele der Investoren mit einer Fortsetzung des Aufschwungs – oder vorsichtiger formuliert: es gibt zumindest keine konkreten Anzeichen für einen Abschwung.

Und dennoch bleibt das Gefühl, dass es nicht ewig so weitergehen kann. So sagte ein etwas verhaltener wirkender Rob Lucas von CVC: „Wir simulieren einen Abschwung für alle unsere Investments. Wir wissen nicht, wann eine Korrektur passiert und wie groß sie sein wird – aber die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch.“ Bis dahin geht die verzweifelte Suche nach guten Anlagemöglichkeiten weiter, mit der genannt hohen Schwelle für Investments. Und der aufmerksame Blick wird vor allem auf die geopolitischen Risiken in USA, Europa und Nahost gerichtet sein.

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