Debatte"Trump ist gut für das Wachstum"

Am Anfang vieler Gespräche, Meetings und Konferenzen steht ja inzwischen dieses Wer-hat-es-gewusst-Spiel. Wer wusste, dass der Brexit kommt. Wer wusste, dass Trump gewinnt und so weiter. Und auch David Rubenstein, Chef der Carlyle Group, spielt am Anfang dieses Spiel mit dem Publikum der SuperReturn Konferenz in Berlin, fragt nach dem Brexit, nach Trump und Le Pen – und interessanterweise auch nach einem möglichen Sieg von Angela Merkel im Herbst. Wo sich noch am meisten Arme recken im ansonsten eher spärlichen Ärmewald. Nein, kaum einer hat es gewusst.

Es ist der dritte Tag der SuperReturn, des großen Treffens der Private-Equity-Branche, und in diesem Jahr ist die Stimmung sehr gemischt, weder gut noch schlecht, weder Boom noch Doom, viel ist von „der neuen Unsicherheit“ die Rede, der „neuen Unberechenbarkeit“ und Volatilität. Es ist weiterhin viel Geld da, zu viel Geld um genau zu sein, von immer mehr Playern, Geld, das nach Anlagemöglichkeiten um die Welt jagt – und die Erträge auf dieses Kapital sinken tendenziell, während immer aggressiver die Preise getrieben werden. Nicht wenige erwarten eine Korrektur. „Es ist eine Zeit, in der man sehr diszipliniert investieren muss“, sagt Rob Lucas von CVC Capital Partners. Man müsse vorsichtig sein, weil der Wettbewerb so intensiv geworden sei.

Und was bringt nun Trump? Unsicherheit heißt es oft. So genau festlegen will sich keiner, oft wird auf der Bühne sogar der Name gemieden. „Volatilität“, sagt nun Rubenstein, „ist im Grunde ja erst einmal gut für Private Equity.“ Der Carlyle-Chef, sicher eines der bekanntesten Gesichter der Branche, soll über Trump sprechen und wie seine Politik sich auf die Welt und Private Equity auswirkt.

Rubenstein bei seinem Auftritt auf der SuperReturn in Berlin
Rubenstein bei seinem Auftritt auf der SuperReturn in Berlin
© Horst von Buttlar

Die Charts, die er in schneller Folge an die Wand wirft, sind in dem Unsicherheits-Geraune eine erstaunlich klare Analyse der sechs Felder, die sich die neue US-Regierung auf die Fahnen geschrieben hat: die Abschaffung von Obamacare, eine Steuerreform, eine rigide Einwanderungspolitik, Investitionen in Infrastruktur, Deregulierung – und eine neue Handelspolitik nach dem America-First-Prinzip. Und Rubensteins zentrale These ist: Das wird alles viel komplizierter und länger dauern als gedacht. Aber gut für das Wachstum und die Wirtschaft ist Trump dennoch. Das waren Rubensteins Kernbotschaften:

Obamacare

Hier hat Donald Trump gleich nach Amtsantritt eine Executive Order unterzeichnet, die eine Aufhebung ankündigt. Das Problem ist, sagt Rubenstein, dass der „Repeal“ zwar einfach klinge aber ziemlich komplex sei. Weil die Amerikaner zwei Elemente der Reform schätzen: Zum einen haben nun etwa 22 Millionen mehr Menschen eine Krankenversicherung. Zum anderen sei der Wechsel einfacher, wenn man etwa einen neuen Job antrete. Fazit: Das „repeal and replace“ wird einige Zeit dauern, bis ein Gesetz den Kongress passiert.

Steuerreform

Hier plant die Regierung eine Unternehmenssteuerreform sowie eine sogenannte „Border Adjustment Tax“, die Importe höher besteuern würde. Das Problem: Nach bestimmten Szenarien würden die Pläne über zehn Jahre ein Loch von etwa einer Billion Dollar ins Budget reißen. Das ginge nur über höhere Schulden, Einsparungen – oder man glaubt, dass sich Steuersenkungen durch höheres Wachstum selbst finanzieren. „Es wird eine Steuerreform geben“, sagt Rubenstein, „aber es wird länger dauern, bis sie durch den Kongress und den Senat ist – und sie wird kleiner ausfallen, als ursprünglich erwartet.“

Einwanderung

Auch wenn der „Travel Ban“ für sieben muslimische Länder bei den Gerichten hängt, erwartet der Carlyle-Chef, dass die Regierung auf diesem Feld „ihre bedeutsamen Befugnisse“ mit aller Macht nutzen wird, um Stärke zu zeigen. Wobei er im Fall von Mexiko das derzeit größte Problem weniger in realen oder geplanten Mauern sieht, sondern im Währungssrisiko. Viele Unternehmen, die in Peso verdienen, haben sich in Dollar verschuldet – und der Peso hat stark an Wert verloren.

Infrastruktur

„Jeder liebt dieses Wort ,Infrastruktur“, sagt Rubenstein. „Es klingt genauso gut wie ,strategisch’“. Also reden Politiker so oft davon. Klar, wer ist schon gegen Infrastruktur? Auch hier sind bei Trump gewaltige Summen (bis zu einer Billion Dollar) im Gespräch. „Aber die Details sind völlig unklar.“ Was soll mit Hilfe von privatem Kapital finanziert werden, über „Public-Private-Partnership“, was durch öffentliche Investitionen? Letzteres mögen die Republikaner nämlich nicht besonders. „Es ist viel zu früh zu sagen, ob der Kongress in diesem Jahr noch signifikante Summen für Infrastruktur bewilligt“, so die Prognose des Carlyle-CEOs. Also: eher 2018.

Finanzmarktregulierung

Hier äußert Rubenstein die vielleicht ungewöhnlichste These. Trump hat angekündigt, das Herzstück der Regulierung – den Dodd-Frank-Act – zurückzunehmen oder deutlich zu reformieren. „Keine große Bank will die komplette Abschaffung von Dodd-Frank“, sagt Rubenstein. Die hätten gerade ihre Prozesse alle angepasst, eine völlig neue Regulierung würde auch neue Arbeit bedeuten. Dennoch: Vor allem kleine regionale Banken würden von einer Deregulierung profitieren, denn diese leiden meist unter dem strengen Regelwerk.

Handelspolitik

Trump hat angekündigt, bei Handelsabkommen „bessere Deals“ rauszuholen, zur Not auch einzeln mit Ländern zu verhandeln. Das Trans-Pazifik-Abkommen hat er bereits gekündigt, NAFTA soll neu verhandelt werden. Diese Politik sei wichtig für Trump, sagt Rubenstein, und er werde hier „einzelne Aspekte neu formen“. Aber: Einige republikanische Senatoren, deren Staaten vom Handel profitieren, könnten Widerstand leisten bei Sondersteuern auf Importe oder Zöllen. Vier Rebellen im Senat reichten aus, um Reformen zu Fall zu bringen oder abzumildern.

Rubensteins Fazit: Auch wenn manches also sehr viel komplizierter wird, als Trump sich das gedacht hat, werde die neue Regierung mehr Wachstum bringen. „Es gibt einen neuen Zeitgeist für mehr Wachstum in den USA“, so Rubenstein. Die M&A-Aktivitäten würden zunehmen, die Produktion der Unternehmen ebenfalls, die Investitionen anziehen.

Fünf Branchen profitieren von Trumps Politik

Und was heißt das für Private Equity, das sich wie gesagt in einer Welt bewegt, wo es viel Geld gibt, wo die Erträge sinken, die Preise steigen – und immer neue Akteure auf den Plan treten? „Unsicherheit und Ungleichgewichte sind erst einmal gut für Private Equity“, so Rubenstein. Höhere Zinsen würden sich dämpfend auf die Preise auswirken, das Interesse an alternativen Investments würde zunehmen. Fünf Branchen würden von der Trump-Regierung profitieren: der Energie- und Finanzsektor, die Gesundheitsbranche, die Industrie von den Infrastrukturausgaben – sowie der Verteidigungssektor. „Die neue Regierung ist pro-Business und pro-Wachstum, davon werden die globalen Märkte profitieren“, prognostiziert Carlyle-CEO. Das höhere Wachstum, das gestärkte Vertrauen der Verbraucher und höhere Investitionen würden auch der Private-Equity-Branche nutzen. Die große Unbekannte sei allerdings der US-Senat, denn der könnte angesichts der knappen Mehrheit der Republikaner zum Flaschenhals werden.

Die rund 20 Charts, die Rubenstein auf der SuperReturn präsentierte, waren in ihrer Struktur ungewöhnlich präzise, eine Art erster Ordnung in der Unordnung, die Trump in vielen Köpfen angerichtet hat.

Dass Trumps Regierung bis 2018 für mehr Wachstum sorgt, haben zwar schon mehrere Ökonomen prophezeit – wie zuletzt Kennth Rogoff gegenüber Capital oder auch der Nobelpreisträger Angus Deaton. Rubensteins Präsentation ist aber auch ein Zeichen für eine neue Disparität in den Köpfen: Während sich Teile der intellektuellen Ostküstenelite immer schärfer mit Trump auseinandersetzt, flankiert von den Medien, sowie Quellen in Geheimdiensten und der Verwaltung, schauen viele Geschäftsleute und Investoren eher nüchtern und pragmatisch auf die neue Regierung – nach dem Motto: Mir ist Trump zwar auch peinlich, aber Hauptsache er nützt meinem Geschäft.„Investoren sind ökonomische Tiere“, sagt ein hochrangiger Vertreter einer großen PE-Firma. „Die schauen vor allem, was gut für ihre Investments ist.“ Und bei Trump wittern sie offenbar auch Chancen.

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