Versicherungen Das sind die besten Fondspolicen 2022

Symbolbild Geldanlage
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© IMAGO / Panthermedia
Fondspolicen sind beliebt bei Kunden – aber ihre Kosten sind enorm. Das kritisierte jüngst auch die Bafin. Die Finanzaufsicht bezweifelt, ob das Preis-Leistungs-Verhältnis bei diesen Produkten wirklich stimmt. Für Kunden heißt das: Noch genauer hingucken!
Über einen Ertrag von 842 Euro pro Jahr würde sich bestimmt jeder Versicherungskunde freuen. Zumal diese Summe bereits seit 17 Jahren sprudelt, bei einem Vertrag, der seit 2004 bespart wird und in den jeden Monat 100 Euro fließen. Die Sache hat nur einen Haken: Die 842 Euro jährlich kommen nicht beim Kunden an – sondern bleiben beim Versicherer hängen. Auf dem Kundenkonto landeten dagegen schlappe 90,76 Euro pro Jahr. Aus 20.100 Euro Einzahlungen sind so inzwischen lediglich rund 21.600 Euro Fondsvermögen geworden – trotz hoher Aktienquote, trotz boomender Kapitalmärkte und obwohl der Kunde viel Geduld bewies. Ein „wachstumsorientiertes Portfolio“ stellt man sich irgendwie anders vor.
Das machte selbst die Verbraucherschützer stutzig, die den Vertrag durchrechneten: Hätte der Sparer die Fondsanteile auf eigene Faust gekauft, hätte er heute rund 14.300 Euro mehr auf dem Konto. Trotz solcher Zahlen aber läuft das Geschäft der Versicherer mit Fondspolicen ausgesprochen gut: Während sich klassische Lebens- und Rentenversicherungen nur noch schleppend verkaufen, vor allem seit der Garantiezins bei homöopathischen 0,25 Prozent liegt, ist etwa jede dritte neu verkaufte Police eine fondsgebundene Versicherung.

Stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis noch?

Dabei kritisieren Verbraucherverbände und auch Capital schon seit Jahren die enormen Kosten, die in fondsgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen stecken. Selbst die Finanzaufsicht BaFin ist endlich auf das Thema angesprungen: In einer aktuellen Abfrage bezweifelt sie, ob das Preis-Leistungs-Verhältnis bei Fondspolicen überhaupt noch angemessen sei (siehe auch Bafin-Interview). Gerade deswegen ist es für Kunden noch wichtiger, sich dringend die Kosten von Versicherern sowie Fondsprodukten anzusehen. Und gerade dabei hilft der Fondspolicentest, den Capital zum vierten Mal zusammen mit den Analysehäusern f-fex und dem Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) erstellt hat.
Diesmal zeigte sich: Bei guter Börsenlage schaffen es zwar auch teure Versicherer zwischenzeitlich nach vorne, doch nur günstige Anbieter konnten sich dauerhaft auf den vorderen Plätzen behaupten.
Wie hoch die Kosten der Verträge im Schnitt wirklich sind, das schlüsselte die Bafin-Abfrage auf. Beim durchschnittlichen Vertrag mit 100 Euro Einzahlung im Monat und 30 Jahren Laufzeit (also für einen 37jährigen Kunden) bleiben 1,9 Prozentpunkte der Rendite beim Versicherer hängen. Das heißt: Werfen die Aktienfonds rund 6 Prozent Rendite jährlich ab – was als verlässlicher Mittelwert gilt – kommen nur rund 4 Prozent beim Kunden an. Wer so eine Versicherung erst mit 55 Jahren abschließt, verliert er im Schnitt sogar 2,66 Prozentpunkte Rendite. Fast die Hälfte des Fondsertrags steckt also der Versicherer ein.

Wichtig ist ein günstiger Versicherer

Solche Zahlen mögen erschrecken, aber sie verdeutlichen, wie wichtig gerade die Auswahl eines günstigen Versicherers ist. Bei Fonds raten Experten dazu schon lange, und gerade Indexfonds versprechen wegen ihrer kleinen Kosten vergleichsweise hohe Renditen. Überraschend deshalb, dass auch im vierten Policentest von Capital „der ETF-Anteil gemessen am Gesamtmarkt immer noch keine große Rolle spielt“, so Studienleiter Daniel Burgmann von f-fex. Indexfonds machten 2021 nur 2 Mrd. Euro des analysierten Fondspolicenkapitals aus, das entspricht 1,5 Prozent. Hier hat die Branche deutlichen Nachholbedarf, denn die Anbieter verkaufen lieber teurere, oft hauseigene Produkte.

Und natürlich muss der Fonds gut sein

Doch auch mancher Aktivfonds schlug sich gut: Der beliebte Fonds Fondak A etwa (0,85 Prozent Kosten) überzeugt seit Auflegung mit einer Rendite von 10 Prozent. Dagegen schaffte der Templeton Growth, der sich ebenfalls in vielen Depots befindet, bloß eine magere Rendite von 2,98 Prozent seit dem Jahr 2000. Er kostete dafür stolze 1,82 Prozent pro Jahr. Nur mit guten Fonds aber sind nach 30 Jahren bei 100 Euro Monatsbeitrag rund 120.000 Euro Ablaufleistung drin. Zwackt aber die Versicherung schon 20 Euro von den 100 Euro monatlicher Einzahlung ab, wird es dementsprechend schwierig.
Wie man nun einen günstigen Versicherer erkennt? Für Versicherungsgesellschaften gilt wohl ebenfalls die Regel „die Günstigen sind die Besten“, das zeigt die diesjährige Auswertung: Im Ranking standen 2022 vorwiegend jene Gesellschaften weit oben, die nicht nur mit ihren Fonds überzeugten, sondern auch geringe Kostenquoten nannten.

Gute und weniger gute Versicherer

Große Ausnahme ist hier die R+V-Versicherung, die sich diesmal auf Platz 5 vorarbeitete. Ihre Fonds entwickelten sich in der Breite von 2019 bis 2021 sehr gut, dafür sammelte sie viele Punkte. Bei der Fondsqualität im Neugeschäft hat sie dagegen deutlichen Nachholbedarf – sie bietet ausschließlich hauseigene Fonds der Union Investment an, der Fondsgesellschaften der Volks- und Raiffeisenbanken. Und übrigens gar keine ETFs. Ihre Kostenquote war die zweitschlechteste im Test. Man darf daher davon ausgehen, dass von der guten Fondsperformance nichts ehr viel beim Kunden ankommt.
Die erheblich bessere Wahl wären Anbieter wie Hannoversche Leben, Europa Leben oder Cosmos. Alle drei legten gute Noten bei der Fondsqualität und Outperformance hin und punkten überdies mit vergleichsweise niedrigen Kosten.
Generell muss man jedoch bei allen aggregierten Kostenangaben vorsichtig sein, denn selbst die BaFin bemängelt hier fehlende Transparenz. Nicht einmal ihr meldeten alle Versicherer sämtliche anfallenden Kosten. Daher kommen viele Anbietervergleiche auch zu recht unterschiedlichen Ergebnisse. Stiftung Warentest etwa zählt ebenfalls Hannoversche, Europa und Cosmos zu den günstigen Versicherern. Laut der Versicherungsratingagentur Morgen & Morgen sind Hanse Merkur, Allianz, Hannoversche, Gothaer und Europa mit fairen Kosten unterwegs. Besonders teuer und nicht zu empfehlen seien dagegen laut Morgen & Morgen Basler, Swiss Life und Continentale.
Doch unser Test offenbarte auch: Nicht immer erzielen Kunden bei Versicherern mit insgesamt gutem Fondsbestand auch gute Renditen. Es gab Gegenbeispiele: Europa Leben etwa setzt zwar auf sehr gute Fonds, erzielte aber trotzdem in den vergangenen drei Anlagejahren wenig Outperformance. Umgekehrt lieferte Cosmos über den Bestand zwar mehr Rendite als der Markt, aber nur mit mittelmäßigen Fonds. Im Zweifel sollten Kunden hier auf die Fondsqualität im Bestand setzen statt auf die Outperformance, die immer nur einen kleinen Ausschnitt in wechselnden Marktphasen abbildet. Zudem kann man auch mit hoch riskanten (also weniger guten) Fonds kurzfristig eine Überrendite erzielen. Auf lange Dauer wird das aber eher nicht gutgehen.
Vor allem der Marktführer Allianz kommt wegen seiner Fondsqualität erneut mäßig weg im Test und belegt nur Platz 21 von 33: „Die Allianz hat einfach zu viel Kapital in großvolumigen, schlecht-bewerten Fonds im Anlagestock, wie dem Templeton Growth und hauseigenen Strategiefonds“, sagt Burgmann, „darunter wird sie noch ein ganze Weile leiden, wenn die nichts ändert. Mit dem Austausch schlecht performender Fonds tun sich aber viele Versicherer schwer.“

Das Fazit: 

All das zeigt wieder einmal: Fondspolicen sind zwar eine bequeme Variante für Sparer, die sich auf eigene Faust nicht an den Kapitalmarkt wagen, aber dennoch auf Fondserträge hoffen. Doch diese Bequemlichkeit hat ihren Preis: Mit eigenem Indexfondssparplan wären rund 23.500 Euro mehr drin als beim günstigen Versicherer. Gegenüber teuren Fondspolicen könnten sogar 40.000 Euro und mehr hängenbleiben – diesmal beim Kunden.

So wurden die Sieger ermittelt

Analyse: Die Experten von f-fex und des Instituts für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) analysierten den Fondspolicenbestand von 50 Versicherungsunternehmen sowie 50 Fondsgesellschaften. Dabei werteten sie die Geschäftsberichte der Versicherer des Jahres 2020 aus, um die Entwicklung des Bestands zu beurteilen. Für die Fondsperformance und die Ratings zählten sie Jahre 2019, 2020 sowie das Jahr 2021.

Kriterien für Versicherer: Das Gesamtergebnis (maximal 100 Punkte) setzt sich bei den Versicherern aus den Bewertungen in fünf Teilbereichen zusammen. Die Outperformance 2019-2021 (Bewertung der relativen Performance aller Fonds im Anlagestock eines Versicherers in den einzelnen Jahren 2019 bis 2021 im Vergleich zur Peergroup) ging mit 20 Prozent in die Gesamtnote ein. Die Fondsqualität im Bestand (der gewichtete Durchschnitt der Fondsratings im Anlagestock) hat ein Gewicht von 30 Prozent. Darüber hinaus prüften die Analysten die Qualität der Fonds, in die neue Beiträge flossen (15 Prozent). Und sie bewerteten die Breite der angebotenen Fonds und Assetklassen (15 Prozent). Zu guter Letzt ermittelte das Institut für Vorsorge und Finanzplanung (IVFP) die Reduction-in-Yield-Quote, also die Wertentwicklung nach Effektivkosten auf Grundlage der gesetzlichen und einheitlichen Vorgaben aus den Produktinformationsblättern der Anbieter (Gesamtkosten, 20 Prozent). Die gewichteten Teilergebnisse dieser fünf Kategorien ergaben die Endpunktzahl. Lebensversicherer, die kein keine Daten zur Berechnung der Kostenquote zur Verfügung gestellt haben, erhielten keine Bewertung ihrer Kostenquote und auch keine Gesamtbewertung (Sterne).

Kriterien für Fondsgesellschaften: In die Wertung gingen Fondsgesellschaften ein, die mit mindestens drei Fonds und einem Fondsvolumen von mehr als 3 Mio. Euro im Anlagestock vertreten waren. Insgesamt gab es vier Prüfbereiche. Die Outperformance der Fonds in den einzelnen Jahren 2019 bis 2021 (25 Prozent), die Fondsqualität im Bestand (der gewichtete Durchschnitt der Ratings, 35 Prozent), die Kompetenz einer Fondsgesellschaft (Häufigkeit, mit der Fonds eines Anbieters in einer Assetklasse von Versicherungsunternehmen verwendet werden, 20 Prozent) sowie der Mittelzufluss für die Fondsgesellschaften im Jahr 2020 (20 Prozent). Auch hier ergaben die Teilergebnisse mit ihrem jeweiligen Gewicht das Gesamtergebnis und somit die Sternebewertung.

Capital-Bewertung: Die Höchstnote von fünf Sternen erfordert mindestens 70 Punkte. Versicherer mit Vier- oder Fünf-Sterne-Bewertung können ein Capital-Siegel erwerben. Genauere Informationen unter capital.de/siegel

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