AusblickSo wird das Börsenjahr 2020

Erster Handelstag an der Frankfurter Börse
Der Aufwärtstrend an den Aktienmärkten ist intaktGetty Images

Das vergangene Anlagejahr lief so gut, dass sich viele Investoren fragen dürften, ob das Börsenjahr 2020 mithalten kann – oder ob die Rally bald ein Ende findet. Die Anlagestrategen von Banken und Investmentgesellschaften geben Entwarnung. Sie sind sich im Großen und Ganzen einig: Das neue Jahr dürfte zwar nicht ganz so gut laufen wie das alte. Anleger können aber weiterhin mit soliden Erträgen rechnen, vor allem, wenn sie auf Aktien setzen.

Im vergangenen Jahr erreichte der US-Leitindex S&P 500 neue Rekordstände, auch der Dax legte im Jahresverlauf kräftig zu. Es gibt keinen Anlass, davon auszugehen, dass der Aufwärtstrend in diesem Jahr bricht. Ein Investoren-Sprichwort lautet: Bullenmärkte sterben nicht an Altersschwäche. Die Tatsache, dass die Kurse schon vergleichsweise lange steigen, ist also für sich genommen kein Grund, dass es nicht weiter nach oben geht. Das gilt umso mehr, als dass die Risiken, die der Rally ein Ende setzen könnten, bekannt sind und den Aufwärtstrend bereits 2019 nicht stoppen konnten: die Unsicherheit rund um den Brexit, die Wachstumsschwäche in China, der chinesisch-amerikanische Handelskonflikt, die schwache Konjunktur in Deutschland und anderen europäischen Ländern.

DAX Index

DAX Index Chart
Kursanbieter: L&S RT

An Aktien führt kein Weg vorbei

Die Konjunkturschwäche könnte im laufenden Jahr in eine Rezession münden, der Handelskrieg weiter eskalieren, die Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU zur unendlichen Geschichte werden. Marktbeobachter sind allerdings optimistisch und gehen davon aus, dass nichts dergleichen geschehen wird. „Das globale Wirtschaftswachstum dürfte 2020 leicht anziehen, bei anhaltend hoher politischer Unsicherheit“, sagt Bernd Meyer, Chefstratege der Privatbank Berenberg. Weil Anleger diese Verbesserung bereits weitgehend eingepreist haben, rechnet Meyer bei Aktien mit einem Kurswachstum im einstelligen Bereich.

„Fest steht, dass an Aktien auch in Zukunft kein Weg vorbeiführen wird“, konstatiert Felix Düregger, Stratege der österreichischen Schoellerbank. Hinter dieser Feststellung steht nicht nur die Hoffnung, dass sich mehrere Aktienmarktrisiken in den kommenden Monaten in Wohlgefallen auflösen – sondern auch die Befürchtung, dass 2020 für Anleiheinvestoren kein Vergnügen wird. „Bei Anleihen rechnen wir speziell im Euroraum mit einem äußerst herausfordernden Umfeld“, sagt Düregger.

Ertragsmisere bei Anleihen

Die Zinsmisere dauert an, ein Ende ist nicht in Sicht. Weil sichere Staatsanleihen schon lange keine Zinsen mehr abwerfen, weichen immer mehr Investoren auf Unternehmensanleihen oder Bonds in Fremdwährungen aus. Dieser Trend dürfte auch im neuen Jahr anhalten. Privatanleger stellt er vor ein Dilemma: Unternehmens- und Fremdwährungsanleihen, inflationsgeschützte Bonds, Wandelanleihen und ähnliche Zinspapiere liefern zwar höhere Erträge als bonitätsstarke Staatsanleihen. Sie bergen aber auch höhere Risiken und können im Portfolio nicht gleichermaßen als Stabilitätsanker fungieren wie Staatsanleihen.

Renditechancen am Aktienmarkt, Ertragsmisere auf der Anleiheseite: Wer schon länger in Wertpapiere investiert, dem dürfte diese Gemengelage bekannt vorkommen. Anleger sollten sich von den Risikofaktoren in beiden Anlageklassen nicht abschrecken lassen, rät Schoellerbank-Experte Düregger. „Sorgen gibt es immer auf den Kapitalmärkten, auch im abgelaufenen Jahr“, sagt er. „Dennoch gehörte die Marktentwicklung in fast allen Anlageklassen mit zu den besten der Vergangenheit.“ Wer den Risiken mehr Gewicht beimesse als den Chancen und deshalb vom Investieren absehe, der laufe Gefahr, an der Seitenlinie zu stehen, wenn die Kurse weiter steigen, warnt der Stratege. Sein Anlage-Rat, nicht nur für das Jahr 2020: „Es ist nicht wichtig, wann man investiert, sondern dass man investiert.“