GeldanlageKohleausstieg: Wie Sie Ihr Depot dekarbonisieren

Dampf steigt aus den Kühltürmen des Kohlekraftwerks Jänschwalde. Das Kraftwerk gehört zu den größten CO2-Emittenten in Europa
Dampf steigt aus den Kühltürmen des Kohlekraftwerks Jänschwalde. Das Kraftwerk gehört zu den größten CO2-Emittenten in EuropaGetty Images

Das politische „Nein“ zur Kohle ist nun da. Zumindest auf Bundesebene scheint beschlossen, dass die Kohleindustrie ein Auslaufmodell ist. Vorerst die Braunkohle. Derweil hielt ja die Wirtschaft – in Gestalt von Siemens-Chef Joe Kaeser – erst vor zwei Tagen ausdrücklich an der Branche fest. Die Zulieferung für ein Kohlebergwerk in Australien sei ein zu wichtiges Geschäft für Siemens, entschied er. Der Konzern werde an dem Deal festhalten und seine „vertraglichen Verpflichtungen erfüllen“. Ungeachtet der Proteste von Klimaaktivisten. Doch zumindest die Politik will die Kohle als Energieträger nun per Gesetz stoppen. Das soll Mitte des Jahres verabschiedet werden.

Bereits vor einem Jahr verständigte sich die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission auf den Ausstieg aus dem Braunkohletagebau und die Abschaltung von Kohlekraftwerken. In dieser Woche stimmten auch die Ministerpräsidenten der betroffenen Bundesländer zu, ebenso wie die Bundesminister für Wirtschaft, Umwelt und Finanzen. Der Ausstieg soll zwar „sofort beginnen“, aber erst 2038 werden die letzten Kohlekraftwerke stillgelegt. Überdies müssen noch die Betreiber der Kraftwerke und Tagebaue endgültig zustimmen. Und die Beteiligten müssen sich noch über die Finanzen und Ausgleichszahlungen einigen. Es bleibt also noch einiges zu regeln, bevor die Branche abgewickelt werden kann.

Kohleindustrie ist einer der größten CO2-Emittenten

Der Ausstieg aus der Kohle wäre aber immerhin ein großer Gewinn – nicht nur fürs Klima.  Sondern er würde sich auch für Anleger auszahlen. Zudem muss kein Privatanleger bis 2038 warten, sondern er kann auch bereits heute etwas dafür tun, dass die Kohle bald Geschichte ist. Wie das?

Die größten Kohleunternehmen der Welt – das ist Fakt – tragen erheblich zum globalen CO2-Ausstoß bei. Allein die Energiekonzerne, Rohstoffunternehmen und die Versorger produzieren von allen Unternehmen im MSCI World Index rund 70 Prozent der CO2-Emissionen, obwohl sie im Index zusammen nur rund 15 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmachen, wie die Ratingagentur Morningstar feststellt. Würde man also die Kohleindustrie zurückdrängen, blieben der Welt Millionen Tonnen CO2 jährlich erspart.

Coal India, Adani Enterprises und China Shenhua Energy sind nun laut der Gesellschaft Fossil Free Indexes die größten börsennotierten Kohleunternehmen nach CO2-Ausstoß, an denen sich private Investoren beteiligen können. Ebenfalls Großverursacher von CO2 sind demnach die großen Gasfirmen wie Gazprom oder Rosneft. Warum Fossil Free Indexes sie jährlich in seinen Listen aufführt? Damit Großanleger und Investmentfirmen aufhören, ihre Aktien zu kaufen und sie auch nicht mehr in Indizes aufnehmen.

Genau das nämlich gehört für viele Finanzmarktakteure inzwischen zur Geschäftsphilosophie, und zwar längst nicht nur für die ausgewiesenen Konstrukteure von Nachhaltigkeitsindizes und jene Investmentgesellschaften, die Öko- oder ESG-Fonds auflegen. Letztere tun es sowieso. In Frankreich zum Beispiel müssen institutionelle Investoren schon von Gesetzes wegen berichten, wie groß der CO2-Fußabdruck ihrer Produkte ist. Das errechnet sich aus dem Gesamtausstoß der betreffenden Firmen und dem jeweiligen Aktienanteil, den der Investor daran hält. Deshalb suchen viele französische Fonds bereits gezielt nach klimafreundlicheren Unternehmen.

Auch große staatliche Investoren wie der norwegische Staatsfonds gehen längst auf Abstand zur Kohle. Der Fonds beschloss bereits 2019, nicht mehr in die Kohleindustrie zu investieren und die entsprechenden Aktien aus dem Depot zu werfen. Hierzulande haben sich ebenfalls etliche Pensionsfonds der Bundesländer zumindest vorgenommen, künftig nachhaltiger anlegen. Zudem arbeitet die Europäische Union an einem europaweiten „Aktionsplan für nachhaltiges Investieren“, der strengere Vorgaben machen soll. Demnächst also könnte die CO2-Vermeidung zu einem wichtigen Kriterium für Anleger werden.