GeldanlageWer klug ist, investiert wie der norwegische Ölfonds

Norwegens Flagge
Symbolbild: Norwegens Flagge

Der über 800 Milliarden Euro schwere norwegische Staatsfonds hat seit 1998 eine bessere Durchschnittsrendite erzielt als der DAX – und das bei weniger Risiko! Ein Rekord nach dem anderen wird vom norwegischen Ölfonds gebrochen. Nachdem er vergangenen Herbst erstmals die 1 Billion Dollar Marke überschritten hatte, sind über das staatliche Investmentvehikel pro Norweger mittlerweile mehr als 160.000 Euro an den internationalen Finanzmärkten angelegt. Im vorigen Jahr erwirtschaftete der Fonds 13,7 Prozent Prozent Rendite – und schlug damit wieder einmal den DAX.

Das sind klasse Zahlen, die bedeuten, dass die Norweger der Zukunft erheblich entspannter entgegenblicken können als wir Deutschen und die Bewohner vieler anderer europäischer Staaten.

Von Norwegen profitieren kann aber jeder. Denn wer keine reiche Regierung hat, die für einen vorsorgt, kann es sich einfach machen und die Strategie des norwegischen Ölfonds nachahmen.

Was der Dank kluger Politiker (und Wähler, die für sie stimmen) auf gesellschaftlicher Ebene erreicht hat, kann und sollte jeder einzelne auch für sich schaffen: ein solides Vermögen aufbauen, um für die Zukunft besser gerüstet zu sein. Das klingt kompliziert, ist aber gar nicht so schwer – mit dem Ölfonds als Vorbild! Der ist zwar der größte Staatsfonds der Welt, fährt aber eine Strategie, die auch private Investoren nachahmen können, selbst wenn sie monatlich nur 50 oder ein paar hundert Euro investieren können oder möchten.

Warum den Ölfonds zum Vorbild nehmen? Ganz einfach: er ist erfolgreich und risikoarm. In den vergangenen 20 Jahren hat er mit 6 Prozent im Schnitt jährlich mehr zugelegt als der Dax. Während dieser Zeit schwankte die Performance des Ölfonds zugleich weniger, er hat sein Geld also sicherer angelegt.

Trotz des Größenunterschieds beim Depot ähneln sich Privatanleger und Fonds. Beiden geht es darum

– längerfristig Vermögen aufzubauen,

– monatlich pro Kopf eine überschaubare Summe zu sparen,

– flexibel zu bleiben, also notfalls auch einmal mit dem Sparen zu pausieren,

– das Risiko gering zu halten,

– in Märkte zu investieren, die jedem offenstehen.

Zudem spielt das Thema Nachhaltigkeit eine zunehmende Rolle wenn Privatleute ihr Geld anlegen und der Ölfonds versucht schon lange ebenfalls möglichst ethisch zu investieren.

Wer den zum Vorbild nimmt, kann mit wenig finanziellem und zeitlichem Aufwand längerfristig ein angenehmes Polster erwirtschaften. Gleichzeitig wird auf Nachhaltigkeit geachtet, weil nicht in alle Firmen investiert wird.

Dazu müssen Sie nur den grundlegenden Regeln folgen, die sich vom norwegischen Ölfonds ableiten lassen. Das ist einfacher, als Sie vermutlich denken.

Nachdem ich viele Jahre lang für Medien wie Financial Times Deutschland und Die Welt über den Ölfonds berichtet und dessen Strategie gelobt habe, habe ich für mein Buch „So werden Sie reich wie Norwegen“ aus dessen Strategie ein Blue Print für Privatinvestoren herausgearbeitet.

Die wesentlichen politischen Vorgaben, an die sich der Ölfonds halten muss und die die übergeordnete Strategie darstellen, können in eine paar Regeln gegossen werden, die auch für Privatanleger gelten sollten. Die wichtigsten sind:

Es muss stetig und langfristig in Abhängigkeit von der eigenen wirtschaftlichen Lage investiert werden, dabei darf die aktuelle Situation der Märkte keine Rolle spielen.

Die Risikopräferenz ist ausschlaggebend dafür, welcher Anteil in (riskantere) Aktien und welcher in (sicherere) Anleihen fließt.

Das Risiko soll in etwa stabil bleiben, deshalb wird umgeschichtet, wenn sich eine Anlageklasse über einen längeren Zeitraum deutlich anders entwickelt hat als die andere.

Es wird strikte Kostenkontrolle ausgeübt, um so die Rendite zu steigern.

Finanzmarktexperten erkennen, dass da Aspekte der modernen Portfoliotheorie durchscheinen. Dennoch geht der Fonds eigene Wege. Dazu gehört nicht zuletzt, auf eine möglichst ethische Geldanlage zu achten und bestimmten Unternehmen kein Geld zur Verfügung zu stellen. Zudem ist sein Vorgehen besser zu verstehen und nachzuahmen als komplizierte Finanzmarkttheorie.

Dennoch gibt es auch ein paar Punkte, die von den Norwegern nicht kopiert werden sollten, darunter der Liveticker auf www.nbim.no . Wirklich sekündlich mit ansehen zu können, wie das Vermögen sinkt oder fällt, ist spannend, aber bei langfristiger Geldanlage kontraproduktiv, weil es vom Wesentlichen ablenkt. Wie bei der Fußballbundesliga ist das zwischenzeitliche Auf und Ab irrelevant solange der Endstand stimmt.

Die Idee den Ölfonds zu etablieren kann gar nicht genug gelobt werden. Jetzt ist es an der Zeit, dass jeder seinen eigenen kleinen Ölfonds aufbaut.