BankeninitiativeGegen Visa und Apple Pay: Kommt ein Zahlungssystem für Europa?

Viele Kunden haben Mastercard- und Visa-Kreditkarten im Portemonnaie.imago images / ZUMA Press

Von der Ampel-Koalition kriegen die deutschen Banken Rückenwind: Europa brauche „eine eigenständige Zahlungsverkehrsinfrastruktur“, schreiben SPD, Grüne und FDP im Koalitionsvertrag. Tatsächlich arbeiten die hiesigen Geldhäuser in einer Initiative mit mehreren europäischen Banken zur Zeit genau daran. Sie wollen den Platzhirschen Visa, Mastercard oder Apple Pay ein eigenes europäisches Zahlungssystem entgegensetzen.

Mit der European Payments Initiative (EPI) hoffen die europäischen Banken, sich ein Stück vom ertragreichen Zahlungsmarkt sichern zu können. Die Initiative plant Echtzeitüberweisungen und Karten für den Massenzahlungsverkehr sowie für Zahlungen zwischen Privatpersonen. Verbraucherinnen und Verbraucher könnten sich dann zwischen einem weiteren Anbieter entscheiden und die Kosten für Transaktionen dürften insgesamt günstiger werden.

Verwaltungsrat gibt vorsichtiges Signal

Doch ob es dazu kommt, ist gar nicht sicher. Die Bundesbank ist zwar dafür. Laut einem „Handelsblatt“-Bericht hat sich außerdem jüngst die Commerzbank dafür ausgesprochen, Gelder in die Initiative zu stecken. Auch die Deutsche Bank und die Sparkassen befürworten demnach das Projekt. Wie aus Finanzkreisen zu hören ist, hat am Montag ebenfalls die DZ Bank dafür votiert.

EPI selbst spricht von einem „ersten wichtigen Schritt“. Der Verwaltungsrat habe sich am Montag generell für das Zahlungssystem ausgesprochen, heißt es in einem kurzen Statement. Die einzelnen Banken würden nun ihre internen Entscheidungsprozesse finalisieren. „Die Liste der Gesellschafter der EPI-Holdinggesellschaft wird bis Ende des Jahres bekannt sein.“

Vor allem müssen wohl europäische Partner überzeugt werden. 32 Banken sind grundsätzlich für das Projekt, darunter BNP Paribas, Société Generale, Unicredit und Santander. Doch deren Verantwortliche müssen nun Gelder locker machen. Erst wenn die EPI eine Zusage über 1,5 Mrd. Euro hat, soll mit der Umsetzung begonnen werden.

Volker Brühl vom Center for Financial Studies der Goethe-Universität Frankfurt glaubt, es sei die letzte Möglichkeit, ein Zahlungssystem zu etablieren, das im globalen Wettbewerb mithalten könnne. „Wir in Europa sind eh schon hinten dran“, sagt der Finanzprofessor. Es habe ja schon gedauert, bis mit Sepa überhaupt ein europäisches Überweisungsformat eingeführt worden sei.

Kapitalmarktunion würde gestützt

Im Gegensatz zum US-amerikanischen Markt gibt es in Europa keinen Zahlungsdienstleister, der mit den US-Anbietern konkurrieren könnte. Grundsätzlich sei der Vorstoß deshalb eine gute Idee, sagt Brühl. Ein eigenes Zahlungssystem würde die Kapitalmarkt- und Bankenunion in der EU stützen. „Es würde den Finanzplatz Europa nach vorne bringen. Der europäische Bankensektor würde profitieren.“

An den Risiken stoßen sich offenbar aber noch einige Institute. „Rentieren würde sich das für die Banken frühestens nach zehn Jahren“, glaubt Brühl. Hinzu kommt, dass die Europäische Zentralbank an einer eigenen virtuellen Währung bastelt, dem digitalen Euro. Der müsste dann in das EU-Zahlungssystem integriert werden, so Brühl. „Es bleibt ein Umsetzungsrisiko.“

Der Finanzexperte ist skeptisch, ob sich am Ende genügend Banken für das Projekt finden werden. Es komme zehn Jahre zu spät. „Bei den meisten Geldhäusern laufen gerade eigene Digitalisierungsprojekte, die sie finanziell stemmen müssen.“ Außerdem hätten die bisherigen Anbieter schon einen enormen Vorsprung.

Verbraucherschützer sind dafür

Verbraucher könnten von einem weiteren Zahlungsanbieter dennoch profitieren. Durch den zusätzlichen Wettbewerb, so Brühl, dürften die Kosten pro Transaktion fallen. Bisher zahlen die Händler den Großteil, geben die Kosten teilweise aber an die Endkunden weiter.

Verbraucherschützer hoffen deshalb, dass EPI kommt. Die Marktmacht von Mastercard, Visa aber auch Paypal und Klarna sei groß, kritisiert Finanzmarktexperte Claudio Zeitz-Brandmeyer vom Verbraucherzentrale Bundesverband. „Je größer die Marktmacht, desto höher sind die Kosten.“ Auch in Sachen Datenschutz haben die Verbraucherschützer klare Forderungen: „Wir hoffen und erwarten, dass die Privatsphäre bei EPI einen höheren Stellenwert hat als bei den amerikanischen Anbietern.“

Doch selbst wenn die Banken mehrheitlich grünes Licht geben – bis ein neues Zahlungssystem an den Start gehen würde, wird es nach Schätzung von Brühl mindestens zwei bis drei Jahre dauern.