Peter Seppelfricke Stabile Aktien fürs Depot: Welche Unternehmen können sich auch langfristig behaupten?

Die Apple-Aktie war für viele Anleger ein lohnendes Investment. Der Konzern gehört zu den Unternehmen mit den nachhaltig höchsten Kapitalrenditen
Die Apple-Aktie war für viele Anleger ein lohnendes Investment. Der Konzern gehört zu den Unternehmen mit den nachhaltig höchsten Kapitalrenditen
© Getty Images
In unsicheren Zeiten wächst das Bedürfnis vieler Anleger, in krisenresistente Unternehmen zu investieren. Mit ein wenig Statistik lassen sich stabile Geschäftsmodelle identifizieren

Die Ertragskraft von Unternehmen entwickelt sich ähnlich wie die Leistungsfähigkeit von Sportlern. Der Gewinner von gestern ist zumeist auch der Gewinner von morgen bzw. der Verlierer von gestern ist regelmäßig auch der Verlierer von morgen. Sowohl im Sport als auch in der Wirtschaft gibt es Gesetzmäßigkeiten, mit denen sich die zukünftigen Erfolge recht gut prognostizieren lassen. Allerdings werden diese festen Muster regelmäßig durch Zufälligkeiten überlagert. Auffällig ist dies zum Beispiel bei Sportarten wie Golf: Extrem gute Scores auf einer Runde können selten auf der nächsten Runde wiederholt werden. So spricht man in den USA häufig vom „Fluch der Sports Illustrated“: Nachdem es ein erfolgreicher Sportler auf das Cover der bekannten Zeitschrift geschafft hat, verschlechtern sich häufig seine Leistungen.

Peter Seppelfricke lehrt Finanzwirtschaft an der Hochschule Osnabrück. Er ist zugleich Gründer und Geschäftsführer der Value Investor Research GmbH
Peter Seppelfricke lehrt Finanzwirtschaft an der Hochschule Osnabrück. Er ist zugleich Gründer und Geschäftsführer der Value Investor Research GmbH
© PR

Ähnlich verhält es sich bei Unternehmen. Erfolgreiche Geschäftsjahre können Ausdruck eines sehr guten Geschäftsmodells, aber auch schlicht das Resultat von Glück gewesen sein. So verändern sich viele makroökonomische Größen wie Rohstoffpreise, Wechselkurse oder Zinsen recht zufällig und können vom Management nicht beeinflusst werden – gleichwohl können diese Größen die Erfolge von Unternehmen entscheidend beeinflussen. Bei glücklichen Veränderungen im Umfeld sollte dementsprechend nicht erwartet werden, dass diese dauerhaft sind. Umgekehrt darf man davon ausgehen, dass sich die aktuell sehr mäßigen Makrodaten (hohe Rohstoffpreise, hohe Inflationsraten und große politische Unsicherheiten) mittelfristig auch wieder verbessern werden.

Die Ertragskraft von Unternehmen folgt einer „Mean Reversion“

In der Zeitreihenanalyse der Statistik bezeichnet man diese Entwicklungen als Mean Reversion. Viele Größen neigen dazu, sich durch zufällige Ereignisse von ihrem natürlichen Mittel (Mittelwert oder Mean) zu entfernen. Je weiter sich eine Größe von ihren natürlichen Mittel entfernt, desto stärker fällt jedoch die Anziehungskraft zur natürlichen Mitte aus. Auch bei Unternehmen erkennt man diese Regelmäßigkeit. Die Ertragskraft von Unternehmen kann durch Zufälle vorrübergehend von der nachhaltigen Ertragskraft abweichen, wird aber immer wieder auf ihr natürliches Niveau zurückgeworfen. Investoren sollten deshalb bestrebt sein, durch den Nebel der zufälligen Schwankungen die nachhaltige Ertragskraft zu identifizieren.

Die entscheidende Kennziffer zur Identifikation der nachhaltigen Ertragskraft von Unternehmen ist die Kapitalrendite (Return on Investment oder kurz ROI). Der ROI stellt dem Kapitaleinsatz der Investoren die erzielten Erfolge gegenüber (Erfolg/Kapitaleinsatz). Anhand des ROI lässt sich der Ertragskraft von Unternehmen länder- und branchenübergreifend sehr gut miteinander vergleichen. Umsatzrenditen (wie z.B. die Ebit-Marge) sind diesbezüglich ungeeignet. Umsatzmargen zeigen auf, wie viel Geld aus dem Geschäft mit Kunden (also den Umsätzen) unter dem Strich den Unternehmen als Gewinn verbleibt. Umsatzrenditen hängen stark von der Branche ab, so müssen Handelsunternehmen wie Amazon regelmäßig mit sehr geringen Margen auskommen. Über die Masse des Geschäfts (in der Fachsprache kennzeichnet dies ein hoher Kapitalumschlag) können aber auch Handelsriesen wie Amazon letztlich sehr hohe Renditen auf das eingesetzte Kapital ihrer Investoren erzielen. Bei Betrachtung des ROI besteht bei Unternehmen mit branchentypisch niedrigen Margen deshalb nicht die Gefahr, dass sie unter dem Radar bleiben.

Der wirtschaftliche Burggraben beeinflusst Wettbewerbsintensität

Die Mean Reversion des ROI wird in vielen Branchen entscheidend von am Marktdynamik beeinflusst. Hohe Renditen ziehen neue Wettbewerber an und werden über kurz oder lang die Ertragskraft der bestehenden Anbieter unter Druck setzen. Hohe Markteintrittsbarrieren könnte diesen Prozess aber entscheidend aufhalten. Value-Investoren wie Warren Buffett sprechen in diesem Zusammenhang auch von einer „Economic Moat“ bzw. von einem wirtschaftlichen Burggraben. Eine weite Moat führt dazu, dass Unternehmen dieser Branche dauerhaft vor ernsthafter Konkurrenz geschützt sind. Über die Zeit bildet sich dann eine geringe Wettbewerbsintensität aus und die Unternehmen dieser Branche können eine große Marktmacht gegenüber Kunden und Lieferanten ausspielen.

Mithilfe eines einfachen Modells der Zeitreihenanalyse lassen sich Unternehmen herausfiltern, die beständig hohe Kapitalrenditen erzielen können (siehe Tabelle). Dieses autoregressive Modell wurde für zahlreiche Unternehmen weltweit angewendet, um sowohl die nachhaltige Kapitalrendite („Mean“) als auch die Rückkehrgeschwindigkeit („Fade“) zu diesem Mittel zu schätzen. Der Fade kann als Maß für den ökonomischen Burggraben herangezogen werden: Je geringer der Fade, desto stabiler die Renditen und desto stärker ist das Geschäftsmodell vor unliebsamer Konkurrenz geschützt.

Unternehmen weltweit mit den nachhaltig höchsten Kapitalrenditen (ROI)

Peter Seppelfricke: Stabile Aktien fürs Depot: Welche Unternehmen können sich auch langfristig behaupten?

Es ist kaum verwunderlich, dass man mit dieser Methode illustre Unternehmen wie Apple, Microsoft, Novo Nordisk oder Mastercard aufspüren kann. Diese Unternehmen sind aufgrund von hohen Wechselkosten (bzw. großer Kundenloyalität) oder von Netzwerkeffekten (je größer die Anzahl der Kunden, desto größer der Nutzen) dauerhaft vor neuen Konkurrenten geschützt, die nachhaltigen Kapitalrenditen fallen entsprechend hoch aus. Es fällt ebenfalls auf, dass man die nachhaltig erfolgreichen Geschäftsmodelle fast ausschließlich in den USA findet. Deutsche Unternehmen aus den Bereichen Automobile, Maschinenbau und Chemie agieren in wettbewerbsintensiven Branchen und die Kapitalverzinsungen fallen entsprechend mickrig aus. Einzig die Rational AG schafft es mit einer nachhaltigen Kapitalrendite von 35,42 Prozent in diese Topliste.

Fazit: Bei guten Unternehmen geduldig auf geeigneten Einstiegszeitpunkt warten

Mit Hilfe von Zeitreihenanalysen lassen sich Unternehmen aufspüren, die für ihre Kapitalgeber dauerhaft hohe Renditen erwirtschaften. Diese beständig erfolgreichen Unternehmen sollten alle langfristig agierenden Anleger auf dem Schirm haben. Sie erwirtschaften für ihre Eigentümern viel Wert und erweisen sich zudem als krisenresistent. Bei diesen beeindruckenden Unternehmen muss man mitunter aber sehr geduldig warten, bis man sie zu einem guten Preis deutlich unter ihrem fundamentalen Wert erwerben kann.

Mehr zum Thema

Neueste Artikel