Western von gesternWie die Gontard & Metallbank mit dem Neuen Markt unterging

Lothar Mark nutzte die Euphorie am Neuen Markt
Lothar Mark nutzte die Euphorie am Neuen MarktJindrich Novotny

Manch Frankfurter Banker dürfte Lothar Mark gehasst haben, so groß muss der Neid zeitweise gewesen sein: Obwohl Mark keinen Uniabschluss und kein Abitur besitzt, schafft er es, sich an die Spitze einer Bank hochzuarbeiten und zum Star der Geld-Gilde zu werden – jedenfalls bis sein Institut pleitegeht.

Der Aufstieg Marks verläuft vor der Jahrtausendwende parallel zu jenem des Neuen Marktes – des Börsensegments, in dem Dutzende junge Internetfirmen Kapital einsammeln. Als die 1906 gegründete Metallbank zum Verkauf steht, beteiligt sich Mark daran, vereinigt sie mit der Gontard-Bank von 1726, bringt das fusionierte Geldhaus 1999 an die Börse und wird sein Chef. Mark erkannte schon davor, wie wichtig der Neue Markt werden wird – und richtet auch sein Haus konsequent auf die Start-up-Euphorie aus, in der Anleger gerade alle Vorsicht fahren lassen.

So bietet die Gontard & Metallbank ein Rundum-Paket an: Sie bringt Firmen nicht nur an die Börse, die Bank vergibt Kredite an Gründer und verwaltet deren Vermögen. Das kommt an, auch wegen des charismatischen Chefs Mark, der jedes Bankerklischee sprengt. Er tritt als Kabarettist auf, ist zeitweise Präsident eines Karnevalsvereins, und sein Terminkalender gerät schon mal durcheinander, weil er in den Börsianer-Kneipen jeden Bekannten einzeln per Handschlag begrüßt.

In kurzer Zeit begleitet die Bank mit gerade einmal 200 Mitarbeitern mehr als 100 Unternehmen an die Börse, etwa CE Consumer Electronic, Datadesign und PSI. 1999 erzielt das Institut gar eine irrsinnige Eigenkapitalrendite von 30 Prozent wohlgemerkt nach Steuern. Und der Berufsoptimist Mark sagt der Presse: „Unser Geschäft brummt, wir beißen schon morgens in Zitronen, um nicht den ganzen Tag grinsend durch die Gegend zu laufen.“

Die Zitronen kann sich Mark bald sparen: Als der Neue Markt nach der Jahrtausendwende kollabiert, geht nicht nur das Geschäft mit Börsengängen flöten. Viele Kredite sind mit den Aktien der jungen Firmen besichert, die jetzt kaum noch etwas wert sind. Die Bank muss immer neue Wertberichtigungen vornehmen, 2002 ist sie insolvent.

Mark lebt heute immer noch bei Frankfurt im Kreis Offenbach und macht das Gleiche wie früher: Er besorgt Eigenkapital. Diesmal allerdings für ein Hospiz, das der örtliche Rotary Club bauen will.

Hauptperson

Lothar Mark wurde 1952 geboren und begann nach dem Realschulabschluss eine Banklehre bei einem Genossenschaftsinstitut. Danach ging er als Anleihehändler zur Düsseldorfer WestLB und später zur Metallbank, die 1998 mit der Gontard-Bank fusionierte.


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