MarkenmomentWarum Leica auch Uhren verkauft

Das berühmte Leica-Logo an einem Geschäft in San Francisco
Das berühmte Leica-Logo an einem Geschäft in San FranciscoGetty Images

Die Idee zur neuen Uhrenlinie bei Leica reicht weit zurück – genau genommen sogar bis zu den Anfängen des Unternehmens im 19. Jahrhundert. Ernst Leitz, Gründer einer Vorläuferfirma des weltberühmten Kameraherstellers, hatte seine Lehrjahre in der Schweizer Uhrenindustrie verbracht, bevor er sich in Wetzlar niederließ. Zwar verlegte er sich dort auf die Fertigung optischer Instrumente und später Kameras, aber seine Erfahrungen in der Präzisionsmechanik des Uhrenhandwerks kamen ihm dabei zugute.

Die Auflage einer Leica-Uhr sei für die Marke deshalb „naheliegend“ gewesen, sagt Andreas Kaufmann, dem die Leica Camera AG heute fast komplett gehört. Bereits in den 80er- und 90er-Jahren habe es Überlegungen in diese Richtung gegeben. „Aber es wurde nicht so richtig gemacht“, sagt Kaufmann – abgesehen von einer Kleinserie von 100 Stück mit einer Art Blende über dem Zifferblatt, die 2014 zum 100-jährigen Jubiläum der „Ur-Leica“ zusammen mit der Genfer Uhrenmanufaktur Valbray aufgelegt wurde. Allerdings trug das Gemeinschaftsprodukt damals den Namen Valbray.

Leica L2
Leica L2

Aus diesem „Test Case“ zog Kaufmann die Erkenntnis: „Wir müssen es anders machen.“ Mit privatem Geld finanzierte der Leica-Aufsichtsratschef die Entwicklung einer Uhr mit völlig neuem mechanischen Werk. Dafür gründete er in Wetzlar eine nach dem Kamerapionier Leitz benannte Firma, die auch die Endfertigung der Uhren übernimmt. Mit dem Design der beiden Modelle „L1“ und „L2“ beauftragte er den langjährigen Leica-Hauptdesigner.

Ein „Risikoinvestment“ nennt Kaufmann das Projekt, das er als „persönliches Abenteuer“ begonnen habe. Geplant sei zuerst eine Serienproduktion von 400 bis 500 Stück zu einem Verkaufspreis ab 9900 Euro, ähnlich teuer wie eine Leica-Kamera. Nach drei bis vier Jahren sollen es dann jährlich bis zu 2000 werden.

Die neue Capital ist am 20. Dezember erschienen

Für den einstigen Lehrer, der später ein Milliardenvermögen erbte, ist die Uhrenlinie aber kein Hobby, sondern eine Unterstützung des Kerngeschäfts. Leica betreibt weltweit 83 eigene Läden, die Kaufmann mit dem neuen Produkt aufwerten will. In den Metropolen, wo viele kaufkräftige Fans der Marke sitzen, seien die Uhren eine „interessante Ergänzung“. Ab Februar sollen sie zunächst in Singapur, Tokio, Hongkong und Schanghai zu kaufen sein, später folgen London, Paris, Dubai, Sydney und Los Angeles. In Deutschland wird man die Uhren nur in Wetzlar und Frankfurt bekommen.

Schon heute melden sich in Wetzlar Händler, die die Leica-Uhr an Kunden vorverkauft haben. „Wir hätten die erste Jahresproduktion schon komplett verkaufen können“, sagt Kaufmann, der die Uhrenentwicklungsfirma nun unter das Dach der Leica-Gruppe bringen will. Weihnachten 2019 soll dann das Modell „L3“ auf den Markt kommen. Für die jüngsten Mitglieder der Leica-Familie hat Kaufmann ein klares Ziel: „Wir planen, dass wir immer ausverkauft sein werden.“

Unternehmen

Die Leica-Geschichte beginnt mit dem 1849 in Wetzlar gegründeten Optischen Institut. Daraus entstanden 1869 die Ernst Leitz Werke, die erst Mikroskope und ab 1924 serienmäßig Fotokameras produzierten. Mehrheitseigner der Leica Camera AG ist heute Andreas Kaufmann. Mit 700 Mitarbeitern machte das Unternehmen zuletzt 320 Mio. Euro Umsatz.