ExklusivStudie zeigt Wertverfall neuer Öl-Förderprojekte

Symbolbild: Ölpumpe
Symbolbild: Ölpumpedpa

Internationale Ölkonzerne und ihre Aktionäre müssen herbe Verluste fürchten, sollten Regierungen ihre Klimapolitik wie angekündigt verschärfen, um die Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens einzuhalten. Der Wert neuer Förderprojekte könne sich in diesem Fall innerhalb der kommenden fünf Jahre halbieren, errechnete das Londoner Analysehaus Carbon Tracker.

Grundlage der Studie ist das von den Vereinten Nationen und von Finanzinvestoren entwickelte „Inevitable Policy Response“-Szenario. Ihm zufolge müssen Regierungen bis 2025 einschneidende Maßnahmen ergreifen, um die globale Erwärmung auf maximal zwei Grad zu begrenzen. Unter anderem könnten Staaten CO₂-Emissionen mit Zusatzsteuern massiv verteuern. Je später die Kehrtwende, umso abrupter träfe sie die Ölkonzerne, sagt der Carbon-Tracker-Analyst Andrew Grant. Umso größer sei dann auch das Risiko, dass die Multis auf „Stranded­Assets“ sitzen bleiben – also auf Vermögenswerten wie Ölfeldern, die niemand mehr ausbeuten darf oder will.

Die neue Capital erscheint am 20. Februar

Selbst unter längerfristigen Annahmen für die Klimapolitik gelten Öl- und Gasinvestments inzwischen als hoch riskant. Der Börsengang des saudischen Ölkonzerns Saudi Aramco Ende vergangenen Jahres verlief auch deshalb so holprig, weil internationale Investoren den langfristigen Wert des Unternehmens – das sind im Kern die Ölfelder – bezweifelten. Zusammen verfügen Energiekonzerne laut „Financial Times“ über fossile Reserven mit einem potenziellen CO₂-Ausstoß von 2910 Milliarden Tonnen. 1200 Milliarden Tonnen aber dürfen laut Weltklimarat für das Zwei-Grad-Ziel maximal noch emittiert werden. Die Konzerne müssten dann fast 60 Prozent ihrer Vorräte im Boden belassen.

370 Finanzhäuser mit einem verwalteten Vermögen von 35 Billionen US-Dollar, darunter die Allianz und Blackrock, haben eine Initiative gestartet, um die Konzerne zu neuen Geschäftsmodellen zu drängen. Laut Carbon Tracker ist auch ein Preiscrash eine Gefahr. Besonders gefährdet sind laut Studie ExxonMobil, Chevron, ConocoPhillips, dazu BP und die spanische Repsol. „Investoren sollten von diesen Unternehmen höhere Ausschüttungen verlangen, als Kompensation für das Extrarisiko“, sagt Grant. „Oder sie bringen sie dazu, diese Risiken gar nicht einzugehen.“

 


Der Beitrag stammt aus der neuen Capital-Ausgabe, die am 20. Februar erscheint. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei iTunes und GooglePlay