IdeenschmiedenSiemens Healthineers: digitale Zwillingsgeburt

Siemens Healthineers-Stand bei einer Messe in ChinaIMAGO / VCG

Die Utopie treibt die Medizin seit Jahren um: Gäbe es ein digitales Abbild jedes Organismus, könnten Mediziner am Computer früh Fehlfunktionen erkennen und virtuell testen, ob eine Behandlung anschlägt. Experten wie Peter Schardt nennen diese Idee „digitaler Zwilling“. Schardt ist Chief Technology Officer bei der Siemens-Tochter Healthineers, die 2018 an die Börse ging. „Am weitesten sind wir bei Krankheitsbildern des Herzens“, berichtet er.

Das Zusammenspiel von Sensoren, Gendaten und einer ausgeklügelten Software macht es bereits heute möglich, für Patienten individuelle Modelle zu erstellen. Künstliche Intelligenz hilft, Reaktionen des Körpers am Computer zu simulieren, bevor Mediziner am echten Menschen Hand anlegen. Noch ist das virtuelle Herz ein Prototyp, in fünf Jahren könnte es jedoch schon weit verbreitet sein, prognostiziert Schardt.

Erkenntnisse, die die Forscher auf dem Weg zu ihrer Utopie gewonnen haben, sind allerdings in Produkte eingeflossen, die bereits auf dem Markt sind – etwa in eine 3D-Kamera, die während der Untersuchung einen Avatar des Patienten aufbaut. Auch wenn Siemens Healthineers im eigenen Haus über eine Fülle an Technologien verfügt, holen sich die Forscher regelmäßig Expertise von außen hinzu. Beim virtuellen Herzen etwa war das Uniklinikum Heidelberg beteiligt. Für Schardt ist diese Art von Teamwork essenziell: „Innovation entsteht im Dreiergespann aus Kunden, Forschungsinstituten – und uns.“