Kehrtwende Nun also doch: McKinsey zieht sich aus Russland zurück

McKinsey-Chef Bob Sternfels
McKinsey-Chef Bob Sternfels
© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Alphonsus Chern
Bob Sternfels, Chef der weltweit führenden Strategieberatung McKinsey, stand wegen Aufträgen in Russland in den letzten Tagen heftig in der Kritik. Nun hat der Amerikaner entschieden, die Geschäfte einzustellen

McKinsey-Chef Bob Sternfels hat eine Kehrtwende in der Haltung seines Unternehmens zum Russland-Geschäft vollzogen. Über Soziale Medien räumt er ein: „Seit meinem letzten Beitrag habe ich mit Entsetzen den Schmerz und das Leid verfolgt, die durch den Einmarsch der russischen Regierung in die Ukraine verursacht wurden“, schreibt der US-Amerikaner auf Linkedin.

Ab heute werde McKinsey in Russland keine neuen Kunden mehr betreuen. Die Arbeit für staatliche Einrichtungen sei bereits eingestellt worden. Darüber hinaus werde nach Abschluss der verbleibenden Aufträge in Russland, die gesamte Kundenbetreuung in diesem Land eingestellt.

Anfang dieser Woche hatte Sternfels an gleicher Stelle noch felsenfest erklärt, dass er keinen Handlungsbedarf für das Moskauer Büro seiner Unternehmensberatung sehe, da es keine laufenden Verträge mit der Regierung von Präsident Wladimir Putin mehr gebe. Für diese Botschaft bekam der Topmanager nicht nur Zustimmung. Es hagelte harsche Kritik, die in der Behauptung eines langjährigen Mitarbeiters gipfelte, dass McKinsey in Russland schmutzige Geschäfte betrieben habe. „Blut klebt an Ihren Händen“, schrieb Andrei Caramitru in einem weitverbreiteten Post ebenfalls auf Linkedin. 

Das öffentliche Einlenken des CEOs eines international so einflussreichen Unternehmens dürfte Signalwirkung haben – auch auf zahlreiche Kunden die McKinsey weltweit in sämtlichen Branchen und Organisationen hat. In den vergangenen Tagen ist angesichts der anhaltenden Kriegsgräuel, die Russland in der Ukraine anrichtet, auch in der Wirtschaft eine Bewegung in Gang gesetzt worden, die es in der Form noch nie gab. Neben staatlichen Sanktionen haben mittlerweile auch zahlreiche Konzerne ihre Geschäfte in Russland geschlossen, Beziehungen zu russischen Partnern abgebrochen oder angekündigt, sich aus dem Land zurückzuziehen: Mercedes-Benz und VW haben die Produktion von Autos eingestellt, Ikea und H&M haben Filialen geschlossen, DHL und FedEx liefern keine Waren mehr aus. Es werden täglich mehr.

Der Hebel den die Wirtschaftsvertreter damit in Bewegung setzen, ist groß. Immer mehr Manager positionieren sich öffentlich gegen den Krieg und treffen weitreichende Entscheidungen die Mitarbeiter, Kunden und Geschäftspartner in Russland treffen. Damit soll letztlich der Druck auf die russische Regierung erhöht werden.

McKinsey-Chef Sternfels, der erst seit Sommer vergangenen Jahres im Amt ist, hat harsche Kritik etwa zur Beratung von Unternehmen, die als CO2-Sünder gelten, bislang an sich abperlen lassen. Der Verlauf des Kriegs in der Ukraine bewegt ihn nun zum Handeln: „Ich bin gerührt von der Bereitschaft der McKinsey-Kollegen weltweit, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um zu helfen – von der Organisation von Hilfsgütertransporten in das Kriegsgebiet über die Unterbringung ukrainischer Flüchtlinge in ihren Häusern bis hin zu großzügigen Spenden.“ Das Unternehmen werde die Spenden im Verhältnis drei zu eins erhöhen auf 2 Mio. Dollar in bar und die humanitären Bemühungen mit 10 Mio. Dollar in Form von Pro-bono-Leistungen unterstützen. Zudem werde das McKinsey Büro in Moskau geöffnet bleiben, um Kollegen im Land unterstützen zu können.

Auf Linkedin bekommt er für die Ankündigung schon nach wenigen Stunden die Zustimmung von mehr als 2000 Menschen.


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