Ukraine-Krieg Positioniert Euch! 

Der Sport zeigt Haltung wie hier die Spieler von Manchester City, die Wirtschaft hat noch Nachholbedarf
Der Sport zeigt Haltung wie hier die Spieler von Manchester City, die Wirtschaft hat noch Nachholbedarf
© IMAGO / PA Images
Der Angriffskrieg von Putin in der Ukraine zwingt nicht nur Regierungsvertreter zu Reaktionen. Eine klare Haltung ist auch von der Führungselite der Wirtschaft gefragt

Der Krieg in der Ukraine ist in unser Leben geplatzt, macht sich breit in unseren Gedanken, lässt kaum noch Platz für anderes. Russlands Präsident Wladimir Putin zwingt dies Beteiligten wie Unbeteiligten auf. Politiker und Militärs müssen darauf unmittelbar reagieren und kurzfristig handeln. Viele NGOs und Freiwillige wollen helfen, packen umgehend tatkräftig an. Wissenschaftler, Künstlerinnen, Sportler unterzeichnen Petitionen, große Verbände ziehen radikale Konsequenzen. Wer hätte gedacht, dass selbst die Fußballorganisationen Fifa und Uefa so schnell entscheiden und Russland von der WM und EM ausschließen?

Und die Wirtschaft? Wirkt in großen Teilen noch wie paralysiert – sie schweigt. Es gibt Betroffenheitsbekundungen von einigen Topmanagerinnen und Topmanagern, die ohnehin stets in Social-Media-Kanälen wie Linkedin aktiv sind. Es gibt Unternehmen wie Edeka, deren politisches Statement zu einer misslungenen PR-Kampagne geriert. Es gibt Unternehmen, die auch Einsatz zeigen, wie die Deutsche Bahn mit ihren kostenlosen Fahrten für Flüchtlinge oder Onlineplattformen wie Airbnb und andere Hotel-Verbände mit der Organisation von kostenlosen Unterkünften.

Und sonst? Die Führungselite der Wirtschaft taucht ab, wartet, wie sich die Lage entwickelt und wie sich die staatlich verhängten Sanktionen gegen Russland auf das eigene Geschäft auswirken. Das reicht nicht. Wer seit Jahren als international aufgestellter Konzern von der Globalisierung profitiert, hat die Pflicht und Verantwortung, sich zu positionieren.

Wer, wie der größte Reisekonzern Tui einen russischen Oligarchen als Haupteigner an Bord hat, der gerade erst noch geholfen hat, das Überleben des angeschlagenen Unternehmens zu retten, kann sich nicht allein auf die Behauptung zurückziehen, dass das wohl keine Konsequenzen für das Unternehmen haben werde. Schließlich werde Tui vom Vorstand geführt und nicht vom Anteilseigner, erklärt Konzernchef Fritz Joussen.

Eine recht dünne Ausführung, zumal ein Investor wie Alexei Mordaschow, der 34 Prozent der Tui-Anteile hält und zwei Aufsichtsratsposten besetzt, sehr wohl Einfluss ausübt. Joussen bleibt somit wichtige Antworten schuldig: Kann und soll Mordaschow unter diesen Bedingungen sein Aufsichtsratsmandat weiter ausüben? Wie wird künftig die Zusammenarbeit im Aufsichtsrat aussehen? Wie verhalten sich andere Aufsichtsräte und Investoren dazu? Hat der Vorstand das mit allen Beteiligten geklärt? Welche Handlungsfähigkeit hat ein Unternehmen kurz-, mittel- und langfristig, dessen Hauptaktionär mit Sanktionen belegt ist? Und liegt nicht ein Interessenskonflikt vor, wenn die Tui auf der einen Seite mit einem milliardenschweren Hilfspaket vom deutschen Staat gestützt wird und sich gerade noch gewünscht hat, dass der Staat als Ankeraktionär einsteigt und auf der anderen Seite der russische Großaktionär von der Staatengemeinschaft hart sanktioniert wird? Kann diese Konstellation so bleiben? Kann oder muss sie aufgelöst werden? Ausführlichere Erklärungen, Aufklärung und eine eigene Haltung dazu ist der verantwortliche Vorstand allen Investoren, Kunden und Mitarbeitern schuldig.

Wer das nicht berücksichtigt, steht selber schnell am öffentlichen Pranger. So wie Bob Sternfels, Chef der Unternehmensberatung McKinsey. Der hatte am Wochenende im sozialen Netzwerk Linkedin beteuert, dass sein Unternehmen keine Aufträge mehr für die russische Regierung abwickeln werde.

Das sei nicht ausreichend, behauptete daraufhin ein Ex-Mitarbeiter, der angibt, selbst 16 Jahre lang für McKinsey auch in Osteuropa gearbeitet zu haben.

Das McKinsey-Büro in Moskau müsse wegen dreckiger Geschäfte mit dem Kreml geschlossen werden, forderte er auf Linkedin. Dafür erhält er nun Applaus von Hunderten Mitgliedern der Plattform. Details gibt der Ex-Mitarbeiter an der Stelle nicht preis. McKinsey klärt das auch auf Anfrage nicht auf.

Das reicht nicht mehr. Klare Haltung und offensive Reaktion und Kommunikation sind essentiell in guten wie in schlechten Zeiten.


Mehr zum Thema



Neueste Artikel