MarkenmomentMetz steigt in den Tretroller-Markt ein

Neues Geschäftsfeld nach der Pleite: Metz bringt seinen E-Scooter in den Handel
Neues Geschäftsfeld nach der Pleite: Metz bringt seinen E-Scooter in den Handeldpa

Die Stadt, in der die ersten Elektrotretroller in Deutschland auftauchten, war nicht Berlin oder Hamburg – sondern Zirndorf bei Nürnberg. Dort sitzt das Unternehmen Metz, das mit Blitzgeräten für Fotokameras und Fernsehern groß geworden ist – und 2014 pleiteging. Das TV-Geschäft übernahm damals ein chinesischer Konzern. Der neue Eigentümer der Blitzgerätesparte, ein Hersteller von Elektroantrieben für E-Bikes, brauchte dringend einen neuen Geschäftsbereich, um sich unabhängiger vom rückläufigen Markt für Spiegelreflexkameras und Fotografie zu machen. Die Idee: ein E-Tretroller.

„Wir waren mit unserem Modell Anfang 2018 fertig“, sagt Lauri Jouhki, Chef des Unternehmens, das heute Metz Mecatech heißt. Ursprünglich wollte man ein neues Pedelec entwickeln. Stattdessen fiel 2016 die Entscheidung für einen E-Tretroller – in einer Zeit, in der noch niemand den aktuellen Boom der Scooter-Verleiher erahnen konnte.

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Als das Material für die Serienproduktion des Rollers im Zirndorfer Werk schon eingekauft war, verweigerten die Behörden die Zulassung. Das sei damals eine „Schocknachricht“ gewesen, sagt Jouhki. Erst als Sharinganbieter wie Tier, Circ und Lime, die auch in Deutschland Fuß fassen wollten, Druck machten, erlaubte das Verkehrsministerium die neuen Fahrgeräte. Metz durfte als kleines Trostpflaster sein Modell Moover bereits drei Monate vor dem Start der Verleihdienste auf die Straßen bringen – was Jouhkis Ärger aber nur wenig dämpfte: „Wir haben eine komplette Saison verloren.“

Seit März ist der Metz-Roller nun auf dem Markt, zum Preis von 2000 Euro. Dass die Verleihdienste, die es 2016 noch nicht gab, sein Geschäft zerstören, fürchtet Jouhki nicht: Deren Angebot gebe es nur in einigen Städten, zudem sei sein Scooter hochwertiger und stabiler. Der aktuelle Hype um die Verleihroller könne den Absatz des Moover sogar beflügeln, glaubt Jouhki.

Metz setzt auf Qualität

Bei einigen Scooter-Start-ups hat der Metz-Chef vorgefühlt, ob deren Flotten mit seinen Geräten ausgestattet werden könnten. Doch die Dienste kalkulieren damit, dass die Roller nur wenige Monate genutzt werden, weil sie im Verleihbetrieb schnell kaputtgehen. „Dafür ist unser Produkt zu teuer“, sagt Jouhki. Die meisten Dienste nutzen nun ein 500-Euro-Modell eines US-Herstellers, während Jouhki am Aufbau eines eigenen, etwas anders gelagerten Sharingmodells bastelt: mit Verleihstationen, damit die Roller „nicht überall wild herumliegen“.

Doch zunächst will Jouhki mit dem Verkauf der Geräte an Endkunden Geld verdienen. Geplant ist mittelfristig, mehr als 10.000 Scooter im Jahr abzusetzen. Damit könnte der neue Bereich etwa die Hälfte des künftigen Gesamtumsatzes von Metz ausmachen. Die Gewichte im Unternehmen verschieben sich, was sich auch daran zeigt, dass zuletzt einige Mitarbeiter aus der Blitzgeräteherstellung in die Rollerfertigung gewechselt sind. Doch ganz aufgeben will Jouhki das Stammgeschäft nicht: „Die Fotografie ist ja nicht tot.“

Unternehmen

Das Unternehmen wurde 1938 von Paul Metz in Nürnberg gegründet. Ab den 50er-Jahren war es erst für Blitzgeräte, dann auch für Unterhaltungselektronik bekannt. 2014 meldete Metz Insolvenz an. Die Blitzgerätesparte ging an die Daum-Gruppe aus Fürth. Zuletzt machte dieser Teil rund 20 Mio. Euro Umsatz.

 


Der Beitrag ist in der Capital-Printausgabe 08/2019 erschienen. Die Serie Markenmoment erscheint jeden Monat in Capital. Interesse an Capital? Hier geht es zum Abo-Shop, wo Sie die Print-Ausgabe bestellen können. Unsere Digital-Ausgabe gibt es bei  iTunes und GooglePlay