Innovativste Unternehmen

IdeenschmiedenKühne + Nagel: Fracht, neu gedacht

Die im Februar 2020 eingeweihte neue Deutschlandzentrale der Spedition Kühne + Nagel in der Bremer Innenstadt.IMAGO / Eckhard Stengel

Das neue Jahr fängt nicht gut an: Das Containerschiff „Maersk Elba“ hängt in Südspanien nach einem Maschinenbrand fest. Im chinesischen Dalian werden die Stellplätze für Kühlcontainer knapp. Und vor der nigerianischen Küste liegen Dutzende Schiffe auf Reede, weil die Abfertigung in Lagos stockt. Schlechte Nachrichten für Unternehmen, die ihre Waren verlässlich von A nach B transportiert wissen wollen.

Anders als früher erfahren sie heute jedoch sofort davon und können umplanen – zumindest als Kunden von Kühne + Nagel (K+N). Das Schweizer Logistikunternehmen mit deutschen Wurzeln liefert ihnen diese Informationen mit einer interaktiven Weltkarte, auf der kleine Schiffe über virtuelle Meere reisen.

„Innovationen sind Ideen, die unseren Kunden Nutzen bringen“

Martin Kolbe

In der konservativen Logistikbranche ist so viel Transparenz eine Revolution. „Früher haben die Reeder bestenfalls einen Langzeitfahrplan als Excel-Tabelle zur Verfügung gestellt“, sagt Kathrin Wolf, Produktmanagerin bei K+N in Hamburg. Sie ist für die Weiterentwicklung des Programms namens Seaexplorer zuständig. „Heute können sich die Kunden bei uns in Echtzeit über die Position der Schiffe und die voraussichtliche Ankunftszeit ihrer Ware informieren.“

„Innovationen sind Ideen, die unseren Kunden Nutzen bringen“, sagt Martin Kolbe, Chief Information Officer bei K+N. „Wir betreiben keine Grundlagenforschung, sondern verbessern ständig unsere Abläufe.“ Heraus kommen dabei zum Beispiel Sensoren an Transportbehältern für Impfstoff, die permanent die Temperatur im Innern überwachen, Drohnen, die nachts in den gigantischen Warenlagern von K+N Inventur machen. Oder eben der Seaexplorer.

Bei Kühne + Nagel dreht sich das meiste um Big Data

Was alle Projekte gemeinsam haben? „Sie müssen sich in unsere operative Plattform integrieren lassen“, sagt Kolbe. Dahinter verbirgt sich eine komplexe, selbst entwickelte Software, die von der Auftragsannahme bis zur Auslieferung sämtliche Prozessschritte abbildet.

Die meisten Innovationen des Frachtkonzerns drehen sich um Big Data: Für den Seaexplorer etwa bereitet K+N Abermillionen Zahlen und Informationen von Reedereien, Wetterdiensten und anderen Datenlieferanten auf. Zwei Innovationscenter, eins im niederländischen Utrecht, eins in Singapur, entwickeln Ideen, um Waren schneller zu kommissionieren oder Lager zu vernetzen. Ein bis zweimal pro Jahr treffen sich K+N-Mitarbeiter zu sogenannten Hackathons, bei denen sie Lösungen für Kundenprobleme ersinnen. „Ein großer Teil davon wird verworfen“, sagt Kolbe. Manchmal ist der Nutzen zu gering, manchmal ist der Markt einfach noch nicht so weit, etwa beim Thema Blockchain.

Selbst Innovationen, die es in die Praxis schaffen, sind meist nicht von Dauer. Die Drohnen etwa, die in zehn Metern Höhe Barcodes von Paletten scannen, seien zwar ziemlich gut, sagt Kolbe, „aber da fällt uns bestimmt bald noch etwas Besseres ein“.