KorruptionTransparency: Großbritannien mit schmutzigem Geld überschwemmt

In rund 400 Fälle von Korruption landeten die illegal erworbenen Gelder in den Händen britischer Firmen und Banken
In rund 400 Fälle von internationaler Korruption landeten die illegal erworbenen Gelder in den Händen britischer Firmen und BankenBild von Mayya666 auf Pixabay

400 Fälle internationaler Korruption und Geldwäsche, 412 Luxushäuser, drei Superjachten, sieben Privatjets und Großbritannien mittendrin: Was nach einem Krimi klingt, ist laut einem jüngsten Bericht von „Transparency International UK“ bittere Realität.

Der britische Ableger der internationalen Antikorruptionsorganisation veröffentlichte am Donnerstag seinen Bericht über die Verwicklung britischer Firmen in internationale Geldwäsche. Der Befund: Die veruntreuten Summen ließen sich in Großbritannien zu britischen 86 Banken, 81 Anwaltskanzleien und tausenden Firmen zurückverfolgen. Ein Gesamtschaden von umgerechnet 346 Mrd. Euro.

582 britische Firmen und Einzelpersonen beteiligt

Die Gelder aus Bestechung, Veruntreuung oder der widerrechtlichen Aneingnung von staatlichem Eigentum stammen dabei aus 116 Ländern weltweit. In mehr als 50 der untersuchten Fälle kamen das Geld aus Russland. Zwischen 31 und 49 der untersuchten Fälle von Korruption führen jeweils nach Nigeria, China und in die Ukraine.

In Großbritannien flossen die Finanzmittel an rund 582 Firmen und Individuen, die teilweise dabei halfen, die Summen anzulegen. Auch 17.000 Strohfirmen dienten dazu, illegale erhaltene Summen vor den Behörden zu verbergen. Neben Eigentum waren auch Luxusgüter in den untersuchten Fällen beliebt: Rund 118 Firmen für Luxuswaren wurden mit Geld aus Korruption bezahlt. Unter anderem flossen die Summen in einen Carat Diamantring, in sieben Luxus-Jets und drei Luxus-Jachten.

Immer wieder würde das Geld aber auch genutzt, um jungen Familienmitglieder Studienplätze an Elite-Schulen zu sichern, wie „Transparency International UK“ in dem Bericht belegt. Rund 177 Bildungseinrichtungen konnte die Organisation ermitteln.

Dazu gehört auch der Fall der Nichte von Syriens Machthaber Bashar al-Assad, die für ein Studium an die London School of Arts gekommen war. Im Mai beschlagnahmten britische Behörden umgerechnet 23.000 Euro der Absolventin, deren Familie mehrheitlich auf internationalen Sanktionenlisten steht.

Umgerechnet 289.000 Euro über britische Überseegebiete veruntreut

Ein weiterer Fall im Anti-Korruptions-Bericht ist Luca Filat, Sohn des ehemaligen moldauischen Premierministers Vladimir Filat. 2016 zog Luca Filat nach Großbritannien. Da saß sein Vater bereits ein Jahr wegen der Veruntreuung von etwa 900.000 Euro in Haft. In Knightsbridge kaufte Luca Filat ein Penthouse im Wert von umgerechnet 462.000 Euro – bar im Voraus. Auch ein Bentley Bentaya im Wert von umgerechnet 231.000 Euro gehört zum Besitz des 22-Jährigen. Das Geld bezog Filat dabei von Firmen aus der Türkei und den Kaimaninseln, bis Großbritanniens nationale Strafverfolgungsbehörde im Februar Filats Bankkonten einfror.

Erst im Dezember hatte „Transparency International UK“ ermittelt, dass umgerechnet 289.000 Euro über Firmen in den Britischen Überseegebieten an den  Behörden vorbeigeschleust würden. Auch im jüngsten Bericht lasse sich feststellen, dass korrupte Geldgeber immer wieder Kanäle nutzten, die weniger von Anti-Korruptionsmaßnahmen kontrolliert werden.

Transparency International macht seit 26 Jahren durch Kampagnen, Analysen und Berichte über die weltweite Korruption aufmerksam. Weltweit gliedert sich die Organisation dabei in mehr als 100 nationale Unterorganisationen.