Interview„Das Anti-Korruptionsdenken ist im Mainstream angekommen“

Transparency International-Gründer Peter Eigen mit seiner Frau Gesine Schwan bei einer Konferenz in Rio de Janeiro
Transparency International-Gründer Peter Eigen mit seiner Frau Gesine Schwan bei einer Konferenz in Rio de JaneiroFlickr


Peter Eigen, Gründer von Transparency International, sieht in vielen Teilen der Welt Fortschritte bei der Korruptionsbekämpfung. Doch selbst in westlichen Ländern, wie Deutschland, herrschen nach wie vor Probleme mit Intransparenz und Interessenskonflikten. Das NGO feiert dieses Jahr sein 25-jähriges Bestehen. Anlass für ein Resümee.


25 Jahre gibt es Transparency International nun. Was war damals ihr Antrieb als Sie die Organisation gegründet haben?

Peter Eigen: Ich war 25 Jahre für die Weltbank tätig unter anderem in Afrika und Lateinamerika, wo ich leitende Positionen innehatte. Dort ist mir das Ausmaß der Korruption vor Augen geführt worden, sodass ich eine Initiative innerhalb der Weltbank gegründet habe, um die dortige Bevölkerung vor Korruption zu schützen. Auf einer Konferenz in Swasiland habe ich dann eine Taskforce vorgeschlagen, die Unternehmen gegenseitig verpflichteten, sich nicht an Korruption zu beteiligen. Das kam zunächst gut an, doch als ich zurück nach Nairobi kam, rief mich die Rechtsabteilung der Weltbank an und sagte mir, ich könne dieses Projekt nicht weiter verfolgen, da es sich um eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der jeweiligen Länder handele.

… war das nur ein Vorwand?

Das sieht so aus. Später kriegte ich mit, dass einige Mitgliedstaaten der Weltbank die Korruption im Ausland erlaubt und sogar steuerlich absetzbar gemacht haben. Übrigens auch Deutschland.

Wie ging es dann weiter?

Ich habe nach dieser Zurechtweisung den Verantwortlichen mitgeteilt, dass ich fortan die Korruptionsbekämpfung in meiner Freizeit nach dem Feierabend voranbringen wolle. Das ging auch mit der gebildeten Taskforce drei bis vier Monate gut, bis ich einen Anruf des damaligen Präsidenten der Weltbank kriegte: Er verbot mir, weiter an meiner Idee zu arbeiten – auch nicht in meiner Freizeit. Er sagte, es sei peinlich für die Weltbank, wenn jemand romantisierende Ideen von Korruptionsbekämpfung hätte, und wenn das nicht aufhöre, müsse ich die Weltbank verlassen. Daraufhin bin ich gegangen.

Hatten Sie keine Bedenken einen gut bezahlten und sicheren Job aus diesen Gründen hinzuwerfen?

Für mich waren die Gründe schwerwiegend. Nicht nur die Summen, die durch Korruption fehlgeleitet werden, sind das Problem, sondern in erster Linie wirtschaftspolitische Entscheidungen, die durch Korruption in die falsche Richtung führen und sogar Projekte mit negativen Folgen für die Bevölkerung beschlussfähig machen. Das führte unter anderem zu Großprojekten, die niemand brauchte und zu teilweise exorbitanter Verschuldung.

Glauben Sie, dass es bei der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) heutzutage ähnlich abläuft?

Absolut nicht. Die GIZ, damals noch GTZ (Gesellschaft für technische Zusammenarbeit), war schon früher einer meiner größten Partner. Während viele damalige Politiker der Ansicht waren, Korruption sei ein notwendiges Mittel, um im Ausland an Aufträge zukommen, hat die GIZ schon früh jegliche Form von Korruption abgelehnt. Während andere Institutionen erst später vom Saulus zum Paulus geworden sind, wie der Währungsfonds oder die Weltbank.