Western von gesternKKR und die Bieterschlacht um Nabisco

Mythos der Wall Street: Henry Kravis
Mythos der Wall Street: Henry KravisJindrich Novotny

Es ist genau 17 Uhr, als am 30. November 1988 Henry Kravis eine neue Ära an der Wall Street einläutet. Der Mitbegründer der Private-Equity-Firma KKR – eines der K steht für Kravis – übernimmt nach einer brutalen Bieterschlacht den Tabak- und Lebensmittelkonzern RJR Nabisco, der sein Geld mit Oreo-Keksen, Ritz-Crackern und Camel-Zigaretten macht. Für unglaubliche 25 Mrd. Dollar.

Der Deal ist bis dahin der größte Übernahmecoup in den USA. Nabisco ist mehr als dreimal so groß wie alles, was Beteiligungsfirmen bislang gekauft haben. Kravis, ein 1,65 Meter kleiner Mann mit Jack-Nicholson-Gesicht, wird von den Finanzinvestoren an der Wall Street gefeiert und verehrt. Unternehmer fürchten dagegen die neue Aggressivität an den Märkten. Jeder von ihnen kann das nächste Opfer sein. Es ist der Beginn der goldenen Ära der Finanzjongleure. „Masters of the Universe“, Herren des Universums, werden sie ehrfürchtig genannt.

Ross Johnson dagegen, Chef von Nabisco, ist der Verlierer der Stunde. Der kanadische Geschäftsmann wollte selbst mit Partnern Nabisco für 17 Mrd. Dollar kaufen und von der Börse nehmen. Als Berater engagierte er Kravis. Doch die beiden Alphatiere zerstritten sich.

Kravis zog sich aber nicht einfach zurück. Vertraut mit den Interna gab er selbst ein Angebot für Nabisco ab: 20 Mrd. Dollar bot er. Es begannen zermürbende Wochen mit immer neuen Geboten. Johnson und Kravis, zwei Männer mit dicken Egos, trieben den Preis immer weiter in die Höhe. Das letzte Gebot sollten beide Parteien am 30. November 1988 abgeben. Punkt 17 Uhr.

Johnson sah schon wie der Sieger des Duells aus. Er bot 112 Dollar pro Aktie, Kravis nur 109. Aber der Verwaltungsrat gab KKR den Zuschlag. Das Angebot der Beteiligungsgesellschaft schien dem Gremium sicherer. Johnson hatte verloren und verließ wenig später den Konzern. 50 Mio. Dollar bekam er als Abfindung. Doch Kravis hatte gepokert. Als er die Unterschrift unter den 25-Mrd.-Dollar-Deal setzte, war die Finanzierung noch gar nicht sicher. Er bürdete Nabisco die Schulden für die eigene Übernahme auf. Fast wäre der Konzern unter der Last kollabiert.

Finanziell war der Nabisco-Deal für KKR eher ein Flop. Nach und nach mussten Teile des Konzerns verscherbelt werden – ohne nennenswerten Gewinn. Aber ein Mythos war geboren.