Innovativste Unternehmen

InnovationInsurtech Clark: „So viel wie möglich digital abwickeln“

Clark bündelt Versicherungen in einer App
Clark bündelt Versicherungen in einer AppPR


Deutschlands innovativste Unternehmen: Aus knapp 1800 Kandidaten haben Capital und Statista 442 Innovationstreiber herausgefiltert. In unserer Artikelserie stellen wir Ihnen eine Auswahl der ausgezeichneten Unternehmen vor. Die komplette Auswertung im Überblick zeigt unsere Infografik


Herr Oster, warum ist die Versicherungsbranche so resistent gegenüber Veränderungen?

Versicherungen sind kein Thema, mit dem sich Verbraucher gerne auseinandersetzen. Daher wechseln Kunden selten. Für die Anbieter bedeutet das kaum Innovationsdruck.

Wie sind Sie auf Ihre Geschäftsidee gekommen?

Als wir 2015 gestartet sind, hatte es 20 Jahre lang kaum Neuerungen im Versicherungsmarkt gegeben. Die einzige Ausnahme war Check24, die die Distribution verändert haben. Wir suchten aber einer echten Verbesserung für den Kunden. Drei Monate lang haben wir recherchiert und etwa junge Leute ausgefragt, was sie von Versicherungen erwarten.

Christopher Oster

Was kam heraus?

Die meisten wussten gar nicht, wo sie Versicherungen abschließen können: Der Makler der Eltern war zu weit weg, Check24 erschien vielen als unpersönlich. Wir bieten ein Hybridmodell aus einer App und Beratern, die der Kunde jederzeit anrufen kann. Wer uns mitteilt, was sich in seinem Leben ändert, bei dem prüfen wir permanent, was das für die Versicherungssituation bedeutet. Wir versuchen, so viel wie möglich digital abzuwickeln, auch Schäden.

Klingt bequem, aber nicht nach Raketenwissenschaft. Haben Sie sich mal gefragt, warum das noch keiner vor Ihnen gemacht hat?

Dauernd! Der Markt ist riesig, die Kunden sind tendenziell unzufrieden und es gibt keine digitalspezifischen Probleme wie etwa im Online-Handel, denken Sie an die Rücksendungen. Trotzdem haben wir gemerkt, dass es deutlich komplexer ist, im Netz Versicherungen zu vermitteln als Reisen oder Schuhe zu verkaufen.

Warum?

Einfachere Sachversicherungen wie Hausrat oder Haftpflicht können online und automatisiert abgebildet werden. Aber bei komplexen Produkten, etwa bei Altersvorsorge oder Berufsunfähigkeit, hat der Kunde häufig hohen Beratungsbedarf.

Gehen Sie mit Clark auch in anderen Bereichen neue Wege?

Ja, zum Beispiel bei der Bezahlung. Anders als bei selbstständigen Versicherungsvertretern bekommen unsere Berater ein Fixgehalt. Zusätzlich gibt es einen variablen Bestandteil, in den Faktoren wie Kundenzufriedenheit und auch Abschlüsse einfließen. Schließlich wollen wir möglichst vielen Kunden helfen.

Seit März gibt es Clark auch in Österreich. Wie lief die Expansion trotz Corona-Krise?

Die Resonanz der ersten Wochen im österreichischen Markt war sehr gut und lag sogar über unseren Erwartungen: Wir haben in kürzester Zeit bereits eine vierstellige Kundenbasis aufbauen können. Für uns ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass die Konsumenten auch über die Grenzen Deutschlands hinaus bereit für eine digitale Versicherungsexperience sind.

Wie hat sich das Geschäft in der Corona-Krise entwickelt?

Trotz Corona-Krise wachsen wir weiter und haben zum fünfjährigen Jubiläum von Clark einen besonderen Meilenstein erreicht: über eine Million Versicherungsverträge haben mehr als 200.000 Nutzer bislang mit unserer App digitalisiert oder neu abgeschlossen. Da unser Geschäft keine Abhängigkeiten von physischem Kundenkontakt hat, konnten wir in den vergangenen Wochen die Beratung, wie bislang, online und telefonisch weiterführen – auch aus dem Homeoffice heraus ohne Probleme. All unsere Mitarbeiter sind weiterhin voll beschäftigt und wir konnten seit März bereits 17 neue Mitarbeiter in unserem Team begrüßen.

 


Die Studie über die innovativsten deutschen Unternehmen ist in Capital 03/2020 erschienen. Wichtiger Hinweis: Die Untersuchung wurde vor Ausbruch der Corona-Pandemie durchgeführt. Zur Methodik: So wurden die innovativsten Unternehmen ermittelt
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