Versicherungen Worauf Sie bei Versicherungs-Apps achten müssen

Digitale Vertriebswege werden für Versicherungen immer wichtiger
Digitale Vertriebswege werden für Versicherungen immer wichtiger
© IMAGO / Panthermedia
Apps zur Verwaltung von Versicherungsverträgen versprechen ein Ende des lästigen Papierkrams und mehr Durchblick bei Policen. Doch viele der Anbieter sind in Wahrheit klassische Makler. Nutzer bekommen ständig neue Angebote – und die sind nicht immer gut

Der Sohn hat die Fensterscheibe des Nachbarn mit dem Fußball zerschossen – ein typischer Haftpflichtschaden. Nur wo sind bloß die Versicherungsunterlagen abgeblieben? Zuletzt waren sie doch in diesem braunen Umzugskarton unter der Treppe...Wem solch lästige Situationen bekannt vorkommen, der findet inzwischen ein breites Angebot an Versicherungs-Apps, die alte Policen digital und schön übersichtlich ordnen. So lautet zumindest das Versprechen der Anbieter. Doch Versicherungs-Apps eignen sich längst nicht für alle Nutzer.

Jeder zweite Verbraucher in Deutschland hat zumindest einmal in seinem Leben eine Online-Versicherung abgeschlossen. Das zeigen Daten des Digitalverbands Bitkom. Dabei bestehen deutliche Unterschiede zwischen den Altersgruppen. Während unter den 18- bis 64-Jährigen 57 Prozent mindestens einen Online-Vertrag besitzen, ist es unter den Senioren ab 65 Jahren nur jeder siebte (15 Prozent). Kfz-Haftpflicht- und Reiserücktrittsversicherung werden am häufigsten online abgeschlossen. Was die Bitkom-Studie auch zeigt: Das Smartphone entwickelt sich zunehmend zu einem zentralen Vertriebskanal. Zwar haben bislang nur sechs Prozent der Bundesbürger eine Versicherung über ihr Smartphone abgeschlossen, jeder Dritte (33 Prozent) kann es sich aber in Zukunft vorstellen.

Kunden schließen eine Makler-Vollmacht ab

Einer der prominentesten deutschen Versicherungsmanager ist das Unternehmen Clark mit Sitz in Frankfurt. Kunden können bestehende Versicherungsverträge in der App hochladen, die danach als digitale Dokumente zur Verfügung stehen. Rita Reichard, Rechtsanwältin der Verbraucherzentrale NRW, hält das grundsätzlich für einen sinnvollen Service: „Alle Verträge in einer App können den Verbrauchern helfen, einen besseren Überblick zu behalten.“ Allerdings sollten Nutzer sich genau informieren, bevor sie entsprechende Apps einsetzen.

Denn schon bei der erstmaligen Registrierung erhalten die Anwendungen weitreichende Befugnisse. Durch eine sogenannte Makler-Vollmacht hat der Anbieter Zugriff auf alle Vertragsdaten und kann im Namen des Nutzers Versicherungen kündigen oder gar neue abschließen. Was viele Nutzer dabei nicht wissen: Der bisherige, analoge Versicherungsmakler verliert in so einem Fall automatisch sein Mandat. „Vielen Kunden ist das nicht bewusst“, bestätigt Reichard. „Sie sind dann sehr überrascht, wenn ihr bisheriger Berater anruft und fragt, warum man denn gewechselt hat.“ Reichards Meinung nach verweisen die Apps viel zu undeutlich darauf, dass Kunden eine Makler-Vollmacht abschließen.

Die Makler-Vollmacht ist entscheidend für den Erfolg der Apps. Denn nur damit dürfen die digitalen Versicherungsmanager beraten und auf neue Policen aufmerksam machen. Wie bei Offline-Maklern verdienen die Apps Geld über Provisionen beim Abschluss neuer Verträge. Die App vergleicht dazu die jetzige Versicherung regelmäßig mit anderen Angeboten und weist Kunden auf preisgünstigere Alternativen hin. Die Verbraucherschützerin betrachtet einen solchen Vergleich positiv, sofern auch die individuelle Situation des Versicherten ausreichend einbezogen wird: „Verbraucher sitzen oft zu lange auf zu teuren Versicherungen und vergleichen zu selten.“ Aber es gibt auch einen Haken: Versicherungs-Apps vergleichen nämlich immer nur aus dem Pool von Versicherungen, die sie selbst vertreiben. Die App prüft also keineswegs alle verfügbaren Versicherungen am Markt.

Beratungsleistung der App-Makler ist oft ungenügend

Fraglich ist auch, wie gut der digitale Makler Kunden berät. Traditionelle Versicherungsvertreter kennen ihre Kunden oft gut, wissen, wogegen sie sich absichern möchten und sind dafür verantwortlich, dass Versicherte nicht über- oder unterversichert sind. Die Stiftung Warentest hat verschiedene Versicherungs-Apps verglichen und festgestellt: Die Beratungsleistung der App-Makler ist oft ungenügend. Nur zwei Versicherungs-Apps benotete die Verbraucherorganisation mit der Note „befriedigend“.

Eine Alternative bieten Makler-Apps, bei denen die Nutzer selbst entscheiden können, für welche Versicherungen sie Makleraufträge abschließen möchten. Bei manchen Apps im Markt wie beispielsweise feelix können Versicherte ihre Verträge auch ganz ohne Maklervertrag hochladen und digital verwalten. So kommen sie in den Genuss der digitalen Vertragsverwaltung, ganz ohne Vertriebsmaschinerie. „Das bietet eine gute Möglichkeit für Verbraucher, erstmalig auszuprobieren, ob die digitale Vertragsverwaltung für sie in Frage kommt“, sagt Reichard.

Icon1

Kennen Sie schon unseren Newsletter „Die Woche“ ? Jeden Freitag in ihrem Postfach – wenn Sie wollen. Hier können Sie sich anmelden


Mehr zum Thema



Neueste Artikel