Exklusiv Zoff bei Start-up-Hoffnung Gropyus

Ein Bauprojekt von Gropyus.
Ein Bauprojekt von Gropyus.
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Zwei prominente Mitstreiter verlassen den Fertighausbauer Gropyus, im Hintergrund gab es Streit. Dessen ungeachtet erhält das Start-up eine weitere hohe Millionenfinanzierung

Eines der ambitioniertesten Start­-up-Projekte des Landes kämpft mit Problemen: Beim deutsch-österreichischen Fertighausbauer Gropyus hat sich das Gründerteam zerstritten, eine Schlüsselfigur ist ausgeschieden. Trotzdem konnte die Firma, die sich noch in der Entwicklungsphase befindet, neues Kapital einsammeln. Die Rede ist von mindestens 70  Mio. Euro. Eingestiegen sind zwei schillernde Investoren: Christian Angermayer und Rolf Elgeti. Das geht aus dem Unternehmensumfeld und öffentlichen Dokumenten hervor.

Hinter Gropyus standen bisher mehrere prominente Köpfe der Tech­szene, allen voran Markus Fuhrmann und Florian Fritsch. Fuhrmann baute einst den heutigen Berliner Dax-Konzern Delivery Hero mit auf, während sein Kompagnon Fritsch Finanzier des Essenslieferdienstes war und außerdem an dem Unternehmensverkauf des IoT-Start-ups Relayr Geld verdiente. 2020 kaufte er sich bei der insolventen indischen Airline Jet Airways ein, das Gebot soll bei umgerechnet 100 Mio. Dollar gelegen haben.

Die neue Capital erscheint am 20. Januar
Die neue Capital erscheint am 20. Januar

2019 schoben Fuhrmann und Fritsch gemeinsam Gropyus an, mit der Idee, Fertighäuser zu entwickeln, sie mit Technologie auszustatten und schließlich zu vermieten. Die Ambitionen waren groß. „So wie bei einem Tesla, bei dem man sich die eigene Spotify-App auf den Bordcomputer spielen kann, werden auch unsere Mieter über ein Betriebssystem verfügen“, träumte Fritsch gegenüber dem Magazin „ Forbes “. Bei Gropyus gehe es um die „Modernisierung und Digitalisierung einer ganzen Branche“, verkündete Fritsch in einem anderen Interview .

Laut Unterlagen flossen 2020 –  ein Jahr nach Gründung –  knapp 40 Mio. Euro in das Unternehmen. Beteiligt hatte sich auch der österreichische ÖVP-Politiker Harald Mahrer, seit 2018 in Personalunion Präsident der Nationalbank und der Wirtschaftskammer Österreich. Er halte Gropyus für eine „einzigartige Kombination aus hoch erfahrenen Unternehmern, Weltklasseteam und genialer Geschäftsidee“.

Doch auch in einem Weltklasseteam knirscht es manchmal. Bei dem Start-up traten im vergangenen Herbst Differenzen auf. Und es knirschte nicht nur, es kam zum Bruch.

Der Streit zieht Kreise

Obwohl er nur Wochen zuvor davon gesprochen hatte , dass Gropyus für ihn „ein Zehn-Jahre-Ding“ sei, legte Mitgründer Fritsch Ende Oktober seinen Posten als Vorsitzender des Aufsichtsrats mit sofortiger Wirkung nieder. Offiziell heißt es gegenüber Capital, Fritsch wolle sich „verstärkt familiären sowie weiteren Projekten im Bereich Enviromental, Social & Governance widmen“. Doch von Personen aus dem Firmenumfeld ist von einem heftigen Streit zu hören. Fritsch sollte demnach Bauland für Gropyus akquirieren, doch das Management sei mit seiner Arbeit nicht zufrieden gewesen sein, heißt es.

Ein besonderer Grundstücksdeal kam derweil zustande. Laut einem Sitzungsprotokoll des Aufsichtsrates verkaufte Fritsch ein ihm gehörendes Grundstück in der Nähe von Koblenz zu einem Preis zwischen 8 und 10 Mio. Euro an Gropyus. Ob der Deal ursächlich war für den Streit? Die Firma verneint.

Der Disput scheint aber Kreise gezogen zu haben. So verließ ein weiterer prominenter Kopf den Aufsichtsrat. Gisbert Rühl, ehemaliger CEO des Industriekonzerns Klöckner, verabschiedete sich nach wenigen Wochen schon wieder aus dem Gremium. Der Manager ist ein Geschäftspartner von Fritsch, zusammen haben sie an der Frankfurter Börse einen SPAC aufgelegt: die Börsenhülle GFJ ESG Akquisition, die nach nachhaltigen Unternehmen sucht, um sie an die Börse zu bringen. Rühl sei wegen eines „Interessenskonfliktes“ ausgeschieden, teilt ein Sprecher des Managers mit. Worin dieser Interessenskonflikt besteht, bleibt offen.

Frisches Geld

Trotz des Umbruchs gelang es dem Start-up bereits Ende des vergangenen Jahres neues Geld einzuwerben. Es soll sich um eine Summe zwischen 70 und 90 Mio. Euro gehandelt haben, bei einem Firmenwert von rund 350 Mio. Euro, heißt es aus dem Firmenumfeld. Viel Geld für ein Unternehmen in einer so frühen Entwicklungsphase. Gropyus will die Zahlen nicht kommentieren.

Aus der Liste der frischen Geldgeber stechen zwei Namen besonders hervor: Der deutsche Investor Christian Angermayer hat mit seinem Family Office den größten Teil der Finanzierung gestemmt. Er baute zuletzt die Biotech-Firma Atai mit auf, die Drogen für therapeutische Zwecke einsetzen will. Auch bei dem Krypto-Mining-Anbieter Northern Data ist er investiert und rührt die Werbetrommel –  während das Unternehmen zuletzt massiv hinter seinen eigenen Ankündigungen zurückblieb. Mit Rolf Elgeti ist außerdem ein bekannter Immobilienunternehmer an Bord.

Im ersten Quartal will Gropyus das erste Gebäude fertigstellen. Innerhalb von zwei Jahren habe das Start-up, das nach Bauhaus-Gründer Walter Gropius benannt ist, eine eigene Fabrik übernommen und umgebaut, um dort ein Hochhaus nach deutschen Normen zu bauen, darauf sei man stolz, so das Unternehmen. „Selbst Tesla hat für diese Milestones ein Vielfaches an Zeit und Kapital benötigt“, schreibt ein Sprecher.


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