Immobilien Projekt Hausbau: Massiv- oder Fertighaus?

Bau eines Fertighauses in Bayern
Welcher Haustyp passt zu mir? Bau eines Fertighauses in Bayern
© IMAGO / Rolf Poss
Wer ein Haus bauen möchte, hat viele Möglichkeiten: Im physischen Alleingang, mit partieller Beteiligung oder komplett durch fremde Hand. Auf welche Vor- und Nachteile Bauherren achten sollten.

Massiv oder Fertig? Das ist eine Frage, die sich viele Häuslebauer in spe stellen. Während das Fertighaus früher nur in einfacher Ausstattung auf den Markt kam, dafür aber beim Preis und der Bauzeit punktete, überzeugte das Massivhaus vor allem durch seine hochwertige Bauweise und Individualität. Zwar stimmen diese Punkte in der Tendenz noch immer. Allerdings ist das Angebot für beide Haustypen deutlich größer und vielfältiger geworden. Damit schwinden ihre Unterschiede. Die Palette reicht vom Tiny House bis zur mehrgeschossigen Luxus-Villa. Das macht es für künftige Immobilienbesitzer umso wichtiger, sich vorab über das passende Modell zu informieren.

Wer sich für ein Fertighaus interessiert, wird bei Anbietern wie Viebrockhaus, Kampa, Dennert Massivhaus und Massa fündig. Ein Vorteil: Die fertigen Modelle lassen sich in einem Musterhauspark vorab besichtigen und manchmal ist sogar ein Probe-Wohnen möglich. Zudem ist der Hausbau wetterunabhängig, weil die einzelnen Teile in Lagerhallen gefertigt und dann nur noch zusammengesetzt werden müssen. Das verkürzt die Bauzeit und spart Handwerker – zumindest bei Serienmodellen. Allerdings stellen die sogenannten Typenhäuser nur noch ein Drittel aller Fertighäuser.

Insgesamt stehen drei verschiedene Fertig-Optionen zur Auswahl: das schlüsselfertige-, das Ausbau- und das Bausatz-Haus. Wer handwerklich unbegabt ist, sollte die schlüsselfertige Variante wählen. Bei den anderen beiden werden Eigenleistungen vorausgesetzt, wobei diese sich mitunter bis auf den Rohbau erstrecken können.

Steigende Fehleranfälligkeit

Ebenfalls gut zu wissen: Der Begriff „bauseitige Leistungen“ bezeichnet alle Arbeiten, die zwar zum Haus gehören, aber vom Bauherrn zu tragen sind, wie beispielsweise ein Erdaushub oder die Bodenplatte. Zwar können Bauherren diese Arbeiten an Fremdfirmen übergeben und gegenüber der schlüsselfertigen Variante immer noch Kosten sparen. Das Problem bei Zusatzarbeiten durch Fremdfirmen: Sie liegen nicht im Verantwortungsbereich der Fertighausfirma, was die Haftungsfrage bei Mängeln verkomplizieren kann. Je mehr unterschiedliche Handwerker involviert sind, umso schwieriger kann die Nachweispflicht werden.

Und Mängel treten beim Hausbau häufiger auf als man denkt. Laut einer Studie des Instituts für Bauforschung (IFB) weisen drei Viertel aller privaten Neubauvorhaben Mängel in der Gewährleistungszeit auf. Das hängt auch mit den immer komplexeren Bau- und Technikteilen zusammen, meint Florian Becker, Geschäftsführer des Bauherren-Schutzbunds (BSB), der die Studie in Auftrag gegeben hat: „Bauen wird insgesamt immer anspruchsvoller. Dadurch steigt auch die Fehleranfälligkeit.“

Ungeachtet aller Herausforderungen und Risiken, mit denen sich Bauherren auf ihrem Weg zu ihrer Traum-Immobilie konfrontiert sehen: Was am Ende zählt, ist das fertige Objekt und dessen Optik, Ausstattung und Design – und das ist letztlich eine Geschmacksfrage. Wer beim Haus großen Wert auf eine möglichst persönliche Note legt, ist mit einem Massivhaus in der Regel besser bedient als mit einem Fertighaus.

„Von unten nach oben planen“

Zwar lassen sich Fertighäuser immer individueller gestalten und haben mitunter vorgefertigte Elemente in Massivbauweise, wie Wände aus Ziegel, Stahl- oder Leichtbeton. Doch bei einem Massivhaus können Bauherren noch deutlich mehr Einfluss auf einzelne Details ausüben und Aufträge bei Bedarf an unterschiedliche Gewerke vergeben. Theoretisch sind hier nur wenig Grenzen gesetzt – aber natürlich mit entsprechenden Kosten. Während es Fertigteilhäuser schon ab 1000 Euro pro Quadratmeter gibt (je nach Ausstattungsvariante), liegt der Quadratmeterpreis für die massive Variante bei rund 2000 Euro.

Bauherren von Massivhäusern können ihre Kosten reduzieren, indem sie sich im Rahmen einer sogenannten Muskelhypothek aktiv am Bauprozess beteiligen. Für viele ist dies ein klarer Vorteil gegenüber der Fertighaus-Variante. Zudem punkten Massivhäuser auch mit einer höheren Lebenszeit und Wertigkeit – finanziell, aber auch im Sinne von Schallschutz, Wärmedämmung und Wohnklima.

Beide Haustypen haben ihre Vor- und Nachteile, die zukünftige Bauherren in Ruhe gegeneinander abwägen sollten. Mit der goldenen Regel vor Augen: „Von unten nach oben planen“ – denn Bewohnbarkeit geht vor Luxus.


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