HausbauMuskelhypothek: mit Eigenleistung zum günstigen Baukredit

Wer selbst mit anpackt, bekommt günstigere Kreditkonditionenimago images / Westend61

Viele Bauherren legen selbst Hand an oder haben Freunde und Familie, die auf der Baustelle mithelfen. Dadurch lässt sich nicht nur ein Teil der Kosten für die Handwerker sparen. Selbst anzupacken senkt auch die Höhe des Kredits, den die meisten Bauherren aufnehmen müssen, um sich den Traum vom Eigenheim leisten zu können. Viele Banken erkennen die Eigenleistung außerdem als Eigenkapitalersatz an. Sie verbessert also nicht nur die Kreditkonditionen, sondern kann auch Menschen zu einem Kredit verhelfen, die die geforderte Eigenkapitalquote eigentlich nicht vorweisen können. In der Branche hat sich für dieses Modell der Name „Muskelhypothek“ etabliert.

Bei einem Kredit in Höhe von 282.000 Euro machen sich 20.000 Euro Eigenleistung deutlich bemerkbar, zeigt eine Musterrechnung des Baufinanzierungsvermittlers Dr. Klein. Demnach reduziert sich nicht nur die Kreditsumme auf 262.000 Euro, auch der Zinssatz sinkt von 1,49 auf 1,11 Prozent. Ebenso die monatliche Rate: Statt 820,15 Euro müssen Bauherren bei einer Zinsbindung von 15 Jahren nur noch 679,02 Euro monatlich zahlen. Wer früher schuldenfrei sein will, kann also bei gleicher Rate die Laufzeit verkürzen.

In der Regel können Bauherren laut Dr. Klein einen Beitrag zwischen 15.000 und 30.000 Euro als Muskelhypothek absetzen. Sie müssen sich aber bewusst sein, dass ein Hausbau keine Sache von zwei Wochenenden ist. 30.000 Euro Eigenleistung entsprechen rund tausend Stunden Arbeit. „Das sind 125 Acht-Stunden-Tage, die Kreditnehmer tatsächlich auf dem Bau leisten müssen“, warnt Michael Keller, Spezialist für Baufinanzierung bei Dr. Klein. Feierabende, Wochenenden und Jahresurlaube gehen für die Arbeit am Bau drauf – die Belastung ist enorm.

Bei der Muskelhypothek den Versicherungsschutz nicht vergessen

Hinzu kommt: Nicht jede Aufgabe ist dazu geeignet, dass Bauherren sie selbst übernehmen. Zeitintensive, einfache Arbeiten mit wenig Materialaufwand lassen sich meist noch gut von Laien erledigen. Dazu zählen etwa Malerarbeiten, Böden verlegen oder das Gestalten von Außenanlagen. Bei schwierigeren Tätigkeiten wie Dachdecken oder Elektrik- und Heizungsarbeiten sieht es anders aus. Wollen Bauherren hier selbst aktiv werden, müssen sie in der Regel eine Qualifikation nachweisen, damit die Bank ihre Muskelhypothek anerkennt. Das kann eine Anstellung in einem Handwerksbetrieb oder auch ein Ausbildungsschein sein. Gleiches gilt, wenn Familie oder Freunde eingeplant werden: Auch sie müssen nachweisen, dass sie über die nötigen Qualifikationen verfügen. „Man muss immer rechnen, ob sich der Aufwand lohnt“, sagt Keller. Denn neben der reinen Arbeitszeit muss man auch die Kosten für Baumaterial und Werkzeug einkalkulieren. Mitunter ist es günstiger, Profis zu beauftragen.

Wer die Muskel-Option zieht, sollte zudem auf einen guten Versicherungsschutz achten. Bauherrenhaftpflicht- und Bauleistungsversicherung sind Pflicht, diese Policen müssen Bauherren grundsätzlich beim Hausbau abschließen. Bei einer Muskelhypothek sollten sie zusätzlich aber auch ihre Helfer absichern und diese bei der Berufsgenossenschaft anmelden. Sonst können Arbeitsunfälle sehr teuer werden.

Problematisch sind auch mögliche Folgeschäden. Wenn ein Haus brennt, greift normalerweise die Wohngebäudeversicherung des Besitzers, je nach Art des Schadens auch die Hausratpolice. Ist die Brandursache ein falsch gelegtes Kabel, muss die Versicherung des Handwerkers, der es verlegt hat, zahlen. Anders sieht es aus, wenn der Hausbauer das Kabel selbst verlegt hat. Dann kann es sein, dass sich der Versicherer weigert, zu zahlen. Um das zu vermeiden, können Bauherren ihre Arbeit von einem Profi abnehmen lassen. Den müssen sie dann aber auch bezahlen. Es ist zudem gar nicht so einfach, jemand zu finden, der Verantwortung für die Arbeit eines Laien übernehmen will. Keller rät deshalb dazu, sämtliche Arbeiten, die teure Folgeschäden nach sich ziehen können, in die Hände von Fachleuten zu legen und nur ungefährliche Arbeiten selbst zu übernehmen.

 


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