VermögenGlobal Wealth Report: mehr Millionäre und mehr Ungleichheit

Luxusyachten im Hafen von St. TropezIMAGO / Travel-Stock-Image

Im Jahr der Corona-Pandemie ist das weltweite Vermögen privater Haushalte trotz Wirtschaftskrise um 7,4 Prozent auf 418 Billionen Dollar gestiegen, hat die Schweizer Bank Credit Suisse in ihrem „Global Wealth Report 2021“ berechnet. Das entspricht einem Plus von 28,7 Billionen Dollar.

Rund 56 Millionen Menschen weltweit besaßen Ende letzten Jahres mehr als 1 Mio. Dollar, 5,2 Millionen mehr als noch im Jahr zuvor. Vor allem in den USA und Deutschland ist die Zahl der Millionäre gewachsen. Fast 22 Millionen leben in den USA, im vergangenen Jahr sind 1,7 Millionen hinzugekommen. Deutschland zählt 2,95 Millionen Millionäre, 633.000 mehr als vor der Pandemie.

Diese Entwicklung zeigt, dass vor allem in Ländern, wo die Notenbanken und Regierungen Maßnahmen ergriffen haben, um die Folgen der Pandemie einzudämmen, die Vermögen gestiegen sind. Nannette Hechler-Fayd’herbe, Leiterin Economics & Research bei der Credit Suisse sieht die Zinssenkungen der Zentralbanken als Hauptursache. „Sie ist einer der Hauptgründe für den Anstieg der Aktienkurse und Immobilienpreise.“ Und davon profitieren vor allem deren wohlhabenden Besitzer.

Konsumausfall und Aktienhausse

In den USA ganz besonders, wo viele Menschen einen hohen Anteil ihres Vermögens in Aktien halten. Dass die Kurse der dort dominierenden Tech-Unternehmen in der Krise besonders stark zugelegt haben, habe das Vermögenswachstum dort stärker als anderswo angeschoben, sagte Hechler-Fayd’herbe.

Ein weiterer Grund für die neu angehäuften Reichtümer ist der Konsumausfall. Weil viele Menschen während der Pandemie weniger Geld ausgaben, haben sie laut Credit Suisse nun schlicht mehr.

Von dieser Entwicklung ausgeschlossen sind jedoch Entwicklungsländer wie etwa in Lateinamerika und Indien. Dort sind die Gesamtvermögen gesunken, in Lateinamerika sogar um über zehn Prozent. In Afrika blieben die Vermögen unverändert. „Es gibt eine Art Diskrepanz zwischen dem, was mit den breiteren Volkswirtschaften passiert ist – die in ernsthaften Schwierigkeiten steckten und eine Menge staatlicher Interventionen erforderten – und dem, was mit dem Vermögen der privaten Haushalte passiert ist, das einfach weitergelaufen zu sein scheint, als ob nichts passiert wäre“, sagte Anthony Shorroks, Studienautor und Ökonom an der Universität Manchester.

Zum ersten Mal seit Jahren stieg der Gini-Koeffizient, der die Schere zwischen Arm und Reich bemisst, wieder leicht. Ein Trend der anhalten dürfte: Die Studienautoren gehen davon aus, dass sich auch in den kommenden Jahren das Vermögen der Reicher schneller als das des  Durchschnitts entwickeln wird.

 


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