KolumneDas sind die fünf wichtigsten Tech-Trends 2018

Marin Kaelble
Marin KaelbleGene Glover

#1 EdTech

Die größte Internet-Firma im Jahr 2030 wird eine Online-Schule sein – das ist die Prognose des bekannten Zukunftsforschers Thomas Frey. Tatsächlich beginnt EdTech derzeit immer interessanter für Investoren zu sein. Achtung: Hier geht es um „Ed“ wie Education, nicht um „Ad“ wie Advertising. Während im AdTech-Bereich hierzulande schon einige Start-ups entstanden sind und gutes Geld verdient wird, ist EdTech bislang an Deutschland etwas vorbei gegangen. Was vielleicht auch daran liegt, dass im EdTech viele Geschäftsmodelle zunächst kaum oder keine Revenue vorweisen und das dann für deutsche Investoren traditionell zu riskant erscheint. Das ist schade. Denn im Bereich Bildung liegen gigantische Potenziale. Man betrachte nur die drei speziellen Zutaten dieses Marktes: Gigantische Wachstumspotenziale, getrieben durch Afrika und Asien, deren junge Bevölkerung in den kommenden Jahren Zugang zu Bildung händeringend braucht. Der globalen Entwicklung hin zu einer wissensbasierten Gesellschaft und Wirtschaft. Sowie der Stärke von aus Europa und den USA als Absender von Bildungsmarken, deren Qualität und Strahlkraft nicht so schnell zu kopieren ist. Beim Blick auf die Liste der globalen Unicorns fällt auf, dass viele der Neuzugänge 2017 EdTech-Start-ups sind. Doch sie kommen aus den USA, Indien und Asien, leider kaum aus Europa.

#2 Neue Mobilität

„Autonomes Fahren“, „Autonomes Fliegen“, „E-Mobilität“ und „Mobilitätskonzepte“ generell – hier steckt in den kommenden Jahren so viel Potenzial für gigantische Innovationen, die unser Leben verändern. Wenig überraschend, aber äußerst relevant. Interessant dabei ist: Dieser Markt ist nicht nur etwas für die großen Tech-Firmen wie Google oder Apple beziehungsweise die großen Autofirmen wie BMW oder Daimler. Und auch die bereits in diesem Bereich entstandenen neuen Tech-Mächte wie Uber oder Tesla lassen noch Platz für Start-ups, die hier entstehen, fokussiert auf spezielle technische Lösungen, die dann gerne von den Großen nach einigen Jahren aufgekauft werden. Perfekte Zutaten für ein blühendes Tech-Ökosystem also. Und mit Israel hat dieses Start-up-System sogar eine territoriale Heimat, wo dieser Nährboden perfekt funktioniert. Doch auch Deutschland kann hier – wenig verwunderlich – durchaus mithalten.

#3 FoodTech

Ernährung ist ein gesellschaftliches Mega-Thema der entwickelten Welt – und tragischerweise ein existenzielles Thema in den unterentwickelten Regionen. Die Disruption der etablierten Nahrungsmittelindustrie auf der einen, sowie dringende Innovationen zur Sicherstellung der Nahrungsmittelversorgung der rasant wachsenden Weltbevölkerung sind daher zwei große Herausforderungen der nächsten Jahre und Jahrzehnte. Foodtech gilt daher als eines der Lieblings-Investment-Themen vieler Silicon Valley Größen. Und im Valley gibt es bereits eine ganze Reihe von Start-ups in diesem Bereich. Ähnlich wie bei EdTech könnte in Deutschland hier hingegen ein bißchen mehr passieren.

#4 HealthTech

Noch ein Bereich mit gigantischem Impact, in dem die Digitalisierung sich – im wahrsten Sinne des Wortes – zu einem existenziellen Gamechanger entwickelt. Speziell was hier Künstliche Intelligenz an neuen Möglichkeiten schafft, in der Bekämpfung von Krankheiten zum Beispiel aber auch bei OPs und medizinischen Eingriffen. Ob DNA-Datenanalysen und andere Big Data Anwendungen, Telemedizin-Apps oder Wearables – hier entstehen so viele substanzielle kleine und große technologische Revolutionen, dass man diesen Bereich unbedingt im Blick behalten sollte. Und in diesem Markt kann Deutschland erfreulicherweise global durchaus mithalten bei den Innovationen.

#5 Künstliche Intelligenz

Zu guter Letzt darf dieses Thema natürlich nicht fehlen: Das größte Buzzword und zugleich die wichtigste technologische Entwicklung derzeit – „KI“ oder „AI“ wird die nächste große Ära der Digitalisierung markieren. Doch man muss schon genau hinschauen – denn nicht alles, wo derzeit „KI“ drauf steht, ist auch wirklich künstlich intelligent. Das Besondere in dieser Phase: Anders als in der Ära des Social Web oder in der des Mobile Web, könnte diese Phase nicht so sehr von Start-ups geprägt werden, die durch die neue Technologie groß werden (so wie Facebook oder Uber). Sondern diese Ära könnte zunächst eher durch die bereits etablierten Tech-Player wie Google und Amazon selbst gestaltet werden. Das liegt schon allein an der enormen Programmierer-Expertise und vor allem den gigantischen Datenmengen die KI benötigt – was eine enorme Eintrittshürde für junge Firmen darstellt, die Anwendungen in diesem Bereich entwickeln wollen. Das könnte auch die Dynamik des großen Start-up-Hypes unserer Zeit verändern. Spannende Start-ups sprießen womöglich erst wieder, wenn KI als Infrastruktur bereits etabliert und zu einer gewöhnlichen „Commodity“ geworden ist, von den großen Playern Anwendungen geöffnet werden und Dienste und Produkte entstehen, die erst durch KI möglich sind. Bis dahin könnte die Start-up-Euphorie nach vielen Jahren vorübergehend ein wenig abebben. Gäbe es da nicht noch die vier anderen spannenden Tech-Innovationsfelder.