KommentarDas Märchen von der Buffett-Insel

Insel in der Ägäis
Insel in der Ägäis: Für 15 Mio. Euro soll sich US-Milliardär Warren Buffett eine solches Eiland gekauft haben. Doch die Meldungen sind falsch

Natürlich hat diese Geschichten alle Zutaten für einen Knüller, eine „Klicksau“, wie es im Jargon von Onlinemedien heißt: Ein US-Großinvestor, klamme Griechen, eine Insel in der Ägäis, Zwangsprivatisierungen, während viele Griechen hungern und sich keine Medikamente leisten können. Und so wundert es auch nicht, dass die Nachricht von Warren Buffett, der sich für 15 Mio. Euro eine Insel in der Ägäis gekauft hat, seit dem Wochenende die Runde machte und es in einigen Zeitungen bis auf die Titelseite geschafft hat. Und eine entsprechende Welle der Empörung lostrat.

Die Geschichte hat leider einen Haken: Sie stimmt nicht. Warren Buffett ließ sie in der Nacht auf Dienstag in jener Zeitung dementieren, die er 2011 gekauft hat, dem Omaha World Herald. In Umlauf gebracht wurde sie von einem Immobilienunternehmen namens Proto Organization, die schon seit Jahren nicht müde wird, sich fortlaufend als Dienstleister für den Kauf von Luxusimmobilien bei Madonna, Justin Bieber, Leonardo di Caprio oder Leo Messi ins Gespräch zu bringen.

Was wiederum an sich gar nicht so überraschend ist: Stets vom Interesse irgendwelcher Prominente an Luxusimmobilien zu schwadronieren, ist eine typische PR-Masche der Branche, zu der auch die ganzen unbestätigten und munter aufgegriffenen Gerüchte passen, auch andere Prominente wie Brad Pitt oder Johnny Depp seien an einem Inselkauf interessiert.

Ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl

Es ist nicht die einzige Merkwürdigkeit in diesem Fall. Baumlose Steinhaufen oder Strom und Wasser im Meer gehörten bislang nicht zum typischen Beuteschema Warren Buffetts, was womöglich schon etwas früher hätte auffallen können.

Und: Die entsprechende Insel – Agios Thomas – ist keinesfalls in Staatsbesitz, sondern wird von privat verkauft. Beziehungsweise: Soll verkauft werden, denn auf dem Markt ist sie schon seit 2011. Nur dass sie seinerzeit noch 10 Mio. Euro kosten sollte, wie aus dieser Internetseite hervorgeht. Das war wohlgemerkt schon vor einer Rezession, die in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte Europas ihresgleichen sucht und vor der Einführung von Kapitalverkehrskontrollen.

Nun könnte man dies als typischen Promi-Gossip abtun. Der Fall zeigt aber, dass eine verbale Abrüstung Not tut, weil derartige Meldungen wie der Kauf einer Insel durch einen US-Großinvestor Ressentiments schüren und entscheidend zur Meinungsbildung in Sachen Griechenlandkrise beitragen. Das erfordert entsprechende Vorsicht von allen Beteiligten in der Debatte, in der inzwischen keine Vereinfachung mehr zu platt zu sein scheint.