KolumneBush, Obama, Trump - das Präsidentenpech der Amerikaner

Christoph Bruns
Christoph BrunsLyndon French

Einen Philosophenkönig, wie ihn Platon sich dachte, gibt es nicht. Auch der Preußenkönig Friedrich II., den wir auch Friedrich den Großen nennen, war dergleichen nicht. Einen anderen Weg wollten die Vereinigten Staaten von Amerika gehen. An die Stelle aristokratischer Führerdynastien sollten vom Volk gewählte Präsidenten treten. Mehr noch, der erste Präsident der USA George Washington, dem man die Königswürde antrug, schlug diese mit Hinweis auf den amerikanischen Geist aus. Auf ihn geht die Amtszeitbegrenzung für US-Präsidenten von zwei Legislaturperioden zurück – ein Schritt, der sich als hochgradig weise erwiesen hat.

Mit ihren Präsidenten hatten die Amerikaner aber nicht immer ein glückliches Händchen. An den letzten drei Staatslenkern kann man die Malaise paradigmatisch studieren. George W. Bush wurde im Jahr 2000 zum Präsidenten gewählt. Politisch war er eine telegene Marionette – die Macher: Dick Cheney, Donald Rumsfeld und John Ashcroft. Man sprach von den Neokonservativen, zu denen auch Paul Wolfowitz und Karl Rove gehörten. Prägend für Bushs Präsidentschaft waren die Terroranschläge des 11. September 2001 und die Subprimekrise ab dem Jahr 2007. Als er aus dem Amt schied, hinterließ der dem Land zwei offene Kriege, eine Weltfinanzkrise und einen riesigen Schuldenberg.

Abgelöst wurde er vom ersten afroamerikanischen Präsidenten Barack Obama. Selbiger stellte ein politisches Kontrastprogramm zu Bush dar. Als begnadeter Redner, basierend auf einem guten Bildungsfundament, wusste er rasch die Herzen und Zustimmung vieler seiner Landsleute zu gewinnen. Der Friedensnobelpreis wurde ihm quasi zum Amtsantritt durch das Nobelkomitee verliehen. In der Praxis des Regierens erwies sich Obama jedoch als ineffektiv, wozu gewiss die republikanische Fundamentalopposition das ihrige beitrug. Der Weiterbetrieb des Foltergefängnisses ‚Guantanamo Bay‘ steht symbolisch für das Nichterreichen vieler hehrer Ziele. Per Saldo ist Obama wenig Großes gelungen und man wird ihn eher als Gentleman und großartigen Redner denn als herausragenden Präsidenten in Erinnerung halten.

Mit Donald Trump wurde dann im Herbst 2016 ein völlig anderes Kaliber ins Weiße Haus gewählt. Der schillernde Immobilienmogul ist ein talentierter Selbstdarsteller, Medienliebling und Nationalist. Achtung vor dem Gesetz, der Wahrheit, Verträgen oder sonstigen Traditionen und Gepflogenheiten sind ihm weitgehend fremd. Seit seiner Inauguration im Januar 2017 dreht sich alles nur noch um ihn. Trump ist selbstherrlich, aber authentisch und verhält sich im Amt nicht anders, als er es in seiner Reality-TV Serie „The Apprentice“ mit Erfolg getan hat. In rascher Folge bringt er Freunde und Familienmitglieder ins Weiße Haus und feuert missliebige Schranzen ad libitum. Beleidigungen und Verleumdungen – und zwar von Freund und Feind gleichermaßen – gehören ebenso zur aktuellen Tagesordnung in Washington wie mehr oder minder kluge ‚Deals‘, dem Lieblingswort des narzisstischen Präsidenten.

Ohne Zweifel hat der 45. Präsident der Vereinigten Staaten eine Disruption des traditionellen politischen Denkens und Handelns der USA bewirkt, dessen langfristige Konsequenzen heute noch nicht abschätzbar sind. Ob die Vereinigten Staaten zu den Profiteuren dieser historischen Verwerfung zählen werden, ist keineswegs ausgemacht.

 


Christoph Bruns ist Fondsmanager, Vorstand und Hauptaktionär der Fondsgesellschaft Loys AG. Hier finden Sie weitere Kolumnen von Christoph Bruns