ExklusivGebrauchtwagen-Start-up Auto1 sammelt 300 Mio. Euro ein

Auto1 ist unter der Marke Wirkaufendeinauto.de bekannt.Imago/Manfred Segerer

Das Geschäft steht still, seit zweieinhalb Wochen. Über die Website Wirkaufendeinauto lassen sich keine Verkaufstermine mehr buchen. Normalerweise wechseln über die verschiedenen Marktplätze von Auto1 um die 1500 Fahrzeuge den Besitzer, täglich. Wirkaufendeinauto.de ist das bekannteste Portal von Auto1, in den vergangenen Jahren machte das Berliner Start-up mit viel Fernsehwerbung darauf aufmerksam.

Mit dem An- und Verkauf von Gebrauchtwagen wurde Auto1 in den vergangenen Jahren zu einem der wertvollsten deutschen Start-ups. Von Investoren wurde es zuletzt mit 2,9 Mrd. Euro bewertet. Die Corona-Krise ist der erste große Dämpfer in der Wachstumsgeschichte von Auto1.

Allerdings gelang den Gründern Hakan Koç und Christian Bertermann noch vor Ausbruch der Krise ein bemerkenswerter Coup: Sie stellten nach Capital-Informationen eine Finanzierung über 300 Mio. Euro auf die Beine. Das Geld soll in Form eines Kredites geflossen sein. Das Start-up selbst will sich zu der Finanzierung und den dahinter stehenden Geldgebern nicht äußern.

Von einem „guten Timing“ spricht jemand aus dem Unternehmensumfeld – schließlich wird es seit Beginn der Corona-Krise für Start-ups zunehmend schwieriger, Geld von Wagniskapitalgebern einzusammeln. Die Investoren agieren zurzeit vorsichtig – insbesondere, wenn es um Start-ups geht, deren Geschäft von der Krise unmittelbar betroffen ist. Und das ist bei Auto1 der Fall: Das Unternehmen hat bereits reagiert und gegenüber seinen Mitarbeiter Kurzarbeit angekündigt (Capital berichtete). Den aktuellen Stand der Maßnahme wollte eine Sprecherin nicht kommentieren.

Zeit bis nach der Krise

Das Berliner Unternehmen zählt zu den Hoffnungsträgern der deutschen Start-up-Szene. Anfang 2018 beteiligte sich der japanische Tech-Investor Softbank mit seinem 100 Mrd. Dollar schweren Vision Fund an Auto1 – ein Ritterschlag für das 2012 gegründete Unternehmen. Die Finanzierungsrunde über 460 Mio. Euro half damals, einen möglichen Börsengang hinauszuzögern.

Das neue Investment verschafft dem Unternehmen nun weitere Zeit, um später neue Finanzierungsoptionen auszuloten. Bei den 300 Mio. Euro handelt es sich nach Capital-Informationen um Fremdkapital in Form von so genanntem Venture Debt oder einem Wandeldarlehen.

Bei Venture Debt muss das Start-up einen festen Zinssatz zahlen, der in der Regel höher liegt als bei normalen Unternehmenskrediten. Bei einem Wandeldarlehen erhalten die Kreditgeber bei der nächsten Finanzierungsrunde Unternehmensanteile – der Kredit wird gewandelt. Dann wird die endgültige Unternehmensbewertung auch erst festgelegt.

Parallel zum eingebrochenen Geschäft kämpft Auto1 an einer weiteren Front: Es hat die Partnerschaft mit seiner eigenen Fintech-Tochter Auto1 Fintech gekappt, wie Capital und Finance Forward berichteten. Gemeinsam mit den prominenten Partnern Deutsche Bank und Allianz hatte das Start-up die Tochterfirma gegründet, um Autoverkäufe zu finanzieren. Nun kam es offenbar zum Konflikt zwischen den Geschäftspartnern, der mit dem Rückzug von Auto1 aus dem Projekt endete.