AnalyseDas hat Lagarde mit der EZB vor

Christine Lagarde, Pierre Moscovici und Jeroen Djisselbloem
IWF-Chefin Lagarde erläutert die Haltung ihrer Organisation, EU-Kommissar Moscovici und Eurogruppenchef Djisselbloem schauen skeptisch - Foto: European Union

Das Motto „Whatever it takes“ des bisherigen Chefs der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, dürfte auch in Zukunft die Geldpolitik in Europa bestimmen. Denn mit der Wahl von Christine Lagarde zur Nachfolgerin Draghis wird eine Frau zur Währungshüterin, die sich schon während der Rettung Griechenlands durchaus pragmatisch zeigte:

„Wir haben alle Regeln verletzt, weil wir die Reihen schließen und die Eurozone wirklich retten wollten“, sagte sie im Jahr 2010, damals noch als französische Finanzministerin. Marktexperten gehen davon aus, dass sie auch als neue EZB-Chefin auf eine Rettung des Euros aus ist – und die ultralockere Geldpolitik von Draghi fortführt.

Mit Lagarde niedrigen Zinsen

Als Anfang Juli klar wurde, dass die derzeitige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) EZB-Präsident Mario Draghi im Herbst ablösen soll, reagierte deshalb vor allem der europäische Kapitalmarkt erfreut. Der Dax erreichte mit 12.637 Punkten seinen bisherigen Höchststand in diesem Jahr.

„Lagardes Nominierung stellt kein Risiko für die Finanzmärkte dar“, ist Christian Nemeth, Chefanlagestratege der Zürcher Kantonalbank Österreich, überzeugt. „Es ist zu erwarten, dass Lagarde die wenig restriktive und lockere Geldpolitik von Mario Draghi fortsetzt, wenngleich der Spielraum begrenzt ist.“

Mit der 63-jährigen Lagarde als EZB-Präsidentin stehen also alle Zeichen weiterhin auf niedrigen oder gar sinkenden Zinsen. Mark Dowding, Partner bei der britischen Fondsgesellschaft Bluebay Asset Management, rechnet bereits im Juli mit einer Zinssenkung.

Vor Lagardes Amtsantritt würden noch einige schwierige Schritte in Angriff genommen werden, damit die Französin nicht gleich zu Beginn vor großen Herausforderungen stehe. „Daher erwarten wir, dass noch in diesem Monat die Zinsen um zehn Basispunkte gesenkt werden“, sagt Dowding.

Konsequenz: Der Zins für zehnjährige Bundesanleihen sank vergangenen Donnerstag auf ein neues historisches Tief von minus 0,4 Prozent. Wer dem deutschen Staat Geld verleiht, bekommt also am Ende weniger zurück als er investiert hat.