Mobilität5 Fragen und Antworten zu E-Autos in Deutschland

Das Elektroauto ID.3 steht auf dem Montageband im VW-Werk in Zwickau. Das Fahrzeug gehört zur neuen ID-Serie, mit der Volkswagen Milliarden in die E-Mobilität investiert.
Das Elektroauto ID.3 steht auf dem Montageband im VW-Werk in Zwickau. Das Fahrzeug gehört zur neuen ID-Serie, mit der Volkswagen Milliarden in die E-Mobilität investiert.dpa

Nehmen wir an, ein Marsmensch wäre Mitte September durch die Hallen der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt gelaufen. Vielleicht, um mal zu schauen, wie die Deutschen sich so fortbewegen. Er hätte vermutlich nach Hause gemeldet, dass sie dies in Blechkisten tun, die ganz überwiegend von Elektromotoren angetrieben werden. Mit einigen wenigen Ausnahmen.

Die deutschen Hersteller stellten ihre Batterieautos auf der IAA so rabiat nach vorn, dass jeder Beobachter zu dem Schluss kommen musste, der Wandel zum Elektrozeitalter sei bald abgeschlossen. Die Wirklichkeit aber sieht anders aus. Der Wandel hat noch nicht einmal richtig begonnen, trotz aller Förderungen und Forderungen der Politik. Auch wenn die Hersteller E-Autos bevorzugt durch ihre Werbefilme fahren lassen, auch wenn die Deutschen im Rausch der Klimarettung betonen, sie wünschten sich eine kohlendioxidfreie Zukunft: E-Autos sind immer noch ein Nischenprodukt. Ihr Anteil an allen verkauften Autos dümpelt im nied­rigen einstelligen Prozentbereich herum. Aber wird sich das jetzt ändern? War Frankfurt tatsächlich ein Fenster in die Zukunft? Capital beantwortet die wichtigsten Fragen.

#1 Wann kommt denn nun die Zeit der E-Autos?

Eines steht schon länger fest: Das im Jahr 2008 von der Bundesregierung verkündete Ziel, wonach 2020 eine Million Elektroautos in Deutschland zugelassen sein sollen, ist beim besten Willen nicht mehr zu schaffen. Mitte 2019 lag der Bestand an reinen Batteriefahrzeugen laut Kraftfahrtbundesamt (KBA) gerade einmal bei 143.000 Stück. Hinzu kamen rund 80.000 Plug-in-Hybride, also Mischungen aus Verbrenner und Elektroauto, die per Stecker aufgeladen werden können. Zusammen sind das etwas über 220.000 Fahrzeuge – weit weg von der geplanten Million.

Die neue Zielmarke der Regierung heißt daher 2022. Angesichts der Wachstumsraten von über 60 Prozent in den vergangenen beiden Jahren ist das einigermaßen realistisch, zumal ab dem Jahr 2020 erstmals tatsächlich viele verschiedene batteriebetriebene Modelle auf dem deutschen Markt gekauft werden können. Allerdings ist auch klar: Eine Million Autos, das ist bei über 47 Millionen Pkw in Deutschland immer noch eine verschwindend geringe Zahl. Sie entspricht einem Anteil von etwa zwei Prozent.

In den Jahren nach 2022 allerdings könnte es rasch nach oben gehen – zumindest ist das die Erwartung in der Politik. Nach Ansicht von Branchenexperten kommt dieser langsame Anlauf den deutschen Herstellern sogar zugute, weil sie sich so besser auf den Wandel einstellen können. „Was den Konzernen in die Karten spielt, ist: Das Hochlaufen bei der Elektromobilität dauert länger als gedacht“, sagt Jan Burgard, geschäftsführender Partner bei der Strategieberatung Berylls. „Wir beobachten viele Verzögerungen. Dadurch können die Unternehmen die Produktionsstrukturen optimieren. Richtig laufen wird es ab 2021, 2022.“