StilfragenSacha Rose: „Komfort ist meine oberste Priorität“

Sacha Rose
Sacha Rose


Sacha Rose ist CEO der britischen Traditionsmarke Derek Rose, spezialisiert auf luxuriöse Unterwäsche, Loungewear und Bademode.


Wie sieht für Sie moderne Businessmode aus?

Immer funktioneller und komfortabler, so viel steht fest. In einer Welt voller Ablenkungen will wohl niemand von Gedanken um sein Outfit oder unbequemen Schnitten an der Konzentration gehindert werden. Die zeitgemäße Bürogarderobe drückt genau das aus, in dem Anzüge, Hemden und Krawatten zurückgedrängt werden – von Jeans, Casual-Hosen, T-Shirts, Polohemden und Pullovern, auch mit Kapuze.

Was sind Dos and Don’ts im Büro – ganz gleich ob an der Rezeption oder auf der Vorstandsetage?

Wir haben eine ziemlich entspannte Einstellung zur Kleiderordnung im Büro. Ich möchte, dass sich meine Mitarbeiter während der Arbeit immer wohl fühlen, so kann ich keine strengen Regeln aufstellen. Generell bemühen wir uns, präsentabel auszusehen und gleichzeitig den Smart-Comfort-Ethos der Marke widerzuspiegeln. Ich wüsste nicht, dass jemand Anzug und Krawatte trägt – das scheint ein No-go zu sein!

Was sind die wichtigsten neuen Trends der kommenden Saison für Businessmänner?

Das ist zwar nicht neu, aber auf meinen vielen Langstreckenflügen beobachte ich mehr und mehr Mitreisende, die sich zumindest für die Zeit an Bord für die sehr gemütliche Mode-Option entscheiden, etwa hochwertige (!) Trainingsanzüge oder zumindest Kapuzenpullis und Sneaker. Am Ziel zieht man sich dann halt um, ist aber in deutlich besserer Verfassung als in der steifen „Uniform“ und somit ready for work.

Welche Klassiker sollte jeder Mann in seinem Kleiderschrank haben?

Ein klassisches T-Shirt von herausragender Qualität sollte es mindestens sein, eines, das sich der Körpertemperatur anpasst und Form sowie Farbe behält. Ich trage beispielsweise unser Modell „Basel“ fast jeden Tag, egal ob im Office, im Gym oder auf dem Sofa daheim.

Welches Modestück verdient Ihrer Meinung nach ein Revival?

Unterwäsche von höchster Qualität! Zu lange hat sich kaum ein Designer wirklich dafür interessiert, und wenn, dann entweder nur für den Look oder nur für die Funktion, etwa in der Sportswear. Unser bisheriger Weg mit Derek Rose hat mir dagegen gezeigt, dass frische Optik und innovative Ideen dankbar aufgenommen werden und ein Produkt, dass beides vereint, Käufer findet.

Wer ist und bleibt für Sie ein modisches Vorbild, wer verdient Ihr Prädikat „Stilikone“?

Ich fürchte, ich habe keins von beidem. Für mich muss Mode den Bedürfnissen des Individuums dienen. Dass heißt, dass jeder das mit Freude tragen sollte, was zu seiner Lebensqualität beiträgt. Daheim, unterwegs, im Job oder im Bett.

Welche modische Anschaffung war Ihr bester Kauf?

Ich liebe meine extrem praktische „Veilance“-Jacke von Arcteryx und finde auch meinen Rucksack von C6 richtig klasse.

Jenseits des Dresscode: In welchem Outfit gehen Sie am Samstag zum Bäcker?

Wie Sie sicherlich schon bemerkt haben, ist Komfort meine oberste Priorität, ich bin vermutlich der Mann auf der Straße mit den bequemsten Klamotten. Das besagte „Basel“-Shirt, Trainingshose und, wenn es kalt ist, ein Gilet von Canada Goose. Fertig.

Ihre größte Stilsünde war …?

Eine gute Frage … Glücklicherweise war ich nie ein Trendopfer, die meisten modischen Fehltritte konnte ich daher umschiffen. Obwohl, da ist dieser lilafarbene Anzug, in den mich meine Mutter einmal als Kind steckte – das fühlte sich für mich damals wirklich „sündhaft“ an.

Wie kaufen Sie Mode: in der Boutique, im Kaufhaus oder online?

Das meiste kaufe ich in Geschäften, das ist für mich auch eine Art Marktforschung. Gutes Produktdesign nehme ich sehr genau – und am, liebsten in die Hand. Außerdem beobachte ich die Verkäufer, wie sie die Besonderheiten eines Produktes erklären. Was mir einmal gefallen hat, das bestelle ich beim zweiten Mal dann oft im Internet nach.

Kurz & knapp:

Krawatte oder Fliege? Eine Krawatte, aber nur wenn’s sein muss.

Rasur: trocken oder nass? Nass.

Anzug: Doppel- oder Einreiher? Einreiher, ausnahmsweise.

Barfuß oder Lackschuh? Barfuß, wenngleich ich Turnschuhe vorziehe, das ist eine kleine Obsession von mir. Okay, ehrlich gesagt eine ziemlich große! Nicht die Modelle der coolen Kids, sondern die funktionell herausragenden, natürlich.