Stilfragen„Businessmode passt sich dem Alltag an“

Marco Palmieri
Marco Palmieri


Mit 22 Jahren gründete der Italiener Marco Palmieri ein kleines Leder-Unternehmen, das zunächst ausschließlich Produkte für Dritte herstellte: Piquadro. Zehn Jahre später setzte er ganz auf die Eigenmarke – und Taschen sowie Koffer, die voller Innovationen stecken. Mittlerweile gehören auch das toskanische Label The Bridge und das Pariser Accessoire-Haus Lancel zum Imperium des ehemaligen Programmierers.


Wie sieht für Sie moderne Businessmode aus?

Sie passt sich dem Alltag eines Mannes an: Er geht morgens früh aus dem Haus und hat selten die Zeit, sich vor einem Dinner erneut daheim umzuziehen. Ein wenig formell darf sein Style also schon sein, ohne Krawatte, aber vielleicht doch ein Anzug mit weißem Hemd. Alternativ: Jeans, Jeanshemd und passendes blaues Sakko. Der perfekte Mix, der sich bequem tragen lässt und trotzdem professionell aussieht, und zwar wenn nötig 24 Stunden lang.

Was sind Dos und Don’ts im Büro – ganz gleich ob an der Rezeption oder auf der Vorstandsetage?

Keine Shorts, außer wenn es ein spezieller Dresscode erfordert – etwa in Start-ups und Tech-Firmen. Ich würde auch eher keine geblümten Hemden oder zu schrille Farben tragen.

Was sind die wichtigsten neuen Trends der kommenden Saison für Businessmänner?

Der Unterschied zwischen formeller und Casual-Kleidung wird irgendwann ganz verschwinden. Streetwear wird dadurch immer wichtiger werden: Rucksäcke werden die traditionellen Businesstaschen ersetzen, Turnschuhe und edle Sport-Outfits wird man auch jenseits des Gym häufiger sehen … Schon bei der letzten Modemesse Pitti Uomo in Florenz waren Jeans, Hoodies und Drucke, die von der Straße inspiriert sind, sehr auffällig und oft vertreten.

Welche Klassiker sollte jeder Mann in seinem Kleiderschrank haben?

Das klingt jetzt vielleicht etwas arg nach Tiefstapelei, aber ich folge keinem bestimmten Modetrend oder Stil. Ich wähle aus und kaufe, was mir wirklich gefällt und worin ich mich wohl fühle. Im Job mag ich einen etwas britischen Auftritt, traditionell und Vertrauen erweckend, mit jeder Menge exzellentem Handwerk in jedem Stück – vom Oxford-Hemd bis zum handgenähten Schuh. Materialien, für die mein Herz schlägt, sind Kaschmir sowie performancestarke Hightech-Gewebe im Winter und hochwertige Baumwolle, Seide sowie Leinen für den Sommer. Meine Lieblingsfarben über alle Saisons hinweg sind Blau, Grau, Kamelbraun und Weiß. Für Rucksäcke, Taschen und Trolleys greife ich natürlich auf unser eigenes Sortiment zurück, schon allein deshalb, weil ich es selbst gern auf Herz und Nieren teste!

Welches Modestück verdient Ihrer Meinung nach ein Revival?

Polohemden in neuen Farben oder klassischen Tönen. Und der unkonventionelle, zeitlose Retro-Chic der Marke The Bridge aus Florenz, die ich im Dezember 2016 gekauft habe. Deren duffle bag begleitet mich zu fast allen Freizeitaktivitäten.

Wer ist und bleibt für Sie ein modisches Vorbild, wer verdient Ihr Prädikat „Stilikone“?

Sean Connery.

Welche (modische) Anschaffung war Ihr bester Kauf?

Alle meine Uhren! Ich habe eine kleine Sammlung, darunter einige sehr außergewöhnliche Stücke, und verfolge dieses Hobby mit großer Leidenschaft. Meine liebsten Modelle sind jedoch eine ältere IWC und die Patek Philippe, die ich jeden Tag trage.

Jenseits des Dresscode: In welchem Outfit gehen Sie am Samstag zum Bäcker?

In Jeans oder einer anderen legeren Hose, dazu Sweatshirt und Turnschuhe.

Ihre größte Stilsünde war/ist …?

nicht modisch zu sein!

Wie kaufen Sie Mode: in der Boutique, im Kaufhaus oder online?

Online. Ich habe einfach keine Zeit mehr fürs Shopping vor Ort. Mittlerweile durchforste ich einfach die Websites der Marken, die ich ohnehin am liebsten mag, und bestelle dort Nachschub für den Kleiderschrank.

Kurz & knapp:
Krawatte oder Fliege? Vielleicht die Fliege für einen Dandy-Look.

Rasur: trocken oder nass? Nass.

Anzug: Doppel- oder Einreiher? Einreiher.

Kaschmirmantel oder Outdoor-Jacke? Beide gehören in jede Männer-Garderobe.

Barfuß oder Lackschuhe? Lackschuhe.