Stilfragen„Mode-Regeln sind out, Spaß in der Garderobe ist in!“

Giuseppe Marretta, Pringle of Scotland
Giuseppe Marretta, Pringle of ScotlandPringle of Scotland


Giuseppe Marretta ist Kreativdirektor der Männermode von Pringle of Scotland (Gründung: 1815), bekannt für Strickpullover mit traditionellen schottischen Argyle-Mustern. Zuvor arbeitete Marretta für Giorgio Armani, Ermenegildo Zegna und Brioni.


Wie sieht für Sie moderne Businessmode aus?

Wir erleben mehr und mehr eine Fusion von Schneiderhandwerk mit Casualwear. Das bedeutet in einer vorsichtigen Variante mindestens, dass das Maßhemd zum extraleichten, unkonstruierten Anzug getragen wird.

Was sind Dos and Don’ts im Büro – ganz gleich ob an der Rezeption, in der Buchhaltung oder auf der Vorstandsetage?

Das geht gar nicht: Jeans in zu hellen Waschungen oder mit Effekten wie Abrieb und Löchern – und zu kurze Hosen aller Art.

Was sind die wichtigsten neuen Trends der kommenden Saison für Businessmänner und -frauen?

Es gibt kaum ein Unternehmen, das seinen Dresscode unangetastet lässt oder zumindest überprüft. Veilerorts ist der Casual Friday längst zum Casual Everyday geworden. Das hat natürlich Einfluss auf die Mode, der sich auch weiterhin auf den Laufstegen zeigt, denn Mode spiegelt, was in Kultur und Gesellschaft passiert. Die Gegenwart und Zukunft der Businessgarderobe sind und bleiben also definitiv entspannt(er).

Welchen Klassiker sollte jeder Mann in seinem Kleiderschrank haben?

Da fallen mir gleich mehrere ein: eine etwas überschnittene Outdoorjacke, also gern etwas größer beziehungsweise länger als üblich, ein massiver Grobstrick-Pullover, ein T-Shirt mit zum Träger passenden Printmuster, ein paar Accessoires für Stil-Statements und hochwertige Jeans. Regeln sind out, Spaß ist in. Tragen Sie also immer, was Ihnen selbst gefällt.

Welches Modestück verdient Ihrer Meinung nach ein Revival?

Ich möchte mich wieder mehr mit Strickjacken und -mänteln beschäftigen.

Wer ist und bleibt für Sie ein modisches Vorbild, wer verdient Ihr Prädikat „Stilikone“?

Der gebürtige Belgier Raf Simons, der zuletzt für die Mode von Calvin Klein verantwortlich war und davor neben seinem eigenen Label auch für Dior arbeitete.

Welche modische Anschaffung war Ihr bester Kauf?

Die Leuchte „Arco“, die Pier Giacomo Castiglioni und Achille Castiglioni 1962 für Flos entwarfen. Ein Siebdruck des Künstlers Agostino Bonalumi. Eine Vinyl-Ausgabe des Albums „OK Computer“ der britischen Band Radiohead, das 1997 erschien. Ein bedruckter Nylonrucksack von Prada – und ein Kaschmirpullo von Pringle of Scotland.

Jenseits des Dresscode: In welchem Outfit gehen Sie am Samstag zum Bäcker?

In Parka, Sweatshirt, Jeans und Laufschuhen.

Ihre größte Stilsünde war …?

Ich bereue nichts!

Wo kaufen Sie Mode: in der Boutique, im Kaufhaus oder online?

Manchmal will ich eine persönliche, behagliche Atmosphäre, und das geht nur in einer Boutique. Aber wenn ich noch nicht genau weiß was ich will, dann brauche ich das ganze Angebots-Panorama wie etwa bei Selfridges in London.

Kurz & knapp:

Krawatte oder Fliege?

Fliege.

Trocken oder nass (Rasur)?

Trocken.

Anzug: Doppel- oder Einreiher?

Doppelreiher.

Kaschmirmantel oder Outdoor-Jacke?

Parka.

Barfuß oder Lackschuh?

Weder noch!

 


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