Stilfragen"Eleganz bedeutet zu wissen was Mann wann trägt"


Riccardo Schiavotto ist Co-Gründer des Maßanzug-Onlineshops Lanieri.


Wie sieht für Sie moderne Businessmode aus?

Auf der einen Seite ist das immer noch ein Aspekt der Etikette, auf der anderen Seite ist die Ära von Anzug und Krawatte vorbei. Der neue Dresscode hat sich dank unkonventioneller Business-Ikonen und moderner Modetrends weiterentwickelt und entspannt. Ein Hauptmerkmal ist aber immer noch Schlichtheit. Eine Garderobe aus stilvollen und maßgeschneiderten Stücken, dazu Einstecktücher und natürlich perfekt gebügelte Hemden ist daher mehr als genug.

Was sind Don’ts im Büro – ganz gleich ob an der Rezeption, in der Buchhaltung oder auf der Vorstandsetage?

Hemden mit kurzem Arm oder kontrastierendem Kragen, schmutzige Schuhe, Shorts.

Was sind die wichtigsten neuen Trends der kommenden Saison für Businessmänner oder -frauen?

Lange Mäntel mit doppelter Knopfleiste, Anzugsakkos mit extra breitem Revers sowie traditionelle Muster im Großformat, etwa Karos. Außerdem Erdtöne, Hosen mit einfacher oder doppelter (!) Bundfalte vorn. Überhaupt von den 1970ern inspirierte Stile und Schnitte.

Welche Klassiker sollte jeder Mann in seinem Kleiderschrank haben?

Einen marineblauen Einreiher mit zwei Knöpfen und einen grauen Zweireiher für jeden Tag. Außerdem ein von den Seventies inspiriertes Dinnerjackett, für Anlässe, bei denen man ein Sakko aber keinen kompletten Anzug tragen möchte. Ein hautnah geschnittenes Jeanshemd und (mindestens) ein weißes Hemd. Braune Schnürschuhe, beispielsweise Oxfords, und ein Paar Doppel-Monkstraps.

Riccardo Schiavotto, Lanieri: "Hauptmerkmal ist Schlichtheit"
Riccardo Schiavotto, Lanieri: „Hauptmerkmal ist Schlichtheit“
© Instagram.com/lanieriofficial

Welches Modestück verdient Ihrer Meinung nach ein Revival?

Das eben angesprochene Jackett. Klassisch, vielseitig, nie langweilig.

Markenzeichen Armbanduhr über der Hemdmanschette: Giovanni Agnelli
Giovanni Agnelli
© Getty Images

Wer ist und bleibt für Sie ein modisches Vorbild, wer verdient Ihr Prädikat „Stilikone“?

Giovanni „Gianni“ Agnelli, auch bekannt als „L’Avvocato“ (ital. „der Anwalt“), ein legendärer Industrieller und Präsident von Fiat. Während er über die italienische Wirtschaft „regierte“, wurde er für seinen Geschäftssinn ebenso bewundert wie für seinen Modegeschmack. Agnelli meisterte die Kunst der „sprezzatura“, der lässigen Eleganz. Zu seinen Markenzeichen gehörte eine Armbanduhr über die Hemdmanschette zu ziehen und eine leicht schief sitzende Krawatte. Er war elegant ohne zu extravagant zu wirken.

Welche modische Anschaffung war Ihr bester Kauf?

Kein Kleidungsstück, und doch hat es mit Fashion zu tun: das großartige Buch „The Parisian Gentleman“ von unserem guten Freund Hugo Jacomet.

Jenseits des Dresscode: In welchem Outfit gehen Sie am Samstag zum Bäcker?

Einfach ist immer die beste Lösung: Jeans, T-Shirt und ein Sweater mit Rundhals-Ausschnitt.

Ihre größte Stilsünde war …?

Da weiß ich keine.

Wie kaufen Sie Mode: in der Boutique, im Kaufhaus oder online?

Das ist in unserem Business eine rein rhetorische Frage. Als Gründer eines Onlineshops haben wir viel zu wenig Zeit zum Einkaufen, also wird das vor allem im Web erledigt.

Kurz & knapp:

Krawatte oder Fliege?

Zum Smoking definitiv eine Fliege, im Alltag eine Krawatte.

Nass oder trocken (Rasur)?

Definitiv nass!

Doppel- oder Einreiher (Anzug)?

Ein Zweireiher ist wärmer als ein Einreiher, das macht ihn im Winter zur besseren Wahl. Und ich liebe diesen Schnitt, der vielseitig tragbar und charmant(er) ist.

Kaschmirmantel oder Outdoor-Jacke?

Eleganz bedeutet auch, zu wissen, was Mann wann trägt. In Mailand greife ich zum Kaschmir- oder Kamelhaarmantel, am Wochenende mit Freunden in den Bergen ist ein Parka wohl passender.

Barfuß oder Lackschuhe?

Das ist eine schwere Frage. Vielleicht barfuß. Ich will lieber als ein wenig verrückt gelten als für geschmacklos gehalten zu werden.