Uhren„Mechanische Armbanduhren besitzen eine Seele“

Kim-Eva Wempe ist geschäftsführende Gesellschafterin von Juwelier Wempe
Kim-Eva Wempe ist geschäftsführende Gesellschafterin von Juwelier WempePR


Kim-Eva Wempe ist seit 2003 geschäftsführende Gesellschafterin von Juwelier Wempe, einem Unternehmen mit eigenen Schmuck- und Uhrenateliers, das ihr Urgroßvater einst gründete. Aktuell beschäftigt man in 33 Niederlassungen weltweit etwa 800 Mitarbeiter. Zuletzt wurde die eigene Uhrenlinie „Iron Walker“ vorgestellt, darunter ein innovatives Tiden-Modell.


Wie würden Sie Ihren Uhrengeschmack beschreiben?

Jede Uhr hat für mich zwei Facetten: die Marke und das Produkt selbst. Ersterer muss ich die uhrmacherische Tradition und Kompetenz abnehmen – und bei letzterem sollte das Design modern und zeitlos sein. Das macht ein Produkt langlebig. Und so wählen wir auch für unser Portfolio aus, weshalb sie von den sicher 3000 aktiven Uhrenmarken nur rund 20 bei uns finden.

Wie viele verschiedene Uhren tragen Sie im Laufe einer Woche?

Im Alltag trage ich in der Woche mindestens sieben verschiedene Modelle. Wenn ich zu Abendveranstaltungen eingeladen bin und mich dafür umziehe, kommen weitere hinzu. Immer passend zum Outfit.

Auf Reisen in teils entlegene Gebiete, eine meiner Leidenschaften, kann ich mich aber auch wunderbar einschränken. Als ich 2018 in der Mongolei war, reicht mir eine einzige Uhr.

Nach welchen drei Kriterien suchen Sie eine (neue) Uhr aus?

Zur bereits erwähnten Geschichte der Marke und der „runden“ Optik kommt noch ein drittes Kriterium hinzu: Die Uhr muss mir selbstverständlich gefallen.

Können Sie sich noch an Ihre erste Uhr erinnern?

Ja. Sie war ein Geschenk meines Vaters zum sechsten Geburtstag und hatte ein blau/weiß/rotes Stoffband. Leider war sie nicht wasserdicht, was ich beim Baden im Urlaub recht schnell herausgefunden habe …

Ihr bester Tipp zum Zeitsparen im Alltag oder Job?

Ich glaube, der Mensch hat ein natürliches Empfinden dafür, wie die 24 Stunden seines Tages bestmöglich genutzt werden sollten. Ich teile mir im Job die Zeit so ein, dass ich alles schaffe, was ich mir vorgenommen habe. So türmt sich die Arbeit nicht zu Bergen auf. Nützlich sind dafür Zeitpuffer in der Planung.

Ihr bester Tipp gegen Prokrastination bzw. Verschieberitis?

„Was du heute kannst besorgen, das verschiebe nicht auf morgen“. Dieses Motto gilt besonders bei unangenehmen Themen. Das erledige ich sofort, wenn möglich als erste Tat des Tages.

Warum hat die Armbanduhr bisher die digitale Transformation überlebt?

Weil die mechanische Armbanduhr eine Seele besitzt.

Wenn Sie eine Zeitreise machen könnten – in welches Jahr würden Sie reisen und warum?

Auf jeden Fall in die Flower-Power-Ära, für die ich – Jahrgang 1962 – noch etwas jung war. Liebend gern wäre ich damals schon 20 gewesen.

Welche Uhr ist Ihnen besonders lieb und teuer?

Das ist eine goldene „Tank“ von Cartier, die mir mein Vater zum 55. Geburtstag geschenkt hat. Die hat er sich in den 1950er Jahren gekauft, um immer an seinen Traum erinnert zu werden: die Eröffnung von Wempe-Niederlassungen in den drei Städten, die in der Cartier-Historie wichtig waren, also in Paris, London und New York. Dieser Wunsch ist in Erfüllung gegangen.