Duft des ErfolgsMark Buxton: „Geld? Riecht für mich nach Patschuli“

Parfümeur Mark Buxton
Parfümeur Mark BuxtonMark Buxton Perfumes


Wie riecht eigentlich Geld? Und was macht ein Eau zum Bestseller? Diese und weitere Fragen stellen wir in unserer Serie „Duft des Erfolgs“ den besten Parfümeuren der Gegenwart. Diesmal gibt der (Nischen-)Parfümeur Mark Buxton uns Auskunft u.a. über sein Eau de Carfum für Shell, eine nicht erhältliche Konzeptkollektion, mit der das Unternehmen – basierend auf der Studie „Shell Drives You“– neu über Autos als (Lebens-)Raum nachdenkt.


Welcher Duft motiviert Sie am Morgen?

MARK BUXTON: Das Aroma eines frisch aufgebrühten Earl Greys. Wenn ich seine belebende Bergamotte-Note rieche, habe ich schon das erste Lächeln des Tages auf dem Gesicht.
Wenn ich später aus der Dusche steige, dann greife ich seit Jahren zum immer gleichen Parfüm: einer Eigenkreation namens „Emotional Drop“ mit Veilchen und Stachelbeere, Iris und Johannisbeerblüte sowie einer Basis aus Tannenbalsam, Sandelholz und Vetiver.

Welche Note beziehungsweise Komposition ist ideal für einen CEO?

Es müsste etwas sophisticated sein, mit Moschus-Anteilen, spannende Kopfnote mit Ingwer, Kardamom, vibrierend, modern holziger Duft. Maskulin, aber nicht Macho-mäßig, viel feiner und intelligenter. In die Richtung von Terre d’Hermès, das riecht für mich reichlich nach Chefetage.

Welcher Geruch beschreibt Ihre Kindheit?

Spannende Prototypen: die vier Eau de Carfums von Mark Buxton für Shell – „Feel“, „Flow”, „Play“ und „Boost“

Meine deutsche Großmutter hatte eine herrlich nostalgische Küche mit einem Bollerofen, den sie mit Holz und Kohlen befeuerte. Morgens mahlte sie Kaffeebohnen in einer alten Kaffeemühle mit Handkurbel und setzte dann eine Kanne auf den Herd. Sofort war der ganze Raum erfüllt von Kaffeeduft. Dazu gab es meist Schwarzbrot mit Butter, ganz traditionell. Ein unvergessliches Trio – Feuerholz, Kaffee und Schwarzbrot.

Bei meiner englischen Oma roch das ganze Haus immer nach Zitrone von ihrem billigen Bodenreiniger und nach Veilchen, die sie in Duftsäckchen überall verteilte. Ein nicht wirklich angenehmer, aber ebenso unvergesslicher Mix.

Welche Duftzutat, welcher Rohstoff inspiriert Sie gerade besonders?

Jeder Parfümeur hat natürlich seine ewigen Lieblinge, in meinem Fall sind das Vetiver (ein Süßgras) und diverse Holznoten. Momentan arbeite ich zudem viel mit Magnolienblüte, die nicht oft verwendet wird. Dabei stecken da so viele intensive Facetten drin, etwa grüne Anklänge wie von Margeriten, aber viel spannender.

Ich liebe auch echtes Amber (eine Ausscheidung des Pottwals), womit heute kaum noch jemand Parfüms komponiert, weil das Kilo ungefähr 18.000 Euro kostet. Deshalb wird zu 99 Prozent synthetischer Ersatz benutzt, der jedoch weniger anhaftend ist und nicht die gleichen animalischen Pheromon-Effekte hat.

Welche Note ist leider in Vergessenheit geraten?

Narzissen, die sind auch sehr kostspielig mit gut 8000 Euro pro Kilo, aber herrlich facettenreich. Damit müsste ich eigentlich mal wieder was machen …

Welches Parfüm tragen Sie privat sehr häufig?
Seit ich 17 bin trage ich fast ausschließlich Düfte mit VetiverNoten, beispielsweise „Vetiver“ von Guerlain (1959), dann „Vettivéru“, das ich 2002 für Comme des Garçons komponiert habe – und jetzt mein Eau de Parfum „Emotional Drop“.

Was können Sie wirklich nicht mehr riechen?

Ich bin gar kein großer Fougère-Fan, ein würziger Akkord, der aus Noten wie Lavendel, Kumarin und Geranie besteht, wie man es vielleicht aus einem Barber Shop von früher kennt. Und auch so mancher Bestseller der Top 10 ist mir zu beliebig, da wird oft zu viel reingepackt, damit das Produkt möglichst jedem wenigstens ein bisschen gefällt.

In aller Kürze: Wie duftet …
… Glück?

Nach Rose.

… Erfolg?

Amber, wertvoll und unverwechselbar.

… Liebe?

Veilchen.

… Geld?

Patschuli, weil es für mich persönlich geheimnisvoll und dunkel riecht. Wie Schwarzgeld, Bares im Umschlag, unterm Tisch gereicht.

… Stille?

Maiglöckchen.

… Spaß?

Vetiver, ganz klar.

Was ist die spezielle Herausforderung in der Männer-Parfümerie?

Wie ich schon sagte, ist es nicht sonderlich schwer, etwas zu kreieren, dass jedem Mann gefallen könnte. Doch genau dieser Ansatz stört mich an der Großindustrie unserer Branche, und das war auch der Grund, warum ich mich selbstständig gemacht habe. Der Mainstream reizte mich einfach nicht mehr. Die mittlerweile auch recht umkämpfte Nischen-Parfümerie ist kein einfaches Business-Pflaster, dafür brauche ich aber eben keine breiten Zielgruppen anzupeilen, kann mich auf Düfte für eigenständige Persönlichkeiten konzentrieren. Parfüms, die immer auch mir selbst gefallen müssen. Anders sein zu dürfen, das fordert und erfüllt mich sehr.

Welches Parfüm werden wir im Jahr 2030 aufsprühen?

Düfte werden uns sicherlich weiterhin begleiten, in welcher Form ist eher die Frage. Wir suchen ja schon lange nach Alternativen zu Alkohol als Lösungsmittel, sei es mit Solid Perfumes in Metalldöschen, die mit dem Finger aufgetragen werden, oder mit Formeln auf Ölbasis. Doch beim ersten Ansatz fehlt die gleichmäßige Verteilung und das Zusammenwirken mit der Luft, und auch der zweite Ansatz ist noch nicht überzeugend. Vielleicht erfindet jemand ja Kapseln zum Einnehmen, sodass wir die Eaus der Zukunft durch unsere eigenen Poren verströmen. Keine schlechte Idee eigentlich, solange es der Gesundheit nicht schadet.

Die Zeit für Innovationen ist definitiv gekommen, bei über 200 neuen Düften pro Jahr und einem ebenfalls nahezu gesättigten Nischenmarkt, den längst auch große Player für sich entdecken und erschließen. Deshalb interessierte mich auch das Projekt für Shell sehr, die Aufgabe, vier Eau de Carfums zu schaffen, die sich an verschiedenen Fahrertypen orientieren und das Auto zum Dufterlebnis machen.

Für das Kino des Soho House haben wir auch schon Parfüms für spezielle Filme wie „Blow Up“ entwickelt, dazu Konzepte für Hotels, für Bücher, Identity Fragrances für Firmen und das offizielle Parfüm des Museum of Modern Art in New York. Solche abstrakten Projekte sind ein wachsender Bereich unserer Arbeit bei Mark Buxton Perfumes, der die Kreativität enorm anspornt. Eher Kunst als Kommerz.

Welches Parfüm ist Ihr absolutes Evergreen?

Die absolut, pardon, geilste Kreation ist „Féminité du Bois“ von Serge Lutens, das 2009 auf den Markt kam. Hier treffen Natur und Synthetik so unglaublich harmonisch aufeinander, so voller Ausstrahlung, dass sich jede, die den Duft trägt, eigentlich wie die schönste Frau der Welt fühlen muss. Geschaffen hat das Parfüm übrigens auch ein Engländer, der großartige Christopher Sheldrake.