Duft des ErfolgsAlberto Morillas: „Parfüms sind ein Spiegel unserer Gesellschaft“

Alberto Morillas
Alberto MorillasFirmenich


Wie riecht eigentlich die Liebe? Und was hat ein Parfüm wie „Chanel No. 5“ zum absoluten Klassiker werden lassen? Diese und weitere Fragen stellen wir in unserer neuen Serie „Duft des Erfolgs“ den großen Parfümeuren. Diesmal beantwortet sie der Spanier Alberto Morillas, seit 1970 beim Duftriesen Firmenich und eine Branchengröße. Die Bestseller „CK One“ von Calvin Klein, „Acqua di Giò“ von Giorgio Armani und „Omnia“ von Bulgari zählen zu seinen Erfolgen. Ab September ist seine neueste Kreation erhältlich, „Bulgari Man Wood Essence“.


Capital: Welcher Duft motiviert Sie am Morgen?

ALBERTO MORILLAS: Ich mag alles, was mich ans Mittelmehr erinnert – seine strahlende Helligkeit, die warme Sonne und die facettenreiche Natur.

Welche Note beziehungsweise Komposition ist ideal für einen CEO? Und Warum?

Grundsätzlich steckt hinter jedem Duft eine einzigartige Geschichte, die sich verschiedenster Quellen bedient – die wichtigste ist jedoch der direkte Dialog mit Menschen. Für mich besteht die Kunst der Parfümerie aus purer Emotion. Düfte sollen Menschen erfreuen, sie sich wohlfühlen lassen. Das lässt sich natürlich nur erreichen, wenn ein Parfüm mit der eigenen Persönlichkeit harmoniert. Der CEO von Bulgari, Jean-Christophe Babin, trägt glücklicherweise auch privat die Düfte, die mein Team und ich für das Haus komponieren dürfen. Das freut mich umso mehr, weil er dabei wie wir alle ganz allein seiner Intuition und Nase folgt.

Welcher Geruch beschreibt Ihre Kindheit?

Ich habe wundervolle Erinnerungen an meine Kindheit in Andalusien, weshalb mich noch heute die Düfte des Mittelmeers begeistern: Zitrusnoten beispielsweise, wilde Blumen und eine klare Frische, die gleich noch Lebensfreude und anspruchsvollen Lifestyle umfasst. Sie merken, ich schmücke Essenzen gern zu konkreten Momenten aus, an die auch der Träger oder die Trägerin eines meiner Parfüms beim Aufsprühen denkt. Diese Magie bedeutet mir sehr viel.

Welche Duftzutat beziehungsweise welcher Rohstoff inspiriert Sie gerade besonders?

Morillas neuer Duft: Bulgari Man Wood Essence
Morillas neuer Duft: Bulgari Man Wood Essence

Unter all den Schätzen im Repertoire eines Parfümeurs sind Moschus-Noten wie ein Talisman für mich. Mit ihnen hinterlasse ich eine Art Handschrift im fertigen Duft zugleich sinnlich und von strahlender Textur. Manchmal stelle ich mir einen ganzen Wasserfall von Moschus vor, sanft und intensiv. In der faszinierenden Geschichte der Parfümkunst waren Moschusextrakte lange Zeit unheimlich wertvoll und luxuriös. Das sind sie noch immer, nur dass wir sie heute lässiger und moderner einsetzen. Ich reize diese olfaktorische Strahlkraft gern bis zum Äußersten aus, damit Moschus eine überragende Symbiose mit der Haut bildet. Mehr Sinnlichkeit geht gar nicht.

Welche Note ist leider in Vergessenheit geraten?

Die Noten mit tierischem Ursprung spielen heute kaum mehr eine Rolle, doch ich würde nicht „leider“ sagen, denn Innovation ist ein Schlüsselbegriff in der modernen Parfümerie. Sie hilft uns, die Grenzen der Kreativität immer weiter zu verschieben, so wie wir heute synthetischen Moschus einsetzen. Firmenich hat im Feld der Biotechnik echte Pionierarbeit geleistet und diverse neue Zutaten wie „Clearwood“ und „Ambrox Super“ geschaffen. Wenn ich diese neuen Möglichkeiten sehe, bin ich sehr optimistisch, was die Zukunft meiner Zunft betrifft.

Welches Parfüm tragen Sie privat sehr häufig?

Ich trage meist das Parfum, an dem ich gerade arbeite.

Was können Sie wirklich nicht mehr riechen?

Den Geruch von Zwiebeln.

In aller Kürze: Wie duftet …
… Glück?

Nach den spritzig-fröhlichen Zitronen meiner Heimatstadt Sevilla.

… Erfolg?

Nach der Sanftheit und Intensität von Moschus, zugleich sinnlich und hell.

… Liebe?

Nach zarten Blüten, deren florale Lieblichkeit das Leben ebenso feiert wie die mühelose, natürliche, verführerische Schönheit.

… Geld?

Noch wertvoller als Geld ist das Gold, und da muss ich natürlich zu Bernstein greifen, dem „goldenen Stein“, einem der seltensten Rohmaterialien in der Parfümherstellung. Eine wahrhaft vornehme Note, die Stärke und Macht verströmt.

… Stille?

Nach der mineralischen Salzigkeit einer frischen Meeresbriese.

… Spaß?

Nach den fröhlichen, sorgenfreien Noten von Sommerfrüchten.

Was ist die spezielle Herausforderung in der Männer-Parfümerie?

Die Erwartungen der Männer an Düfte sind hauptsächlich, dass sie maskulin sein sollen, einfach zu tragen und frisch. Männer betrachten Parfüme aber auch als eine neue Form von Hedonismus, eine Kombination aus Eleganz, Kreativität und Perfektion. Generell verlaufen die Grenzen zwischen Düften für Frauen und für Männer heute fließender und sind daher auch weniger wichtig für unseren Job. Längst finden sich in Parfüms für Männer beispielsweise Blumennoten, die früher nur bei Damendüften zum Einsatz gekommen wären. Das Ziel sollte ein einzigartiger Duft sein, und daran jeden Tag aufs neue zu arbeiten, finde ich noch immer sehr aufregend.

Welches Parfüm werden wir im Jahr 2030 aufsprühen?

Da alles immer schneller wird, weiß ich nicht, ob ich so weit in die Zukunft blicken kann. Parfüms sind ein Spiegel unserer Gesellschaft, und über die Jahrzehnte habe ich bereits wirkliche Evolutionssprünge beobachtet. In der letzten Dekade gab es ein Revival der Haute Parfümerie, also Düfte von höchster Perfektion, die traditionelle Codes unseres Metiers mit einem modernen Dreh neu interpretieren. Bestens Handwerk, beste Zutaten gemäß aktueller gesetzlicher Vorschriften und eine vollendete Textur des Parfüms auf der Haut. Zudem werden Themen wie Nachhaltigkeit durch die digitale Welt und soziale Medien immer wichtiger, das beeinflusst auch unsere Arbeit. Und diese andauernde Transformation wird meine Leidenschaft für Parfüms weiter lodern lassen!

Welches Parfüm ist Ihr absolutes Evergreen – ein zeitloser Klassiker?

Mehr als 20 Jahre nach seiner Premiere weckt ein aquatischer Duft wie „Acqua di Giò“ immer noch den Wunsch, einfach mal abzutauchen – für mich ein absoluter Klassiker. Auch „Mugler Cologne“ würde ich ebenso wenig vergessen zu erwähnen wie die „Omnia“-Duftfamilie von Bulgari. Alles echte Meilensteine.