ManagementWie Sie falsche Entscheidungen umgehen

Peter Brandl
Peter Brandl

Peter Brandl ist Kommunikationsprofi, (ehemaliger) Berufspilot, Unternehmer, Fluglehrer und Autor. Seit über 20 Jahren gehört er zu den gefragtesten Vortragsrednern im deutschsprachigen Raum. Zuletzt erschien im Gabal Verlag sein Buch „Hudson River. Die Kunst schwere Entscheidungen zu treffen“ www.peterbrandl.com 


Die Motoren röhren auf. Es ist, als würde der Jet unter ihrem Po weggezogen. Zum Glück werden Sie in eine bequeme Rückenlehne gepresst. Nach Newtons Trägheitsgesetz verharren Körper in Ruhe, wenn keine Kräfte auf sie wirken oder deren Summe gleich null ist. Der Schub ist die Kraft, die erforderlich ist, die Maschine mit Ihnen darin in Bewegung zu setzen und auf ca. 300 km/h zu beschleunigen, damit sie aufsteigen kann.

Gewissermaßen sind Menschen wie Flugzeuge. Wer in seinem Leben schon mal zu neuen Zielen aufgebrochen ist, kennt das Gefühl nur allzu gut. Zuerst rafft man sich auf, dann fasst man Zutrauen in seine Kraft und schließlich hebt man ab. Die verständliche Angst, dass der Take-off misslingen könnte, verwandelt sich in Leichtigkeit und Euphorie. Es ist ein großartiges Gefühl, fliegen zu können.

Was Psychologen beim Menschen „Antrieb“ nennen, ist der Schub, den sie benötigen, um den Hintern hochzukriegen. Doch sie fürchten die Anstrengung des Starts, scheuen das Risiko der Veränderung und verharren im „Ganz-okay“ statt ihr Leben und sich selbst zu etwas Besonderem zu machen. Werden sie dann plötzlich vor wichtige Entscheidungen gestellt, versagen sie. Es ist, als würden sie zum ersten Mal im Cockpit ihres Lebens sitzen und vom Heer der Instrumente erschlagen.

Warum aber kleben Millionen Menschen am Boden statt durchzustarten? Sie leben ihr eigenes Trägheitsgesetz, und das Resultat ist Bequemlichkeit. „Ich sollte, (würde, müsste, könnte) eigentlich was ändern, aber die Umstände sind gegen mich.“ Viele haben diesen Konjunktiv permanent im Kopf und blenden dabei eine einfache Wahrheit aus: Wer sein Leben nicht gestaltet, den verunstaltet es am Schluss. Man wiegt sich in trügerischer Sicherheit und hat keine Ahnung davon, was droht und was man alles verpasst. Kommt es dann zwangsweise zum Start und sind Entscheidungen gefragt, wird man leicht das Opfer von Gespenstern, die eine wirklich gute Wahl verhindern.

Doch hier gilt: Gefahr erkannt, Gefahr gebannt. Oft genügt es, eine einfache Checkliste von drei Punkten abzuarbeiten, um auf der sicheren Seite zu sein:

1. Halo-Effekt – der schöne Schein

„Halo“ kommt aus dem Englischen und heißt „Heiligenschein“. Der Halo-Effekt besagt, dass unsere vermeintlich rationalen Meinungen massiv von Störfaktoren beeinflusst werden. Wir sehen die Dinge nicht als das, was sie wirklich sind, sondern nehmen sie immer nur im Kontext wahr. Andere Faktoren, die für unsere Beurteilung einer Sache oder einer Situation eigentlich unerheblich sind, überstrahlen plötzlich unsere Überlegungen und lassen uns zu Schlüssen kommen, die alles andere als rational sind. Wissenschaftler sprechen auch von einer Wahrnehmungsverschiebung oder kognitiven Verzerrung.

Hat man eine Entscheidung gefällt, dominiert sie alle zukünftigen Informationen, auch wenn die ihr widersprechen sollten. Ein einfaches Beispiel: Wer das Brot eines Bäckers mag, wird vielfach auch dessen Brötchen lieben, selbst wenn diese eher durchschnittlich sind. Eine klassische Verblendung, die sehr häufig vorkommt. Dennoch liefert ein guter Brotbäcker oft auch prima Frühstücksbrötchen.

Natürlich ist das praktisch und dient menschlicher Effizienz. Es führt aber auch dazu, dass wir vielleicht nie die besten Croissants der Stadt genießen werden.

Im Geschäft ist Vertrauen ein wichtiger Faktor. Vertrauen muss aber nicht in Kritiklosigkeit münden. Es ist jeden Tag aufs Neue erstaunlich, dass erwachsene Menschen 3000 Euro auf ein afrikanisches Konto einzahlen, weil ihnen ein Nigerianer per Mail 12 Mio. Dollar Vermittlungsprovision in Aussicht gestellt hat. Manchmal ist das Leben ein übler Heiratsschwindler, und wir gebärden uns so irrational wie ein verliebtes Mauerblümchen auf Männerfang.