GastbeitragWarum es für Führungskräfte im KI-Zeitalter auf Empathie ankommt

Die fortschreitende Digitalisierung verändert auch die Rolle der Führungskräfte
Die fortschreitende Digitalisierung verändert auch die Rolle der Führungskräftedpa

Eine Studie der Universität Oxford hat 2017 einiges Aufsehen erregt. Die Wissenschaftler geben darin eine Einschätzung, welche Berufe in der Zukunft durch Künstliche Intelligenz bedroht sein könnten. In der Liste, die schon 2013 entstanden war, aber erst Jahre später Wellen schlug, findet man wenig überraschend Berufe rund um Finanzdienstleistungen und Buchhaltung, aber auch Berufe, die man dort nicht erwarten würde, wie Ärzte, Juristen und Lehrer. Auch wenn die Studie unter anderen Wissenschaftlern umstritten ist, enthält sie doch einige bedenkenswerte Botschaften. Eine davon: KI ist auch eine Bedrohung für die Jobs von Führungskräften.

Nach meiner Ansicht wird das Maß der persönlichen Bedrohung dabei weniger darauf ankommen, welche Qualifikation oder welche Position die Führungskraft hat. Die entscheidende Eigenschaft ist die Fähigkeit zur Empathie. Die Führung eines Unternehmens allein nach Kennzahlen und von Menschen nach Command and Control hat keine Zukunft. Der Grund liegt auf der Hand: Riesige Mengen an Daten rasant verarbeiten, daraus Kennzahlen ableiten und auf dieser Basis Wenn-Dann-Entscheidungen treffen, das können Maschinen schon heute besser als wir Menschen.

Wohin das führen kann, lassen Medienberichte vor einigen Wochen erahnen, denen zufolge Amazon Lagerarbeiter entlässt, wenn sie nicht die erwartete Leistung erbringen. Die Entscheidung, wer gut genug und wer schlecht ist, soll ein Algorithmus ermitteln, angeblich verschickt die Software sogar automatisch Abmahnungen und Kündigungen. Der Online-Handelsriese dementierte halbherzig und verwies darauf, dass die Vorgesetzten diese Entscheidung zurücknehmen könnten. Ob sie das tun, wissen wir nicht. Es ist auch egal, denn die Büchse der Pandora ist geöffnet. Was die Führungskräfte in den Amazon-Lagern vermutlich noch gar nicht realisiert haben, ist, dass der Algorithmus ja nicht die Lagerarbeiter überflüssig machen soll, denn die sollen durch neue, fleißigere Lagerarbeiter ersetzt werden. Der Algorithmus soll vielmehr die Entscheidungsfindung ersetzen. Menschenleer werden die Lager von Amazon noch lange nicht sein, aber vielleicht schon bald Führungskräfte-leer.

Was Maschinen nicht kopieren können

Schaffen wir uns selbst ab? Diese Sorge scheint auch Tim Cook umzutreiben: „Ich sorge mich nicht um Maschinen, die denken wie Menschen. Ich sorge mich um Menschen, die denken wie Maschinen.“ Auch wenn der Apple-Chef in seinem Zitat Führungskräfte nicht explizit anspricht, so spricht er für mich auch eine Wahrheit für diese aus. Wenn Führung – ich spreche lieber von Führungsarbeit – vermehrt durch Algorithmen und KI ersetzt wird, was in einer datengetriebenen Wirtschaft zunehmend der Fall ist, funktionieren die alten Führungsprinzipien nicht mehr.

Zum Glück gibt es einen Ausweg: Je digitaler die Welt wird, umso wichtiger wird das, was Maschinen nicht kopieren können: Persönlichkeit und Empathie. Wer nicht Werte und soziale Kompetenz vermittelt, rationalisiert sich letztendlich selbst weg. Da braucht es wahrscheinlich nicht mal eine KI, sie beschleunigt den Prozess nur.

Wer mit Empathie führt, tut auch etwas für den Employer Value, also für das Ansehen des Unternehmens als attraktiver Arbeitgeber. In Zeiten des Fachkräftemangels, wo sich gute Fachkräfte ihren Job aussuchen können, ist das überlebenswichtig. Ich bin sogar der Meinung, dass Employer Value eine maßgebliche Basis für hohen Shareholder Value ist.