KolumneK-Frage gelöst: Der Bessere wird es werden

Lars Vollmer
Lars VollmerAndré Bakker

Die mediale Aufregung ist ja gerade immens, bei Ihnen auch? Ich jedenfalls schaue dem Zweikampf Laschet vs. Söder ganz entspannt zu. Denn in einem bin ich mir sicher: Der Bessere wird gewinnen.

Was mir eher zu denken gibt, ist die Frage, was ihn zum Besseren der beiden macht.

Der Bezos der Politik

Warum ist zum Beispiel Jeff Bezos so erfolgreich? Neben einer Portion Zufall, die immer dazu gehört, hat er offensichtlich die Regeln verstanden, wie Handel in der heutigen Zeit funktioniert. So kann er auf dem Spielfeld der Wirtschaft gewinnen.

Wer auf dem Spielfeld der Politik gewinnen will, muss vor allem die Regeln der Macht verstanden haben. Denn Macht ist nun mal das zentrale Leitthema, ich könnte auch sagen: die zentrale Währung der Politik.

Diese Macht erringt der- oder diejenige, die sich Gefolgschaft sichert. Gefolgschaften sorgen für informelle Mehrheiten und informelle Mehrheiten erhöhen die Wahrscheinlichkeit auf das Gewinnen formaler Wahlen drastisch. Und nach diesem Muster arbeitet sich ein Kandidat auf seinem politischen Weg Posten für Posten nach oben.

Wer heute in der Politik hohe Ämter bekleidet, hat also bereits den Beweis erbracht, dass er das Spiel der Macht und der Seilschaften – oder etwas neutraler ausgedrückt: der Netzwerke – bestens beherrscht. Allen voran natürlich die Immer-noch-Kanzlerin.

Irgendwie fair

Ich zweifele nicht daran, dass sowohl Fürsprecher als auch politische Gegner Frau Merkel attestieren, dass sie ein ausgesprochenes Gespür dafür hatte und hat, wie sie an Mehrheiten kommt – zuerst bei den innerparteilichen und dann auch bei öffentlichen Wahlen.

Das ist ja auch irgendwie fair, dass diejenigen gewinnen, die das jeweilige Spiel am besten beherrschen. Wenn im Sport der beste Tennisspieler die meisten Turniere gewinnt, ist das ja auch fair und das, was wir wollen.

Wenn ich übrigens von „Spiel“ spreche, mag das dem Ganzen einen eher verniedlichenden Charakter geben. Das beabsichtige ich nicht, denn mir ist natürlich bewusst, dass politische Entscheidungen eine enorme Tragweite besitzen – nicht erst seit Corona. Der Begriff erscheint mir trotzdem nützlich, schafft er doch einer Abstraktion, mit deren Hilfe sich Politik bei aller Unterschiedlichkeit mit Wirtschaft, Sport oder anderen gesellschaftlichen Subsystemen vergleichen lässt.

Aber zurück zur Sache.

Antäuschen und vorbeiziehen

Das politische Taktieren, wie es tagtäglich überall abläuft und wie es die potenziellen Kanzlerkandidaten gerade par excellence vorführen, ist negativ konnotiert. Aber warum eigentlich? Was sollen Politiker denn sonst tun? Was wäre die Alternative?

Es wäre, gelinde gesagt, ganz schön weltfremd anzunehmen, dass ein Politiker, nachdem er das Rednerpult im Plenarsaal verlassen hat, mit niemandem mehr spricht. Dass er sich nur auf der Vorderbühne bewegt und die informelle Hinterbühne ignoriert. Dann könnte er nämlich jegliche Mehrheit vergessen. Und seine Wahl auch.