InterviewJörg Woltmann über seine erste Million

Jörg Woltmann
Jörg Woltmann dpa


Jörg Woltmann, 71, sagt von sich selbst, er trage seit seinem 16. Lebensjahr Krawatte und Einstecktuch. Damit brachte er es zum erfolgreichen Bankier und Hotelier, 2006 rettete er auch noch den Berliner Porzellanhersteller KPM vor der Insolvenz. Mit diesem kleinen Imperium schaffte es Woltmann in die Liste der reichsten Deutschen.


Capital: Herr Woltmann, Ihr Büro in der altehrwürdigen Königlichen Porzellan-Manufaktur ist sehr prachtvoll. Ganz so pompös sind Sie aber nicht aufgewachsen, oder?

Jörg Woltmann: Überhaupt nicht. Meine Mutter war nach dem Krieg als Flüchtling in Berlin-Moabit angekommen und ließ sich kurz vor meiner Geburt scheiden. Sie musste meinen Bruder und mich alleine durchbringen, richtete zu Hause eine Schneiderwerkstatt ein und arbeitete bis tief in die Nacht. Das waren harte Zeiten, und wir Kinder haben schon früh mitgeholfen. Mein Bruder hat die Kleidungsstücke mit dem Fahrrad ausgeliefert, und ich habe die Schecks zur Bank gebracht.

Den Erfolg haben Sie also nicht in die Wiege gelegt bekommen. Wie sind Sie damit Unternehmer und Banker geworden?

Ich habe zunächst mit einem Autohandel Geld verdient, um mein Studium zu finanzieren. Autos waren meine Leidenschaft. Mit 16 hatte ich mir einen Fiat 500 für 400 D-Mark zusammengespart. Den habe ich zwei Jahre später mit 200 D-Mark Gewinn verkauft. So ging es los. Es wurde eine richtige Firma mit Angestellten. Ich fuhr morgens um 6 Uhr ins Büro, teilte die Arbeit ein, ging von 8 bis 14 Uhr in die Vorlesungen und dann wieder in die Firma. Wir haben gut verkauft, und als in der Ölkrise Autohäuser günstig zum Verkauf standen, habe ich vier übernommen. Meine erste Million hatte ich zum Ende meines Studiums gemacht. Da war ich 25.

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Warum haben Sie das aufgegeben?

Ich wollte ja nie Autohändler werden, das war nur Mittel zum Zweck. Deshalb habe ich parallel noch eine Finanzberatungsfirma gegründet.

Dabei sind Sie auf die Idee gekommen, eine eigene Bank zu gründen?

Das war so nicht geplant. Über unsere Finanzberatung vermittelten wir Kredite. Das war damals etwas verpönt, lief aber sehr gut. Dafür bekamen wir Provisionen von Banken. Ich dachte, das können wir auch selbst, und gründete 1979 zusammen mit einem Partner die Allgemeine Beamten Bank. Das Stammkapital von 3 Mio. D-Mark für die Banklizenz hatten wir erwirtschaftet, und so war ich mit 32 Jahren der jüngste Bankier Deutschlands.

Sie leiten die Bank seit Jahrzehnten, haben geholfen, Firmen zu sanieren. Warum haben Sie 2006 auch noch die Königliche Porzellan-Manufaktur übernommen?

Das war kein Herzenswunsch. Dieses über 250 Jahre alte Unternehmen ist ein deutsches Kulturgut und gehört eigentlich in Staatsbesitz. Damals habe ich die Privatisierung begleitet und die Kredite für ein Konsortium um den Prinzen von Preußen, den Urenkel des letzten deutschen Kaisers, bereitgestellt. Aber das endete im Chaos, die KPM stand kurz vor der Insolvenz. Das wollte ich nicht zulassen, sonst wäre die Firma wahrscheinlich in ausländische Hände gefallen.

Dieser patriotische Dienst hat Sie schon 50 Mio. Euro gekostet. Wo ist Ihre Schmerzgrenze?

Diesen hohen finanziellen und persönlichen Einsatz habe ich nie bereut. Schließlich besitze ich eine der ältesten Luxusmarken der Welt, das einzige Unternehmen, das sieben Königen und Kaisern gehörte.