ManagementWarum Firmen auf Jobsharing setzen

Jobsharing: Für Arbeitnehmer ein flexibles Modell. Aber was versprechen sich Unternehmen davon?
Jobsharing: Für Arbeitnehmer ein flexibles Modell. Aber was versprechen sich Unternehmen davon?
© Getty Images

Annette von Wedel ist ein großer Fan von Jobsharing. Sie leitet die Abteilung Diversity Management bei der Deutschen Bahn. Wie viele Tandems aktuell schon bei der Bahn arbeiten, kann sie nicht mit Sicherheit sagen. Als Jobsharing gemeldet werden müssen die Paare nämlich nicht. Zwei Beispiele kann sie aber aus dem Kopf aufzählen: Da wären die Leiterinnen des Fahrgastmarketings der DB Regio Bus Nord in Bremen und zwei Frauen im Vertrieb der Deutschen Bahn in Frankfurt.

In Zukunft sollen es mehr werden, bestehend aus allen Geschlechtern und Altersgruppen. Doch dafür muss das Bewusstsein der Mitarbeiter für Jobsharing geschärft, Berührungsängste genommen werden. Deswegen hat das Unternehmen den „Leitfaden Jobsharing“ erstellt. „Wir wollen den Mitarbeitern Mut machen, ihnen zeigen, dass es gar nicht so kompliziert ist“, erklärt von Wedel. Im Leitfaden steht, was Jobsharing bedeutet, wie die Tandempartner sich organisieren können und wie man den passenden Kollegen findet. Um diesen Punkt zu erleichtern, plant von Wedel sogar eine unternehmensinterne Vermittlungsplattform, eine Tandempartner-Börse. „Das Matching ist schließlich die größte Herausforderung.“

Annette von Wedel, Deutsche Bahn: "An den Finanzen soll ein Jobsharing nicht scheitern."
Annette von Wedel, Deutsche Bahn: „An den Finanzen soll ein Jobsharing nicht scheitern.“
© Deutsche Bahn

Diese Erfahrung haben auch Géraldine Weilandt und Christina Braase gemacht. Die Frauen sind verantwortlich für Diversity Management bei der Beiersdorf AG. Sie haben eine solche Tandempartner-Börse bereits gelauncht: „two:share“. Mitarbeiter können sich anonym anmelden, in einem geschützten virtuellen Raum füllen sie Fragebögen zu ihrer Person aus, bekommen dann Vorschläge für Personen, die sich auch für Jobsharing interessieren. Eben wie bei einer Partnerbörse. Seit November  2016 haben sich bereits 135 Mitarbeiter angemeldet, fünf Tandems haben sich dadurch gebildet. Doch die meisten Mitarbeiter sind immer noch skeptisch. „Dass sich das Modell durchsetzt, erfordert Offenheit und Unterstützung von Seiten der Topmanager“, erklärt Géraldine Weilandt, „nur so können Vorurteile abgebaut werden.“

Den Anfang macht eine Marketing-Kampagne: Das Unternehmen verteilt Flyer und Gummibärchen an die Mitarbeiter, organisiert Informations-Events, sogar eigene Werbeslogans hat das Jobsharing-Projekt, zum Beispiel: „Wir waren die ersten, die Wasser und Öl verbunden haben, warum nicht auch Kollegen?“

Jobsharing bei Beiersdorf: Vorurteile abbauen mit Gummibärchen und Flyern.
Jobsharing bei Beiersdorf: Vorurteile abbauen mit Gummibärchen und Flyern.
© Beiersdorf

Vorurteilen gegenüber Jobsharing versucht auch Frau von Wedel bei der Deutschen Bahn zu begegnen. Deshalb ist der Leitfaden auch an Führungskräfte gerichtet, die Tandems in ihr Team holen könnten. Er unterstützt bei Organisatorischem, enthält Tipps zum Umgang mit Zielvereinbarungen und Arbeitsverträgen, Richtlinien zu Gehalt, Dienstwagen und Fortbildungen für Tandems. Ein Absatz ist von Wedel besonders wichtig: „An den Finanzen soll ein Jobsharing nicht scheitern“.