Management3 Schritte zur Digitalisierung im Kleinen

Arbeit in einem Coworking Space in Washington
Arbeit in einem Coworking Space in WashingtonGetty Images

Wann haben Sie das letzte Mal darüber gestöhnt, dass Ihre Vorstände oder Geschäftsführer die Digitale Transformation verschlafen? Gestern, letzte Woche? Und dabei auch mal wieder deutlich gemacht – im mehr oder minder vertraulichen Gespräch –, dass alles viel besser wäre, wenn Sie für das ganze Unternehmen verantwortlich wären und nicht nur für Ihre Abteilung oder Ihren Bereich?

Na, dann machen Sie doch mal! Denn keine Sorge, auch für das eigentlich unternehmensweite Thema Digitale Transformation gibt es Hebel, die Sie allein für Ihre Abteilung oder Ihren Bereich bedienen können. Und zwar ohne dass es auffällt, bevor Sie das wollen…

Hier die Top 3 Initiativen, mit denen Sie selbst schon mal in Richtung Zukunft modernisieren können, auch wenn bei Ihnen nicht die Zuständigkeit für Digitale Transformation oder ein nennenswertes Innovationsbudget liegt:

#1 Arbeiten Sie kundenzentrisch

Häufig hört man, der eigentliche Disruptor von Industrien ist nicht die neue Technologie, sondern die kundenzentrische Perspektive, die mit den Mitteln der Digitalisierung wesentlich leichter einzunehmen ist. Das Schöne daran: Diesen Blickwinkel können Sie mit Ihren Mitarbeitern auch ohne Innvationsbudget und ohne genuin digitales Geschäft einnehmen. Beim nächsten größeren Problem, etwa der Neukonzeption eines Produktes, setzen Sie eine so heterogene und interdisziplinäre Projektgruppe ein wie Sie nur können, ohne Aufsehen zu erregen. Lassen Sie das Team die Lösung kundenzentriert in einem Design Thinking-Prozess erarbeiten:

  1. Festlegung auf einen Kunden,
  2. Beobachtung (oder Befragung) um seine Bedürfnisse bei der Nutzung des Produktes zu verstehen,
  3. Perspektivwechsel in seine Schuhe,
  4. Brainstorming,
  5. Prototyping der besten Lösungsoptionen,
  6. und dann wieder Dialog mit dem Kunden zum Test
  7. Wenn sich diese Arbeitsweise in Ihrer Abteilung durchsetzt, haben Sie den wesentlichen kulturellen Schritt zur Digitalen Transformation schon getan – (fast) ohne Budget.

#2 Fassen Sie sich an die eigene Nase

Wer in der Abteilung ein schwarzes Brett unterhält oder Sekretariate mit aufwendigen Terminabstimmungen beschäftigt, wenn’s auch ein Doodle täte, kann sich über die mangelnde Digitalaffinität seiner Mitarbeiter oder Vorgesetzten nicht aufregen. Also überprüfen Sie genau Ihr eigenes Verhalten: Wo sind Sie noch alten, oft ineffizienten analogen Gewohnheiten verhaftet, die nicht mehr nötig sind? Nach der ersten Runde: Regen Sie Ihre Phantasie an, indem Sie nach den besten Tools googlen, die Start-up-Gründer nutzen.

Als Vorbild vorangehen und über seine positiven Erfahrungen mit neuen digitalen Verhaltensweisen zu reden, ist oft schon die halbe Miete. Die andere Hälfte entfällt darauf, auch den Kollegen die Möglichkeit zu geben, Tools auszuprobieren und Ihre Favoriten zu teilen – und zwar auch die privaten. Wie wäre es mit einem „Tool-Tausch“-Lunch unter allen Mitarbeitern Ihrer Abteilung oder einem Newsletter „Tools des Monats“, der jeden Monat von einem anderen Mitarbeiter bestückt wird?

#3 Widmen Sie vorhandene Freiräume der Digitalen Transformation

Sie haben ein Schulungs- oder Fortbildungsbudget? Nur noch für digitalisierungsrelevante Themen einsetzen. Sie haben ein Strategiemeeting, bei dem jeder eine eigene Idee mitbringen soll? Machen Sie zur Voraussetzung, dass sie digital ist. Sie haben ein betriebliches Vorschlagswesen? Verdoppeln Sie aus eigenen Mitteln die Belohnung für digitale Ideen in Ihrer Abteilung. Sie können Abteilungsziele für den Bonus frei festlegen? Setzen Sie Ziele im Zusammenhang mit Digitalisierung oder Digitaler Transformation. Sie können Mitarbeiter zu Praktika oder Schnuppertagen entsenden? Schicken Sie sie in Start-ups oder andere Digitalunternehmen, damit Sie von dort die Arbeitsweise in Ihre Abteilung zurückbringen.

Also drei Maßnahmen, die Sie als überzeugter digitaler Transformator auch dann ergreifen können, wenn die Digitale Transformation keinen großen Anteil an Ihrer Unternehmensstrategie hat. So kann Ihre Abteilung ein Hort der Modernisierung werden – und dann, wenn das Thema auch das Top Management erobert hat, sogar Vorreiter und Multiplikator sein. Wenn sich Ihre Kollegen dann üblicherweise noch in Widerstand üben, ist das wahrscheinlich nicht zu Ihrem Nachteil…


Katja Nettesheim ist Gründerin und Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Mediate. Zudem ist sie Professorin für digitales Medienmanagement an der Steinbeis Hochschule Berlin. Mehr von Katja Nettesheim: So entstehen neue Geschäftsmodelle und In drei Schritten zur Digitalisierung