MobilitätsaktienDer Lyft-Börsengang sorgt für Kursfantasie

Der Fahrdienst Lyft geht an die Börse
Der Fahrdienst Lyft geht an die BörseGetty Images

Erst im Dezember hatten beide offiziell das Rennen eröffnet und Vollgas Richtung Börse gegeben. Diese Woche nun überquert der Fahrdienst Lyft als erster von beiden die Ziellinie und feiert seinen Börsengang. Doch der Konkurrent Uber hängt ihm quasi an der Stoßstange und wird schon im April folgen. Mit ihrem Wettrennen an die Wall Street haben die beiden Fahrtvermittler auch die Fantasie vieler Anleger weltweit wieder beflügelt. Endlich verspüren die Märkte wieder einen leichten Vorwärtsdrall oder schalteten zumindest zeitweise einen Gang rauf. Denn wenn sich zwei schwergewichtige Einhörner an die Aktienmärkte wagen, dann kann die Lage ja nicht so dramatisch sein. Oder?

Tatsächlich gehen mit Lyft und Uber nicht nur milliardenschwere Technologiefirmen an die Anlegeröffentlichkeit, sondern auch absolute Hoffnungswerte, die nun ihre Kraft an den Börsen ausloten. Und sie sind auch längst nicht die einzigen Tech-Titel, die in diesem Jahr das Listing anstreben: Auch der Zimmervermittler Airbnb, die Plattform Pinterest und der Nachrichtendienst Slack wollen in den nächsten Wochen ebenfalls die ersten Aktien rausbringen. Es wird also noch spannend im April. Denn die Bewertungen für Lyft vor der Erstnotiz kann man durchaus als atemberaubend bezeichnen.

Große Nachfrage nach Lyft-Aktien

Obwohl der Fahrdienst zuletzt nur einen Umsatz von rund 2,1 Mrd. Dollar machte, umgerechnet 1,9 Mrd. Euro, und im vergangenen Jahr einen Verlust von 911 Mio. Dollar einfuhr und damit erheblich mehr als noch im Jahr zuvor, sieht es so aus, als ob sein Börsenwert am Freitag bei rund 23 Mrd. Dollar liegen könnte. Er wäre also rund neunmal so viel wert, wie er mit seinem Geschäft derzeit erzielt. Zuletzt hatten die Firmenchefs und Analysten mit einem Ausgabepreis von 63 bis 68 Dollar je Aktie gerechnet. Tatsächlich aber wird der Preis wohl darüber liegen. Denn die Nachfrage nach Lyft-Aktien war so groß, wie es die wenigsten erwartet hatten.

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Woher die große Euphorie kommt, ist schwer zu erklären. Schließlich ist der Fahrdienst Lyft international noch nicht sehr bekannt, er betreibt lediglich in den USA und Kanada sein Geschäft – während der Konkurrent Uber in immerhin fast 70 Ländern aktiv ist und gerade erst medienträchtig für gut 3 Mrd. Dollar Careem aufgekauft hat, einen der großen Wettbewerber, um auch den Markt im Nahen Osten aufzurollen. Doch auf dem amerikanischen Heimatmarkt sind beide nur eine Fahrzeuglänge voneinander entfernt: Lyft hat dort einen Marktanteil von rund 28 Prozent, Uber liegt bei rund 39 Prozent. Beide zusammen dominieren den Markt.

Im Gesamtvergleich allerdings ist Uber rund fünfmal so groß: Er brachte es 2018 auf einen Umsatz von gut 11 Mrd. Dollar, schrieb aber ebenfalls Verluste – und so wird es wohl auch in den kommenden Jahren bleiben. Mit mindestens noch drei Jahren in den Miesen müssten Anleger beim Fahrdienst rechnen, mahnen Analysten. Denn er gibt viel Geld aus, um parallel das Leasinggeschäft voranzubringen, um Zulassungen zu bekommen und erhalten, um Rechtsstreitigkeiten beizulegen und neue Fahrer anzuwerben. All das kostet viel Geld. Die Bewertung von Uber bremst das momentan dennoch nicht. Als der Weltautobauer Toyota im vergangenen Jahr mit einer halbe Mrd. Euro einstieg, taxierten die Beteiligten den Fahrdienstvermittler noch auf rund 76 Mrd. Dollar. Beim Börsengang im April könnten locker 120 Mrd. daraus werden. Er hätte also etwa das Zehnfache des Umsatzes an Börsenwert. Damit wäre Uber so viel wert wie General Motors, Ford und Fiat Chrysler zusammen.