PreisrallyIst Gold wirklich eine gute Anlageidee?

Goldbarren bei der Bundesbank
Goldbarren bei der BundesbankBundesbank / Nils Thies

Wer schon einmal einen echten Goldbarren in der Hand gehabt hat, der weiß: Gold wiegt schwer und ist nicht sehr leicht anzuheben, wenn es in größerer Menge daherkommt. Für den Goldpreis aber gilt das nicht. Er hat sich seit Mitte Juli aufgeschwungen und ist regelrecht abgehoben. Diese Woche erneut: Bei gemächlichen 1797 Dollar je Unze fing die Goldrally im Juli an, bei rund 1970 Dollar stand das Edelmetall zu Beginn dieser Woche noch, Anfang August. Nachdem das Edelmetall seit Dienstag erneut einen Satz gemacht hat und rund 100 Dollar zulegte, notiert es nun satt über der 2000-Dollar-Marke, bei 2060 Dollar zuletzt. Das ist ein neues Allzeithoch. Die magische 2000er-Marke, sie ist also gefallen.

Goldpreis Rohstoff

Goldpreis Rohstoff Chart

Betrachtet man den Preis auf lange Sicht, also über knapp 20 Jahre, dann wirkt es so, als habe das Gold gerade den Turbo gezündet. Es schießt weit über alle Aufschwünge und Spitzen hinweg, die es seit der Jahrtausendwende erlebt hat. Der Grund dafür liegt klar auf der Hand: Die unglaublichen Hilfspakete der Regierungen und Notenbanken wegen der Corona-Krise haben diesen Anstieg befeuert. Billionen Euro wurden in die Kapitalmärkte gepumpt, das nährt natürlich bei vielen den Gedanken: Was wird diese Liquidität bei den Assetklassen bewirken? Droht jetzt die große Geldentwertung in Form von Inflation, wenn sich die Staaten so verschulden? Genau dagegen gilt Gold ja gewöhnlich als das ultimative Absicherungsmittel – neben dem Immobilienbesitz.

Kein Wunder also, dass sich jetzt wieder viele Anleger fragen: Soll ich jetzt Gold kaufen, damit ich auch von diesem Aufschwung profitiere? Er wird ja gewiss weitergehen mit dem Preisanstieg, oder nicht? So sicher ist das in der Tat nicht. Auch wenn das Edelmetall eine beachtliche Wertentwicklung hingelegt hat: Auf Fünfjahressicht jedenfalls erlebte Gold nun eine erstaunliche Performance von 89 Prozent, das sind knapp 18 Prozent pro Jahr. Aber: Auf Zehnjahressicht waren es „nur“ 71 Prozent, also 7 Prozent jährlich.

Gold hatte auch längere Schäwchephasen

Deshalb kann man als Skeptiker erst einmal sagen: Das hätte man auch mit Aktien geschafft – und sogar noch mehr: Der MSCI World legte im selben Zeitraum sogar 105 Prozent zu. Entscheidend ist also nicht nur, ob eine Vermögensanlage ein paar extrem gute Jahre erlebt, und ob sie in Extremsituationen steigt, also in Krisen so wie in diesem Fall. Sondern vor allem ist bei der Geldanalage wichtig, ob sie ihren Kurs auch über extrem lange Zeiträume hält.

Und an der Stelle fühlen sich zumindest die etwas älteren Anleger an das Jahr 2012 erinnert, noch ältere an die Ölkrise und dann noch einmal an die späten 70er-Jahre. Auch da legte der Goldpreis jeweils sprunghaft zu. Für ein paar Jahre. Um danach aber auch wieder abzusacken oder zumindest ewige Zeiten vor sich hinzudümpeln: Zwischen 1980 und 2006 bewegte sich der Kurs wenig – außer seitwärts. Seit 2012 bis heute schwächelte er ebenfalls vor sich hin.

Lohnt sich also jetzt noch der Einstieg? Wir haben dazu fünf Marktstrategen nach ihrer Meinung und dem Ausblick fürs Gold gefragt. Eines vorweg: Eindeutig fällt die Meinung der Experten nicht aus. Allenfalls in einem Punkt stimmen sie überein: Rund 10 Prozent des liquiden Vermögens (also des Geldanteils, der nicht in Immobilien steckt) kann und darf der Goldanteil ausmachen. Mehr sollten es aber nicht sein. Hier sind die Antworten der Experten:

Bert Flossbach, Fondsmanager und Gründer der Flossbach von Storch AG:

„Gold ist und bleibt – unabhängig vom Marktumfeld – ein fester Bestandteil unserer gemischten Portfolios. Es ist eine Versicherung gegen die Risiken des Finanzsystems. Und wir sind froh, eine solche Versicherung zu haben. Noch besser wäre aber, sie niemals in Anspruch nehmen zu müssen…“

Jörg Zeuner, Chefvolkswirt von Union Investment

„Es spricht viel für Gold. Angefangen vom schwachen US-Dollar über niedrige Realrenditen bis hin zur Unsicherheit über Pandemie und Geopolitik wirken derzeit viele Faktoren unterstützend. Der Goldpreis hat aber auch schon einiges eingepreist und ist so hoch wie noch nie. Groß ist das Potenzial daher nicht mehr. Wer nach günstigeren Alternativen sucht, kann nach der jüngsten Silber-Rallye einen Blick auf Platin werfen.“

Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank

„Die Voraussetzungen für weiter steigende Edelmetallpreise sind gut. Die Instabilität der Finanzsysteme führt nur in eine Richtung, die weltweite Verschuldung nimmt immer drastischer zu. Gleichzeitig gibt es keine Zinsen mehr, nach Abzug der Inflation verlieren Anleger sogar Geld. Das frühere Killerargument, Gold werfe keine Zinsen ab, ist damit längst vom Tisch. Das alles bringt viel Schwung in die alternativen Anlageklassen. Auch viele Notenbanken und große Vermögensverwalter stehen beim Gold weiterhin auf der Käuferseite. Und wie üblich wird die Anlegermasse diesen Vorreitern nachfolgen und die Edelmetallpreise langfristig weiter steigen lassen.

Wer einen längerfristigen Anlagehorizont hat, der kann weiterhin in Gold investieren. Gold ist eine etablierte Anlageklasse. Wegen der anhaltenden Krisen kann Gold im nächsten Jahr sogar 2500 US-Dollar je Unze erreichen. Denn Gold ist auch ein knappes und damit teures Gut: Während die Welt-Schulden den Pazifik füllen könnten, passen die Welt-Goldvorräte im Vergleich in einen Putzeimer. Anleger sollten sich aber nicht irritieren lassen, wenn es auch mal wieder zu einer stärkeren Korrektur kommt.“

Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck Privatbankiers

„Gold ist keine Cash-Alternative, dazu ist sein Preistrend viel zu volatil. Aus zwei Gründen gehört Gold für uns aber generell in ein gut gemanagtes Portfolio: Erstens angesichts seiner fundamental weiter guten Aussichten – gerade im Hinblick auf die längerfristig wohl extrem niedrigen oder sogar negativen Realzinsen. Und zweitens unter Risiko-Managementgesichtspunkten: Gold ist ein wichtiger Diversifikator in klassischen Wertpapierportfolios. Weil es wenig mit anderen Anlageklassen korreliert.“

Carsten Klude Chefvolkswirt von M.M. Warburg & Co.

„Gold eignet sich aus unserer Sicht sinnvoll als Ergänzung zu einem bestehenden Portfolio, aber wir würden nicht zu Gold allein als Anlageform raten. Da dann keine ausreichende Diversifikation mehr besteht. Gold profitiert zum einen von der stark steigenden Staatsverschuldung und der daraus resultierenden Sorge vieler Anleger vor einem möglichen zukünftigen Inflationsanstieg. Zudem spricht die technische Marktsituation für einen Goldpreis, der in den nächsten Monaten auf deutlich mehr als 2000 US-Dollar je Unze ansteigen könnte.“

Wohin mit den Barren und Münzen?

Folgendes sollten Anleger darüber hinaus bedenken: Wer jetzt einsteigt, hat bereits wieder den größten Teil des Anstiegs verpasst, falls er auf kurzfristige Gewinne spekuliert. Langfristig gesehen wäre eine Depotabsicherung mit 10 Prozent Gold dagegen eine Überlegung wert.

Fragen Sie sich aber auch: Will ich das Gold physisch halten, also wirklich in Barren und Münzen, weil ich es auch als Not- und Reservewährung sehe? Dann fallen Lagerkosten an, wenn Sie ihren Goldschatz sicher verwahren wollen. Zudem machen Prägekosten gerade kleine Stückelungen erheblich unlukrativer. Oder sollen es Gold-Indexfonds sein, also Gold-ETC. Die sind erheblich leichter zu horten und zu veräußern. Dazu sollte man jedoch wissen, dass künftig Steuern auf die Gewinne von Gold-ETC fällig werden. Bisher war das nicht der Fall. Anleger konnten die Spekulationsgewinne bisher nach einem Jahr steuerfrei auch bei den Wertpapieren einstreichen. Für Goldbarren dagegen gilt die Steuerfreiheit weiterhin.

 


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